Scheune wird zum Landgasthof

Fünf Jahre dauerte, mit Unterbrechungen, der Umbau eines unscheinbaren Gemäuers zur Bliesgau-Zierde mit Restaurant, Tagungssaal und vier Hotelzimmern. Der Weg dahin war steinig – und viel länger als geplant.

Alles riecht in dem stattlichen Haus am Wintringer Hof nach Aufbruch und Anfang. Die jüngst verlegten Eichendielen, die Wände, gestrichen mit Ökofarben, die frisch geölten Handläufe auf den Geländern in die beiden oberen Stockwerke.

Jeder hat den übernächsten Sonntag im Kopf. Am 4. Oktober ist Erntedankfest auf dem Wintringer Hof der Lebenshilfe Obere Saar. Dann eröffnet sie dort ihren Landgasthof. Vieles ist erledigt, justiert, montiert. Doch wie immer bleibt so kurz vor Eröffnungsterminen noch viel Feinarbeit. Handwerker pendeln zwischen Lieferwagen und Haus. Einige ziehen Leitungen ein, andere bringen LED-Leuchten in Position.

Hinter urigen Eichenbalken am Tresen, aus alten Bliesgau-Bauten geholt und aufbereitet, zeigt sich noch die Füllung aus Lavendelstroh. An der Hausrückwand unterbricht ein rustikales Mauerstück, gefertigt aus Steinen vom Hof, den hellen Verputz. Wie so vieles, das im Gasthof verbaut ist, sind die Steine bewusste, gewollte Erinnerung an den Ort und die Biosphäre Bliesgau, in der dieses Haus steht. Regional ausgerichtet soll die Speisekarte sein und mit Produkten aus dem Ökolandbau aufwarten, nicht zuletzt vom Wintringer Hof.

Manfred Zimmer, Vorsitzender der Lebenshilfe Obere Saar, und Gabriele Allwicher, bei der Lebenshilfe Leiterin der Landwirtschaftsbetriebe, stellten der SZ den Gasthof inmitten des für den Endspurt typischen Gewimmels vor. 2,8 Millionen Euro kostete der Umbau einer Scheune zu diesem Schmuckstück am Rande der Biosphäre.

Drei Viertel der Summe brachte die Lebenshilfe Obere Saar auf, ein Viertel kommt aus dem Leader-Programm der Europäischen Union und zwei weiteren Fördertöpfen zugunsten ländlicher Regionen.

Rund 50 Betriebe, überwiegend aus dem Saarland, waren oder sind noch an diesem Vorhaben beteiligt, das die Lebenshilfe schon 2010 auf den Weg brachte. Aber wer Großes wie am Wintringer Hof plant, gerät womöglich in die Mühlen der Förderbürokratie und muss schon mal auf das nächste Geld warten. Nicht zuletzt deshalb dauerte der Umbau fast drei Jahre länger, als es die Lebenshilfe vorhatte.

Für 70 Gäste eingerichtet ist das Gasthaus im Erdgeschoss, Herzstück des 700 Quadratmeter großen Baus. Breite Stufen führen hinauf in den darüberliegenden geräumigen Saal, einen Platz zum Feiern und dank entsprechender Technik zum Tagen und Fortbilden.

Unter dem Dach sind vier Hotelzimmer auf Vier-Sterne-Niveau. Ein Aufzug sorgt für die Barrierefreiheit. Denn von der Toilette bis zur schwellenlosen geräumigen Duschkabine soll alles im Landgasthof so behindertengerecht wie möglich sein. Das ist für die Lebenshilfe Obere Saar Teil ihres Selbstverständnisses, wie Manfred Zimmer betont. Er ist stolz auf das Team, das der Eröffnung entgegenfiebert. Für zunächst acht Menschen mit und elf Kollegen ohne Behinderung bietet der Landgasthof Arbeitsplätze. Wenn's gut läuft, können es noch mehr werden.