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Kunstrasen: Vom Kunstrasen ist nichts mehr übrig

Kunstrasen : Vom Kunstrasen ist nichts mehr übrig

Das Unwetter der vergangenen Woche hat den Platz des SC Bliesransbach zerstört. Ein neuer kostet 500 000 Euro.

In zwei Jahren feiert der SC Bliesransbach sein 100-jähriges Bestehen. In der Nacht zum vergangenen Freitag erlebte der Verein aber den schwärzesten Tag der Vereinsgeschichte. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Michael Becker, der Vorsitzende des Fußball-Landesligisten. Bei dem Jahrhundert-Unwetter in der Gemeinde Kleinblittersdorf hat es den Kunstrasen im Sportpark Sauerwiese volle Breitseite erwischt. Etwa 500 Meter oberhalb des Sportplatzes laufen der Aubergbach und der Niederwieserbach zusammen und bis zum Kunstrasenplatz oberirdisch und dann in einem Rohr unter dem Platz hindurch. Sowohl der Aubergbach als auch der Niederwieserbach sind normalerweise zwei schnucklige Bächlein mit einigen Zentimeter Breite. In der Nacht zum Freitag donnerte ein 80 Meter breiter und 80 Zentimeter hoher Fluss über den Platz und riss selbst die Betonanker der massiven Umzäunung aus dem Boden. Der Kunstrasen-Teppich liegt nur noch in hohen Wellen auf dem Platz. Der Schotter wurde weggespült und die Drainage zerstört.

„Es ist alles kaputt. Es sind auch große und tiefe Löcher auf dem Platz. Wie tief genau und warum, das wollen wir am Dienstag feststellen“, sagt Michael Becker. Heute um 19 Uhr soll die Begehung mit Experten und Politikern stattfinden. Der Kunstrasen in Bliesransbach wurde im Jahr 2003 gebaut und hätte in vier Wochen erneuert werden sollen. Der Verein sparte über Jahre und hätte mit Unterstützung der Sportplanungskommission, des Landes und der Gemeinde den Rasen neu verlegen können. Etwa 180 000 Euro hätte die neue Kunstrasendecke gekostet, da der komplette Unterbau des Platzes noch in Ordnung war. Jetzt ist alles kaputt.

Ein Projekt, das auf etwa 180 000 Euro ohne Unwetter angelegt war, kostet seit vergangenem Freitag plötzlich etwa 500 000 Euro. „Wir müssen einen komplett neuen Sportplatz bauen. Im Prinzip können wir froh sein, dass das Unwetter nicht vier Wochen später kam, sonst wäre der neue Platz kaputt gewesen“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Die Sportplanungskommission und der Saarländische Fußball-Verband haben dem SC Bliesransbach schon ihre Hilfe zugesichert. Bürgermeister Stephan Strichertz ist sich sicher, dass auch das Innenministerium helfen wird. „Wir von der Gemeinde werden auch helfen. Wir werden uns mit den Vereinsvertretern zusammensetzen und in Ruhe drüber reden, wie die Hilfe ausfallen muss. Wir dürfen bei allem Schaden, der in der Gemeinde angerichtet wurde, jetzt nicht in hektischen Aktionismus verfallen“, sagt Stephan Strichertz.

Der Verein hat auch an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Brief geschrieben und die nahezu aussichtslose Situation erklärt. Gut möglich, dass der SC Bliesransbach auch vom DFB unterstützt wird – oder sogar von der Nationalmannschaft. Immerhin haben Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und der aktuelle Nationalspieler Jonas Hector aus Auersmacher bereits auf dem Kunstrasen in Bliesransbach gekickt.

Aktuell spielen in Bliesransbach G-, F-, E- und D-Jugendmannschaften, zwei aktive Herren- und zwei Damenmannschaften sowie Mädchenmannschaften in Spielgemeinschaften. „Ich denke, dass in diesem Kalenderjahr bei uns nicht mehr gespielt werden kann. Wir müssen gucken, wo wir ab sofort trainieren können. Auch die Einnahmen von Festen und vom Spielbetrieb brechen weg. Es wird eine harte Zeit werden“, sagt Michael Becker.