| 20:27 Uhr

Biospäre
Unesco überprüft die Biosphäre Bliesgau

Im Biosphärenreservat Bliesgau dürfen auf dem Gelände des Wintringer Hofs die Hühner frei rumlaufen.
Im Biosphärenreservat Bliesgau dürfen auf dem Gelände des Wintringer Hofs die Hühner frei rumlaufen. FOTO: Oliver Dietze
Kleinblittersdorf. Alle zehn Jahre kontrolliert die internationale Organisation, ob die Reservate weiter alle Anforderungen erfüllen. red

Im Mai 2009 wurde sie von der Region gebührend gefeiert: die Unesco-Anerkennung des Biosphärenreservates Bliesgau, zu dem auch die Gemeinde Kleinblittersdorf gehört. Diesen Ritterschlag durch die Weltkulturorganisation gilt es nun für einen weiteren Zeitraum zu bestätigen: Gemäß den internationalen Leitlinien werden Unesco-Biosphärenreservate alle zehn Jahre überprüft. Basis dieser Überprüfung sind die Anerkennungskriterien, der Antrag auf Anerkennung und ein Bericht der für das jeweilige Biosphärenreservat zuständigen Behörde. Vor diesem Hintergrund steht nun die erste Evaluierung der Biosphäre Bliesgau an. Zunächst wurde Mitte September der Berichtsentwurf über die Entwicklungen der letzten zehn Jahre beim deutschen MAB-Nationalkomitee eingereicht. Dabei steht die Abkürzung „MAB“ für das Unesco-Programm „Man and Biosphere“ („Der Mensch und die Biosphäre“), in dem die Biosphärenreservate verankert sind.


Zeitgleich mit dem Einzug der ersten Herbsttage bereiste vor wenigen Tagen eine achtköpfige Delegation des Nationalkomitees, einschließlich Vertretern des Bundesamtes für Naturschutz und des Bundesumweltministeriums, die Biosphäre Bliesgau. Gerade die zahlreichen Projekte und Aktivitäten der Region unter die Lupe zu nehmen und vor allem auch die Tuchfühlung mit den Menschen der Region zu suchen, war eine wichtige Motivation für den Besuch vor Ort. Für den saarländischen Umweltminister Reinhold Jost ist die Evaluierung ein wichtiger Schritt, um die jahrlange Arbeit im Biosphärenreservat von außen beurteilen zu lassen: „Wir erwarten von dieser Überprüfung wichtige Hinweise, wo wir auf dem richtigen Weg sind und wo wir gegebenenfalls nachsteuern müssen. Besonders freue ich mich, dass die Vertreterinnen und Vertreter des MAB-Nationalkomitees die Begeisterung aller Akteure bei der Präsentation ihrer Projekte gespürt und mit nach Hause genommen haben.“ Es wurden, stellvertretend für die zahlreichen biosphärischen Initiativen, mehrere Akteure und Projekte besucht: Die Biosphärenstadt Blieskastel, die Bliesgau Öl- und Senfmühle auf dem Berghof bei Einöd, das Ökologische Schullandheim Gersheim, die Kernzone „Baumbusch“ bei Medelsheim, das Naturschutzgroßvorhaben „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“ bei Reinheim und der Wintringer Hof mit dem KulturOrt Wintringer Kapelle standen auf dem Bereisungsplan.

Die Vorsitzende des Nationalkomitees, Inka Gnittke, zeigte sich beeindruckt: „Dass wir im Rahmen der Exkursion mehr als 60 engagierte Akteurinnen und Akteure kennengelernt haben zeigt, wie stark dieses Biosphärenreservat von der Region getragen wird. Diese guten Eindrücke der Bereisung werden sicher positiv in die Beratungen des MAB-Komitees einfließen.“ Am zweiten Tag des Besuchs haben das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der Biosphärenzweckverband Bliesgau und das Nationalkomitee den Berichtsentwurf zur Evaluierung besprochen und diskutiert. Dieser wird nun bis Januar 2019 entsprechend überarbeitet. „Uns allen bleibt nun abzuwarten, wie die Rückmeldungen der Unesco im Detail formuliert sind und die Bewertung der Biosphäre Bliesgau letztlich konkret aussieht“, fasst Verbandvorsteher und Landrat,  Theophil Gallo, zusammen. „Die Region hat sich von ihrer besten Seite gezeigt und dies ist überaus positiv beim Evaluierungsteam angekommen“, ergänzt er stolz. „Immerhin ist dies ein sehr wichtiger Baustein im Evaluierungsprozess, auf den sich die Region gut vorbereitet hat. Unabhängig davon sollte eine zweite „Halbzeit“ auf jeden Fall drin sein, ich wüsste nicht, was wir hätten besser machen können.“ Das endgültige Ergebnis ist jedoch erst Mitte 2020 zu erwarten, da nach der Bewertung durch das deutsche Komitee die Unesco mit Sitz in Paris das letzte Wort hat.