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Luzia Wieland hält das Deutsche Rote Kreuz an der Oberen Saar zusammen

Luzia Wieland wird’s schon richten : Die gute Seele im Roten Kreuz Obere Saar

Gesundheitsberaterin Luzia Wieland (70) ist nach einer beruflichen Reise durch Deutschland in Rilchingen-Hanweiler gelandet.

„Hallo, ich hoffe, es hat Ihnen heute Spaß gemacht. Arbeiten Sie bei dem Supermarkt?“, fragt Luzia Wieland am Donnerstag einen Blutspender in Rilchingen-Hanweiler und zeigt auf dessen Logo auf dem T-Shirt. Der Blutspender lächelt und bejaht die Frage. Schnell kommen die beiden in einen kurzen Plausch – mit Schutzmaske und Abstand selbstverständlich. „Möchten Sie Vollmilch-Schokolade in ihr Lunchpaket oder lieber Zartbitter-Schokolade?“ fragt Luzia Wieland.

Sie ist die gute Seele im Deutschen Roten Kreuz (DRK) Obere Saar – ein Zusammenschluss der Ortsvereine Rilchingen-Hanweiler, Sitterswald und Auersmacher. Dabei ist die aus Perl-Borg stammende Frau erst seit fünf Jahren im DRK Obere Saar. Sie ist 70 Jahre alt, hat sich mit 65 Jahren eine Eigentumswohnung gekauft und ist von Perl nach Rilchingen-Hanweiler gezogen. „Ich wollte ja eigentlich ins Rheinland ziehen, aber meine Schwägerin hat die Anzeige aus Rilchingen-Hanweiler entdeckt, und jetzt bin ich hier“, sagt die 70-Jährige und lächelt.

Mit 65 Jahren noch einmal umziehen und komplett neu anfangen. Was für viele Menschen Zeit ihres Lebens unvorstellbar erscheint, ist bei Luzia Wieland irgendwie im Blut. Sie wuchs auf einem großen Bauernhof in Perl auf, lernte schon im Jugendalter den Beruf der Kinderkrankenschwester und wollte in die große weite Welt. „Mein Vater hat mir damals den Führerschein und ein Auto versprochen, wenn ich bleibe. Aber mein Drang in die Welt zu ziehen, war viel zu groß“, erzählt die ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin.

Mit 15 Jahren ging die Reise los. Zuerst zog sie nach Merzig zur Ausbildung, dann ging es ins Rheinland nach Mönchengladbach, dem heimlichen Favoriten von Luzia Wieland. „Die Rheinländer sind das sympathischste Völkchen. Die gehen sofort auf jemanden zu, tanzen mit jedem und sind einfach sehr offen“, blickt die 70-Jährige zurück. Sie arbeitete bei all ihren Stationen in ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester und blieb immer so lange, bis sie in den Krankenhäusern alles Neue und die Abläufe kannte.

Dann ging es weiter: ganz in den Norden nach Wick auf Föhr, weiter nach Berlin und von dort in den Süden nach Lörrach, Würzburg und Bayreuth. „Im Norden sind die Leute reservierter und zurückhaltender. Die Badener sind aufgeschlossener, aber nicht lustig. Mit den Bayern, Schwaben und den Saarländern komme ich ganz gut klar“, sagt sie und lacht. Sie hat sie alle kennengelernt und überall ihre Erfahrungen eingebracht. Wenn sie heute durch Deutschland reist, braucht sie kein Hotel. Sie hat überall Freunde.

In einem Krankenhaus in Würzburg half sie einem Kind beim Mittagessen, als plötzlich Chefvisite war. Eine Oberärztin stellte ihren Kollegen eine neue Behandlungsmethode vor, von der keiner so richtig wusste, wie sie genau funktionierte. „Da ich das Gespräch verfolgte und die Behandlungsform aus Berlin genau kannte, habe ich es den Ärzten kurz erklärt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass das der Oberärztin überhaupt nicht gefiel“, erzählt die 70-Jährige und lacht wieder. Doch der Deutschland-Bummlerin gefiel auch einiges nicht. Zum Beispiel, als ein Arzt in den 1970er Jahren verhindern wollte, dass schwer kranke Krankenhauskinder an Weihnachten Briefe mit Fotos nach Hause schicken durften. Sie hat 46 Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Früher wurden die Kinder verschickt. Ein Zug mit hunderten von Kindern fuhr kreuz und quer durch Deutschland zu Krankenhäusern oder Heimen. Dreijährige saßen ohne Aufsichtsperson alleine in den Zügen und hatten nur ein Schild um den Hals, wie sie heißen und wo sie hin müssen. Stellen Sie sich so etwas heute mal vor“, sagt Luzia Wieland und schüttelt den Kopf.

Sie hat aus allem das Beste gemacht, immer nach dem Wohl der Menschen geschaut. Genau wie heute, wenn sie als Leiterin der sozialen Dienste im DRK Obere Saar alle Verpflegungs-Einkäufe für das Blutspenden erledigt und später jeden Einzelnen fragt, wie das Wohlbefinden ist und welche Schokolade sie in das Lunchpaket packen darf.