Aus der Kneipe an den Beckenrand in Kleinblittersdorf Lustige und dramatische Szenen im Bad

Kleinblittersdorf/Püttlingen · Manfred Rohrbacher (61) ist seit 30 Jahren Betriebsleiter des Freibades in Kleinblittersdorf.

 Manfred Rohrbacher im Kleinblittersdorfer Freibad. Der 61-Jährige ist seit 30 Jahren Chef des Bades.

Manfred Rohrbacher im Kleinblittersdorfer Freibad. Der 61-Jährige ist seit 30 Jahren Chef des Bades.

Foto: Heiko Lehmann

Das Wasser ist in den Becken, die Wassertemperatur beträgt 17 Grad, das Wetter war zuletzt auch klasse. Die Freibadsaison in Kleinblittersdorf hätte ohne Corona am 1. Mai beginnen können. So früh wie seit Jahren nicht. „Es ist wirklich bitter. Wir sind mit allem fertig und könnten loslegen. Sogar der Bau des neuen Babybeckens macht gute Fortschritte“, sagt Manfred Rohrbacher, der Betriebsleiter des Freibades.

Er ist seit genau 30 Jahren der Chef des Bades. 1976 hat der damals 15-jährige seine Karriere gestartet und beim Saarbrücker Bäderamt eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe begonnen. „Ich war schon vor der Ausbildungszeit Saisonkraft und Rettungsschwimmer in Bädern, und die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht“, blickt der 61-Jährige zurück. Das Problem Ende der 1970er Jahre war allerdings, dass es genau in diesen Jahren eine richtige Schwimmmeister-Schwemme im Saarland gab und nicht jeder eine Stelle bekam. Also hängte Rohrbacher eine Ausbildung zum Sport-Physiotherapeuten dran. „Es war eine verrückte Zeit. Ich arbeitete nebenher in der Gastronomie und bekam plötzlich die Idee vom eigenen Lokal.“

Aus einem wurden dann drei. Rohrbacher betrieb in den 1980er Jahren die Pianobar und die Zillestube in Homburg sowie das Piccadilly in Neunkirchen. Allerdings dauerte der Abstecher in die Gastronomie nur sechs Jahre, dann war wieder Schluss. Rohrbacher stellte die Lebensqualität vor das zu verdienende Geld: „Das Nachtleben in den Bars und Clubs macht dich auf Dauer fertig. Es war sehr anstrengend, es gab im Prinzip nur arbeiten und schlafen. Außerdem vermisste ich die Schwimmbäder“, erzählt der geborene Saarbrücker, der mittlerweile in Püttlingen lebt.

Wie es der Zufall wollte, waren Ende der 1980er Jahre Bademeister wieder sehr gefragt, und nach einem Jahr beim Saarbrücker Bäderamt schaute sich Rohrbacher das Freibad in Kleinblittersdorf an. „Ich war sofort verliebt. Ich kenne kein Bad, das eine schönere Lage hat. Ich bekam die Stelle sofort, und es begann eine wunderbare Zeit.“

Der 61-Jährige wohnte direkt neben dem Hallen- und Freibad in Kleinblittersdorf. In den 90er Jahren hatte er zwei Deutsche Doggen, die nachts gerne mal durchs Freibadgelände streunerten und unerlaubten Badebesuch verscheuchten. „Es war irgendwann Mitte der 1990er Jahre, als ich morgens aufwachte und die Hunde nicht da waren. Das machten sie normalerweise nie. Als ich dann ins Freibad ging, sah ich die Hunde um den Beckenrand laufen. Im Wasser waren fünf junge Männer, die die ganze Nacht nicht aus dem Wasser konnten und denen man die Angst in ihren Gesichtern ansah. Ich solle nur die Hunde wegnehmen, sie würden auch nie wieder nachts schwimmen kommen, sagten sie. Was sie nicht wussten: Die beiden Hunde konnten keiner Fliege was zu Leide tun“, erinnert sich Rohrbacher lachend.

In seiner Schwimmschule im Hallenbad brachte er etwa 5000 Kindern und behinderten Menschen das Schwimmen bei. Auch dramatische Momente gab es: Er konnte einem Fünfjährigen das Leben retten, nachdem das Kind schon leblos im Wasser getrieben war.

Die Kriminalität in den Bädern sei deutlich gestiegen: „In den 90er Jahren konnte man das noch selber regeln. Heute brauchst du einen Sicherheitsdienst, ohne den geht es nicht mehr“, sagt Rohrbacher, der schon überlegte, vorzeitig in Rente zu gehen. „Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Schlägereien waren an der Tagesordnung. Seit wir den Sicherheitsdienst haben, ist aber alles wieder in Ordnung. Dazu kommen eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und ein Förderverein, ohne den das Freibad heute auch nicht so dastehen würde. Mir macht es wieder Spaß, und ich denke, dass ich noch ein paar Jahre weitermachen werde.“ Und er hofft, dass in dieser Saison in seinem Freibad noch geschwommen werden kann.

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