1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Kleinblittersdorf

Neuer Pfarrer: Gott war sein Berufsberater

Neuer Pfarrer : Gott war sein Berufsberater

Pastor Matthias Scheer ist neuer Seelsorger für die 7000 Kleinblittersdorfer Katholiken. Ein Start von null auf hundert.

Sein Tag beginnt um 6 Uhr mit dem Morgengebet. 8 Uhr: wichtige Themen am Computer abarbeiten, Telefonate führen. 10 Uhr: Interview mit der Saarbrücker Zeitung. Dann kommt eine Referentin aus Saarbrücken zu einem Gespräch. 14.30 Uhr: Sterbeamt in Rilchingen-Hanweiler, dann Taufgespräch in Sitterswald. Für den Abend hat sich ein junges Paar aus Bliesmengen-Bolchen zum Trauungsgespräch angekündigt.

Der neue katholische Pastor in der Gemeinde Kleinblittersdorf startet von null auf hundert – in einem besonderen Sommer. „Tragen Sie mal bei diesen Temperaturen zur Beerdigung ein Priestergewand. Da bekommt Hitze eine ganz neue Bedeutung“, sagt Matthias Scheer.

Wie sagt man eigentlich richtig: Pastor, Pfarrer oder Priester? „Rein kirchenrechtlich heißt der Titel Pfarrer. Bei uns im Saarland sagen aber die meisten Pastor. Weiter Richtung Norddeutschland sagt man immer mehr Pfarrer. Es ist unterschiedlich, aber jeder weiß, wer gemeint ist“, sagt der 37-Jährige. Er ist der jüngster Pastor aller Zeiten in der Gemeinde Kleinblittersdorf.

Am 22. Mai ist Scheer ins Pfarrhaus nach Kleinblittersdorf gezogen. Seine Tätigkeit hat er am 15. Juni aufgenommen. Der Bischof hat ihn zum Pfarrverwalter für die Gemeinde Kleinblittersdorf ernannt. „Eigentlich ist Pfarrverwalter das Gleiche wie Pastor, da geht’s nur um Kleinigkeiten im Kirchenrecht.“

Offiziell eingeführt wird Scheer am Sonntag, 5. August, um 15 Uhr bei einer Messe in Kleinblittersdorf. Selbst an diesem Tag hat der „Neue“ volles Programm und um 13 Uhr bereits fünf Taufen in Rilchingen-Hanweiler. Wird das nicht irgendwann ein bisschen viel?

„Es ist viel, und es wird nach der Ferienzeit auch noch mehr werden. Ich empfinde es aber nicht als negativen Stress. Es ist meine Berufung, für andere Menschen da zu sein“, erklärt der 37-Jährige, der aus Neunkirchen stammt und bereits in Bad Kreuznach, Saarlouis, Völklingen und Heusweiler gearbeitet hat.

In Kleinblittersdorf ist aber seine erste Stelle als Pastor. „Ich konnte mich bereits im Kindergarten für den Singkreis und Krippenspiele begeistern und wollte immer Messdiener werden. Schließlich wurde ich Leiter der Messdiener. Und irgendwann, ich glaube es war mit 16 Jahren, kam mir zum ersten Mal der Gedanke, ich könnte ja Pastor werden“, blickt Scheer zurück.

Mit 18 Jahren kam der Gedanke wieder. Der Neunkircher Bub fuhr nach Trier und informierte sich über die Pastoren-Laufbahn. Nach dem Abitur war „Pastor werden“ dann schon wieder im Kopf, und die nächste Fahrt nach Trier stand an.

„Es gab kein einzelnes Erlebnis, das mich zu diesem Beruf brachte. Es war Gott, der in regelmäßigen Abständen anklopfte und mich für dieses Thema begeisterte. Gott war sehr hartnäckig bei mir, aber heute bin ich dankbar. Es war die richtige Entscheidung“, sagt der 37-Jährige, der jedem rät, auf diese innere Stimme zu hören. „Vielleicht möchte Gott dir etwas mitteilen und dich auf einen Weg bringen. Man muss nur den Mut aufbringen, es zu tun.“

Zeit für Hobbys hat Matthias Scheer aktuell kaum. Zu voll ist der Terminplan. „Es sind noch ein Diakon und eine Gemeindereferentin für Kleinblittersdorf  vorgesehen, und ich hoffe, dass diese bald kommen. Ich möchte auch außer­halb der offiziellen Termine mit den Menschen in Kleinblittersdorf in Kontakt treten. Dazu habe ich aber momentan keine Zeit, was sehr schade ist“, sagt Scheer. Nicht einmal seinem Hobby kann der leidenschaftliche Sammler von Monopoly-Spielen derzeit nachgehen.

 Das Sammeln von Monopoly-Spielen ist ein Hobby des 37-Jährigen. 250 Exemplare hat er schon. Zum Spielen fehlt ihm momentan die Zeit.
Das Sammeln von Monopoly-Spielen ist ein Hobby des 37-Jährigen. 250 Exemplare hat er schon. Zum Spielen fehlt ihm momentan die Zeit.

250 Spiele hat Matthias Scheer. Selbst asiatische Versionen sind dabei. Das exotischste Exemplar schenkten ihm die Messdiener aus Völklingen zum Abschied  – mit original Völklinger Straßennamen, versteht sich. „Es gibt Sammler, die haben das Zehnfache an Spielen. Doch ganz so extrem bin ich dann doch nicht“, sagt der junge, neue und Frische ausstrahlende Pastor, der vor allem die etwa 12 000 Menschen in den fünf Ortsteilen kennenlernen möchte. Davon sind etwa 7000 Katholiken.