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Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf nimmt an Modellprojekt teil

Kostenpflichtiger Inhalt: Bildung : Fremdsprachen lernen ohne Druck

„1. Fremdsprache: Französisch oder Englisch?“ Diese Frage müssen sich Eltern für ihre Kinder vor dem Eintritt in die 5. Klasse stellen. An der Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf lautet die Antwort: beides!

Steht der Wechsel von Grundschule zur weiterführenden Schule an, müssen Eltern viele Entscheidungen treffen. Welche Schulform ist die Richtige? Wie ist der neue Schulweg zu bewältigen? Und soll der Nachwuchs lieber Englisch oder Französisch als erste Fremdsprache belegen – obwohl in dem Alter noch gar nicht absehbar ist, welche Sprache den elfjährigen Schülern in ihrer Zukunft am meisten nützt?

Die letzte Entscheidung kann noch ein wenig aufgeschoben werden – zumindest an der Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf. „Eine andere Art von Unterricht“, nennt Schulleiterin Corinna Grotehusmann das Konzept, das dort bereits im vierten Jahr erprobt wird: Statt die Kinder sofort auf eine Fremdsprache festzulegen, werden in Kleinblittersdorf Französisch und Englisch in den ersten beiden Jahren gleichberechtigt unterrichtet. Je drei Wochenstunden für jedes Fach stehen für die Fünft- und Sechsklässler auf dem Stundenplan. Außer Vokabeltests gibt es keine Klassenarbeiten in dieser Zeit, statt Noten finden sich schriftliche Beurteilungen im Zeugnis. Eine Festlegung auf die erste Fremdsprache erfolgt erst in Klassestufe 7 – wenn die Kinder Gelegenheit hatten, ihr Talent in beiden Sprachen zu erproben.

Ein Modellprojekt unter der Leitung des saarländischen Bildungsministeriums, an dem sich im Saarland neben der Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf nur vier weitere Schulen (die Gemeinschaftsschulen Merchweiler, Wellesweiler, Saarlouis in den Fliesen und Schmelz) beteiligen. Im Regionalverband ist dieser Schulversuch aber bisher einmalig. Grotehusmann ist von dem Konzept überzeugt. „Der Schwerpunkt liegt hier auf Hören und Sprechen“, erklärt die Direktorin den aus ihrer Sicht größten Vorteil des Modells. „Eine handlungs- und anwendungsorientierte Sprachvermittlung“ nennt das Bildungsministerium diesen Ansatz – ganz anders also als im klassischen Fremdsprachenunterricht, wo ab der ersten Stunde Grammatik und Rechtschreibung gepaukt wird, aber die tatsächliche Kommunikation häufig auf der Strecke bleibt. Dabei sei es doch vor allem wichtig, dass die Kinder die Scheu verlieren, sich in der fremden Sprache zu verständigen. „Vor allem introvertierte Schüler profitieren davon“, betont Grotehusmann.

Corinna Grotehusmann ist Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf. Foto: Aline Pabst

Aber sehen die Kinder das genauso? Max (13), Lisa (14) und Emma (14) (Namen geändert) besuchen die 8. Klasse der Gemeinschaftsschule. Sie gehören zum ersten Jahrgang, der in Kleinblittersdorf nach dem Modellversuch unterrichtet worden ist. „Ich fand es gut, das wir die Fächer parallel hatten und bei beiden auf dem gleichen Level im gleichen Schuljahr waren“, sagt Max. „Ohne Noten konnte man sich auch erst so ein bisschen eingewöhnen“, ergänzt Emma. Zwar habe man sich nach dem Wechsel in die siebte Klassenstufe, wenn wieder Klassenarbeiten geschrieben und Noten vergeben werden, schon ein bisschen mehr anstrengen müssen, erzählt Lisa. „Aber da hat man schnell wieder reingefunden.“

Man merkt den Kindern ihre Selbstsicherheit im Umgang mit den fremden Sprachen an. Am Ende der 6. Klasse wurden sie mündlich geprüft und erhielten ein Sprachzertifikat. „Darüber wird nicht so viel Leistungsdruck aufgebaut als bei fünf regelmäßigen Klassenarbeiten im Schuljahr“, so Grotehusmann. Außerdem sei es für die Schüler schön, etwas Greifbares in den Händen zu halten.

Bisher ist von Seiten des Ministeriums noch nicht entschieden, wie lange das Projekt so weiterlaufen wird. Für die Schulleiterin ist es aber jetzt schon ein voller Erfolg. „Die Schüler sind motivierter und lernen angstfrei“, betont Grotehusmann. Dadurch seien die Kinder auch aufnahmefähiger. Die Schüler erst beide Fremdsprachen kennen lernen zu lassen, bevor sie sich für eine entscheiden, sei auch positiv zu werten: „So können sie sich hinterher ein Urteil darüber erlauben.“ Und möglicherweise weckt das auch die Lust nach mehr: Als sich Max, Lisa und Emma schließlich in der siebten Klasse auf eine erste Fremdsprache festlegen mussten, haben zwar alle drei Englisch gewählt – aber Französisch als zweite Fremdsprache beibehalten, statt nur einen Kurs mit zwei Wochenstunden zu belegen oder das Fach ganz abzuwählen. Viele ihrer Mitschüler haben es ihnen gleich getan.