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Grünschnittdeponie
Kostenlos Grünschnitt abgeben ist vorbei

Jahrelang konnten die Auersmacher Bürger ihren Grünschnitt auf dieser Anlage bequem entsorgen. Geringe Mengen waren kostenlos, und die Gemeinde machte daraus Kompost.
Jahrelang konnten die Auersmacher Bürger ihren Grünschnitt auf dieser Anlage bequem entsorgen. Geringe Mengen waren kostenlos, und die Gemeinde machte daraus Kompost. FOTO: Heiko Lehmann
Auersmacher. Seit Januar fährt der EVS den Grünschnitt in Auersmacher ab. Wie teuer das für die Bürger wird, ist noch offen.

Die Kompostieranlage in Auersmacher war seit Jahren eines der Aushängeschilder der Gemeinde Kleinblittersdorf. Bürger konnten dort ihren Grünschnitt von bis zu zwei Kubikmeter kostenlos abgeben. Für größere Mengen, sowie für gewerblichen oder landwirtschaftlichen Grünschnitt, mussten sie bezahlen. Den Grünschnitt verwertete die Gemeinde Kleinblittersdorf zu Kompost, der wegen seiner Qualität sogar ein Zertifikat erhielt. Diesen Kompost konnten die Bürger wiederum kaufen.



Doch das ist seit dem 1. Januar 2018 alles anders. Seit Jahresbeginn heißt die Anlage Grüngut-Annahmestelle und der Entsorgungsverband Saar (EVS) fährt von dieser Sammelstelle regelmäßig den Grünschnitt ab. Wie Bürgermeister Stephan Strichertz mitteilte, muss die Gemeinde an den EVS pro Jahr 49 000 Euro zahlen. Auch der Bürger wird zur Kasse gebeten. Jedes Abgeben von Grünschnitt kostet ab sofort Geld. Wie viel ist noch unklar. „Darüber wird der Gemeinderat in einer der kommenden Sitzungen abstimmen“, sagte Strichertz weiter.

Im Ortsrat von Auersmacher war die ehemalige Kompostieranlage ebenfalls Thema. Bürger mähen quasi ehrenamtlich viele Wiesen oder schneiden Hecken in Auersmacher zurück, damit nichts verwildert. Bislang konnte dieser Grünschnitt problemlos auf der Anlage abgegeben werden. Ob die Ehrenamtler in Auersmacher künftig zur Kasse gebeten werden, steht ebenfalls noch nicht fest. Gewerblicher und landwirtschaftlicher Grünschnitt darf an der Sammelstelle nicht mehr abgeben werden. Also müssen Ehrenamtler und auch Landwirte mit ihren Traktoren den Grünschnitt auf eine Anlage nach Ormesheim fahren. „Auf unserer Kompostieranlage wären unsere Leute in fünf Minuten. Bis nach Ormesheim dauert eine Fahrt eine halbe Stunde, und der Benzinverbrauch und die Abgasemissionen sind höher“, sagte Ortsvorsteher Thomas Unold während der Sitzung. Kompost wird auf der Anlage in Auersmacher künftig auch nicht mehr in der bekannten Menge hergestellt. „Wir hätten noch die Möglichkeit, den gemeindeeigenen Grünschnitt, also von Hecken und Wiesen der Gemeinde, selber zu kompostieren. Aber darüber gibt es noch keine Entscheidung. Wir würden dann aber weniger Grünschnitt vom EVS abfahren lassen müssen und Geld sparen“, so der Bürgermeister, der weiter mitteilte, dass der Grünschnitt aus Auersmacher künftig im französischen Saargemünd verwertet wird. So lange, bis das geplante Biomassezentrum ins Ensdorf fertiggestellt ist (voraussichtlich im Jahr 2022).

„Dem EVS an dieser Stelle für alles den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre ein Fehler. Der EVS muss zwingend das geänderte Gesetz des Landtages umsetzen und ist quasi zu diesen Maßnahmen verpflichtet“, sagte Strichertz. Die ehemalige Kompostieranlage in Auersmacher ist eine der wenigen im Saarland, an der vergleichsweise geringe „Optimierungen“ vorgenommen werden mussten. Bereits im vergangenen Jahr berichtete die Saarbrücker Zeitung darüber, dass viele Städte und Kommunen im Saarland ihre Kompostieranlagen aufwändig modernisieren oder Sammelstellen erst einrichten müssen. Teilweise können das Investitionen im sechsstelligen Bereich sein.

„Die Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben für die Herrichtung und den Betrieb von Grüngut-Annahmestellen bestehen schon länger. Im Zuge der Neuordnung der Grüngutverwertung wird nun jedoch verstärkt darauf geachtet, dass diese auch erfüllt werden. So wurde vielerorts eine aufwändige Optimierung unvermeidlich“, erklärt Marianne Lehmann, Pressesprecherin des EVS. Auf die Frage, ob bei der Anlage in Auersmacher eine Ausnahme gemacht werden kann, teilte der EVS mit: Was die Qualität der Grüngutverwertung angeht, müssten die Kommunen anspruchsvolle Vorgaben erfüllen. Dies könne aus Sicht des Gesetzgebers mit einer Verwertung in wenigen zentralen Anlagen am besten gewährleistet werden. Deshalb werde es für die Gemeinde Kleinblittersdorf keine Sonderrolle  geben. Und Lehmann betont, dass die Verwertung des Grünabfalls – unabhängig von der bislang erzielten Qualität – auch in der Vergangenheit Kosten verursacht habe.

Wie die SZ berichtete, wird der Entsorgungsbetrieb ZKE seine Kompostieranlage in Gersweiler behalten, weil der EVS diese nutzen will. Ab 2020 sollen dann auch in Saarbrücken die Gebühren steigen, weil der EVS eine Solidargemeinschaft sei.