In Kleinblittersdorf gibt es kaum noch Interessenten am Tennissport

Tennis-Flaute : Tennis hat es in Kleinblittersdorf schwer

Dem einstigen Trendsport gehen in den beiden Vereinen der Gemeinde an der Oberen Saar nur noch wenige nach.

Meterhoch wachsen die Pflanzen auf den Tennisplätzen in der Gemeinde Kleinblittersdorf. Dazwischen liegen Holzstücke, alte Plastikbehälter und Scherben. Die Heimat des Weißen Sports ist auf dem besten Weg zum Biotop. In Rilchingen-Hanweiler erinnern nur noch das Netz und die Markierungen der Linien an die ehemalige Blütezeit des Tennis.

„Wir haben vor einigen Jahren bereits den dritten Tennisplatz an die Gemeinde zurückgegeben. Der zweite Platz wird auch nicht mehr genutzt. Gespielt wird nur noch auf dem ersten Platz“, sagt Herbert Roth, der Vorsitzende des Tennisclubs Rilchingen-Hanweiler.

Im Jahr 1973 wurde der Verein gegründet, und Ende der 1970er-Jahre spielten bereits rund 200 Menschen im Club Tennis. Als Boris Becker und Steffi Graf vor 30 Jahren Deutschland zur Tennisnation machten, kam der nächste Schub. „Trotz Aufnahmegebühr mussten wir damals einen Aufnahmestopp verhängen. Es wurden einfach zu viele Mitglieder“, sagt Herbert Roth.

Ähnlich war es beim zweiten Tennisclub in der Gemeinde, dem TC Kleinblittersdorf. Knapp 300 Mitglieder spielten auf dem Kleinblittersdorfer Berg, und es wurden neben einem Clubheim sogar fünf Plätze gebaut. Heute ähneln drei Plätze bereits einem Wald, der vierte Platz ist auf dem besten Weg dahin, und nur auf dem fünften wird noch gespielt. „Es wurden immer weniger Mitglieder, und heute sind es gerade noch 18. Ich bin der Jüngste, alle anderen sind über 70 Jahre alt“, sagt Bürgermeister Stephan Strichertz, der auch der Vorsitzende des TCK ist.

Der 58-Jährige war früher einer der besten Jugendspieler des Vereins. „Es wurde sich nie richtig um den Nachwuchs im Verein gekümmert, und ohne Nachwuchs hat man langfristig keine Chance“, sagt Strichertz. Dem Tennisclub Kleinblittersdorf droht das Aus. Die wenigen Mitglieder kommen nur noch selten, um zu spielen.

Das Gelände gehört der Gemeinde, die sich bereits um Lösungen kümmert. Es gibt aktuell vier Möglichkeiten: Zwei Hundevereine haben Interesse. Sie wollen die Plätze nutzen für Verhaltenstraining oder für den Hundesport Agility.

Auch der Ortsverschönerungsverein Kleinblittersdorf kann sich eine Nutzung vorstellen. Die vierte Variante ist eine Hundepension. „Bis Ende des Jahres soll feststehen, was mit dem Tennisgelände geschieht. Die wenigen Tennisspieler sollen in Kleinblittersdorf allerdings weiterhin die Möglichkeit haben, auf einem Platz zu spielen.

Ähnlich ist die Situation in Rilchingen-Hanweiler, wo es früher sogar eine große Tennishalle mit drei Plätzen und zusätzlichem Außenplatz gab. „Als die Halle geschlossen wurde, sind viele Jugendspieler zu anderen Vereinen gegangen. Grundsätzlich gibt es heute aber immer weniger Nachwuchs, und immer mehr andere Freizeitangebote. Tennis ist nicht mehr in. Und ich glaube, daran würde auch ein neuer deutscher Tennisstar nichts mehr ändern“, sagt Herbert Roth.

Alle Bemühungen um neue Mitglieder scheiterten beim TCK und beim TCH. Aktionen in Schulen und Kindergärten waren nicht von Erfolg gekrönt, und aus freien Stücken kommen schon lange keine „Neuen“ mehr, um Tennis zu spielen.

Sieben ältere Menschen nutzen den einen verbleibenden Platz in Hanweiler noch. Der Petanque Club und die Sportfreunde haben schon Interesse an den beiden aktuell zugewachsenen Tennisplätzen angemeldet. Kurios: Obwohl Tennis auch in Rilchingen-Hanweiler kurz vor dem Aus steht, ist das Clubheim des Vereins nach wie vor gut besucht. An der Prognose für den Weißen Sport an der Oberen Saar ändert das nichts.

Beim TC Kleinblittersdorf ähneln drei von fünf Tennisplätzen bereits einem Wald. Auch der TCK steht vor dem Aus. Foto: Heiko Lehmann

Stephan Strichertz und Herbert Roth sind sich einig, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Tennis in der Gemeinde Kleinblittersdorf komplett von der Bildfläche verschwindet.

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