Inderin versprüht viel Lebensfreude

Ordensschwester Maria Joyce verstärkt seit Dezember den Konvent der Schwestern vom Heiligen Geist in Kleinblittersdorf.

Sie ist rund 8000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, und doch fühlt sie sich im Saarland schon fast wie zuhause. Seit Dezember lebt Schwester Maria Joyce im Hanns-Joachim-Haus in Kleinblittersdorf und verstärkt dort den Konvent der Schwestern vom Heiligen Geist. Die 55-Jährige kommt ursprünglich aus Indien, dort ist sie 1983 in den Orden eingetreten. Sie ist schon viel in der Welt rumgekommen, arbeitete unter anderem in einem Kinderheim und in einem Frauenhaus, reiste nach Afrika und Kanada und lernte verschiedene Sprachen. Vor einem Jahr kam dann der Ruf nach Deutschland. "Weil die Schwestern hier immer älter werden, wurde ich gerufen, um auszuhelfen", erzählt Schwester Joyce. "Ich tue, was ich kann. Das ist meine Aufgabe im Orden und das mache ich gern. Bei uns steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt."

Ein Jahr verbrachte sie im Mutterhaus des Ordens in Koblenz, um sich vorzubereiten und Deutsch zu lernen, bevor sie im Dezember nach Kleinblittersdorf kam. Hier ist sie die jüngste von sieben verbliebenen Schwestern, die in der obersten Etage des Seniorenzentrums wohnen. In erster Linie ist sie für ihre älteren Mitschwestern da, hilft bei den Mahlzeiten und anderen Erledigungen. Aber auch bei den Senioren der Altenpflegeeinrichtung ist sie gern gesehen. Mit ihrer fröhlichen Art und ihrem Sprach-Mix aus Deutsch und Englisch hat sie in Kleinblittersdorf schnell die Herzen erobert.

Die Neue bringt auf jeden Falls Lebensfreude in die Ordens-Gemeinschaft. Sie macht Yoga, tanzt gerne und singt. "Wenn negative Dinge passieren, dann denke ich einfach positiv", ist dabei ihr Lebensmotto. Nachmittags greifen die Damen dann gern zu Gesellschaftsspielen, wobei Joyce meistens gewinnt, wie Oberin Schwester Romana berichtet. Manchmal vermisst sie ihre Heimat, aber "ich bin für einen guten Zweck hier und die Arbeit gefällt mir". Und alle zwei Jahre steht ein sechswöchiger Heimaturlaub auf dem Programm.

In ihrem Zimmer hat Schwester Joyce kleine Kräutertöpfe mit Curry-Blättern, Paprika, Chili und Knoblauch aufgestellt. "In Indien hat jeder einen Garten und das will ich mir hier ein bisschen bewahren", schmunzelt sie. Mit den deutschen Gewohnheiten und auch den geschmacklichen Vorlieben war Schwester Joyce aber nicht gänzlich unvertraut: "Wir hatten in Indien oft Besucher aus Deutschland." Um ihren Mitschwestern einen Eindruck von ihrer Kultur zu geben, bereitet sie gern würzige Chutneys oder andere landestypische Gerichte zu.

Auch ein Bild von ihrem Vater erinnert an die Heimat der Ordensschwester. Ansonsten dominieren Bücher das kleine Zimmer. Überwiegend ist es deutsche Grammatik, aber auch eine Bibel in der neuen Landessprache ist dabei. Denn Joyce will sich schnell in die neue Umgebung einfinden.

Bald möchte sie auch den Führerschein machen. "Wir haben ein Auto, aber keiner kann mehr fahren", berichtet Schwester Joyce. "Das wäre schon praktisch, wenn ich mal kleinere Erledigungen machen könnte und nicht immer 15 Minuten zu Fuß in den Ort laufen muss."

Ihr Visum gilt zunächst für zwei Jahre. Aber Schwester Joyce wird in Kleinblittersdorf bleiben, "so lange es notwendig ist", wie sie sagt: "Ich bin dankbar, dass ich hier meinen Beitrag leisten kann. Jeden Morgen begrüße ich Gott voller Hoffnung und danke ihm abends für alles, was er tut." Das teilt die Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken (cts) mit.