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Gefühl, Kraft, Technik und Gewandtheit

Caroline Erler zeigt auf der Saar bei Kleinblittersdorf, was ihren Sport ausmacht. Die Athletin von der PG Kaiserslautern hält ihr Boot mit dem Doppelpaddel kraftvoll im wilden Wasser auf Kurs Richtung Torstange, die sie voll konzentriert im Visier hat. Foto: Thomas Wieck
Caroline Erler zeigt auf der Saar bei Kleinblittersdorf, was ihren Sport ausmacht. Die Athletin von der PG Kaiserslautern hält ihr Boot mit dem Doppelpaddel kraftvoll im wilden Wasser auf Kurs Richtung Torstange, die sie voll konzentriert im Visier hat. Foto: Thomas Wieck FOTO: Thomas Wieck
Kleinblittersdorf. Am Saarwehr bei Kleinblittersdorf haben der Saarbrücker Kanu-Club und der CK Val de Sarre aus Frankreich gemeinsam Wettbewerbe ausgerichtet. Die Vereine würden die grenzüberschreitende Strecke gerne ausbauen. Patric Cordier

Träge fließt die Saar durch Saarbrücken. Der Fluss scheint still zu stehen. Kaum vorstellbar, dass es nur wenige Kilometer flussaufwärts ein kleines Eldorado für Wildwasser-Kanuten gibt. Das Stauwehr zwischen Kleinblittersdorf auf deutscher Seite und dem französischen Grossbliederstroff war vor Kurzem Austragungsort der offenen Saarlandmeisterschaften und der französischen Département-Wettkämpfe. "Im vergangenen Jahr haben wir hier auch die deutschen Meisterschaften ausgerichtet", erzählt Armin Neidhart, der Vorsitzende des Saarbrücker-Kanu Clubs, der mit dem CK Val de Sarre die Wettbewerbe ausrichtete: "Schon damals waren selbst die Bundestrainer von unserer Strecke positiv überrascht."


Anders als bei künstlich angelegten Strecken wie beispielsweise in Augsburg, wo man die Wassermenge über Pumpen steuern kann, ist man an der Saar weitestgehend auf die natürliche Wasserführung angewiesen. Regenfälle sorgten vor allem am ersten Tag der Veranstaltung für optimale Bedingungen - besonders wichtig, weil erstmals im Saarland ein sogenannter Kanu-Slalom-Cross ausgetragen wurde. "Hier treten vier Boote in einem Rennen direkt gegeneinander an", erklärt Neidhart die neue Wettkampfform. Er ergänzt: "Die Tore dürfen berührt werden. Es erinnert so ein bisschen an römische Wagenrennen." Ulf Jung aus Zweibrücken und Sophie Staudt aus Saarbrücken erwiesen sich dabei als die besten "Boots-Gladiatoren".

Spaß gemacht hat es allen. "Dieser Kampf Boot gegen Boot ist etwas ganz anderes als sonst nur gegen die Uhr", sagt die 17 Jahre alte Sophie Staudt, die sich tags darauf dann auch im Kajak - das sind die Boote mit dem Doppelpaddel - und im Canadier - das sind die Boote mit dem Stechpaddel - die Einzeltitel bei den Juniorinnen holte. Bei den süddeutschen Meisterschaften war sie Zweite und Fünfte geworden. "Man braucht Gefühl für das Boot, Kraft, Technik, Gewandtheit", erklärt Sophie die wichtigsten Voraussetzungen: "Und ich will immer gewinnen."



Siegerin bei den Damen wurde Birgit Fassbender aus Merzig, bei den Herren holte sich Dirk Fuhrmann vom Saarbrücker Kanu-Club den Titel. Beeindrucken konnte aber vor allem Wolfgang Ernst aus Saarlouis. Er war mit 75 Jahren der älteste Teilnehmer. "Ich mache ja auch noch Geräteturnen und bin Marathon gelaufen", erklärt Ernst seine Fitness, "zwei Mal die Woche sitze ich im Boot. Dass ich schneller bin als manch jüngerer, ist mir nicht wichtig. Ich möchte gerne eine Art Vorbild sein."

Vorbildlich könnte auch ein Projekt sein, dass der Saarbrücker Kanu-Club mit seinem französischen Partnerverein CK Val de Sarre angestoßen hat. Beide Vereine möchten die grenzüberschreitende Kanu-Strecke gerne ausbauen, damit die Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für ihre Athleten verbessern. Bislang treffen die Bemühungen der Clubs aber bei den Entscheidern auf beiden Seiten der Grenze auf wenig offene Ohren. "Die Vereine zeigen, wie deutsch-französische Kooperation funktionieren kann", sagte Neidhart. Er stellte weitere positive Aspekte eines Ausbaus der Strecke heraus: "Es wäre auch ein Übungsgelände beispielsweise für die Wasserretter von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk." Und womöglich ein Anziehungspunkt für Touristen und Sportler in der Nähe von Saarbrücken.

www.saarbruecker-kanu-club.de