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Ehrenamt
Schon Jonas Hector hat bei ihr geturnt

 Mariette Brach vom TV Auersmacher ist die gute Seele des Vereins.
Mariette Brach vom TV Auersmacher ist die gute Seele des Vereins. FOTO: Andreas Schlichter
Auersmacher. Jahrzehntelang hat Mariette Brach Kindern das Turnen beigebracht. Bis heute ist sie ehrenamtlich tätig. Von Sebastian Zenner

An zwei Dingen kommt man nicht vorbei, wenn man Mariette Brach besucht:. „Bei mir bekommt jeder, der hierher kommt, Kaffee und Kuchen. Dann lasse ich alles andere sofort stehen und liegen“, sagt die 60-Jährige mit Nachdruck. Weder Paketboten noch Journalisten und Fotografen der Saarbrücker Zeitung können sich der Verköstigung entziehen. Nun, es gibt Schlimmeres.


Zu erzählen hat die 60-Jährige viel. Vor über 40 Jahren kam sie nach Auersmacher. Zu ihrem Ehemann Jürgen, der vor elf Jahren starb. 1976 trat sie dem Turnverein Auersmacher bei, nahm zusammen mit Jürgen an Wanderungen teil, und beide halfen im Verein mit, wenn sie gebraucht wurden. Auch ihr jetziger Lebensgefährte Ralf bringt Verständnis für das Engagement im Verein mit und packt auch schon mal selbst mit an – unter anderem als Kampfrichter. Die Arbeit im Verein hat zur Integration in der neuen Heimat beigetragen. „Allerdings wurde ich nie ‚gedääft‘“, merkt Brach an, die aus Luisenthal stammt. Dem Brauch, Zugezogene im Rahmen des Dorffestes einer obligatorischen Taufe zu unterziehen, entging sie dadurch.

Mit Tochter Jennifer und Sohn Sascha nahm sie später an den wöchentlichen Eltern-Kind-Turnstunden des TVA teil. Als eine Übungsleiterin für die bis Vierjährigen gesucht wurde, erklärte sich Mariette Brach sofort bereit und absolvierte die nötigen Lehrgänge. Das war vor über 20 Jahren. Erst im Dezember 2018 zog sie einen Schlussstrich unter diese ehrenamtliche Tätigkeit. „Ich hatte mir schon früh vorgenommen, mit 60 Jahren aufzuhören“, erklärt Brach. „Ich vermisse die Kinder schon, ich habe das immer sehr gerne gemacht. Aber irgendwann muss man sich eingestehen, dass es nicht mehr geht“, sagt sie und ergänzt lachend: „Die Kinder sind heutzutage pfiffiger  und sagen knallhart: Ich turne hier mit einer Oma.“



Eigene Enkelkinder hat Brach noch nicht. Dafür ist sie eine Mutterfigur für hunderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in und um Auersmacher. Mittlerweile kommen frühere Schützlinge auch mit ihrem Nachwuchs zur Turnstunde. „Es sind alles meine Kinder“, sagt Mariette Brach mit einem stolzen Lächeln und einem Kloß im Hals. Im örtlichen Kindergarten sowie in der Kirche, dem Pfarrheim und dem Pfarrbüro arbeitet sie als Reinigungskraft. Außerdem trägt sie einmal pro Woche das Mitteilungsblatt aus. Früher arbeitete sie als Krankenschwester.

Auch der berühmteste Sohn des Dorfes, Fußball-Nationalspieler Jonas Hector (1. FC Köln), ging bei Mariette Brach in die sportliche Lehre. „Er war lange dabei und hat davon sehr profitiert“, weiß Brach und erinnert sich: „Er war ein guter Turner. Allerdings musste man immer darauf achten, dass die Ballschränke verschlossen waren. Wenn nicht, fetzte er nur noch mit einem Ball am Fuß durch die Halle. Fußball war schon immer sein Leben.“

Das Leben von Mariette Brach dreht sich neben dem Beruf und etwas Sport vor allem um die ehrenamtliche Arbeit. Noch immer hilft sie beim TV Auersmacher, den Landfrauen und anderen Organisationen mit, wo sie nur kann. Am liebsten in der Küche, aber auch beim Auf- und Abbau für Feste, als Bedienung und vieles mehr. Nur in der ersten Reihe steht sie nicht gerne. „Da gehe ich lieber in die Küche, spüle einen großen Berg Geschirr“, betont Mariette Brach und lacht. Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Mir macht das Spaß, im Verein zu helfen. Ich mache das gerne. Vor allem das Miteinander gefällt mir sehr gut. Wir sind alle Freunde, und es wird einem vom Verein auch gedankt.“

Trotzdem ist es gut zu wissen, dass es Momente gibt, in denen Mariette Brach alles stehen und liegen lässt und sich an einem Schwätzchen bei Kaffee und Kuchen erfreut.