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Ordensschwestern : Festtag im Zeichen der Nächstenliebe

Ordensschwestern : Festtag im Zeichen der Nächstenliebe

Seit 100 Jahren tun Schwestern vom Heiligen Geist in Kleinblittersdorf Gutes. Doch zum Festwochenende kommt auch  Wehmut auf.

Das Hanns-Joachim-Haus leuchtet im Sonnenlicht. Gelbe Rollos unterbrechen als Farbtupfer die helle Fassade. Licht flutet den Eingang. Der Lift hält nach kurzer Fahrt. Stille.

Drei Ordensschwestern erscheinen an der Tür in der zweiten Etage. Schwester Romana, Schwester Augustina und Schwester Joyce, mit 55 die mit weitem Abstand Jüngste, haben den Alltag unterbrochen in ihrem Konvent. Ein Wort, wie aus anderen Zeiten herübergerettet. Von einem geräumigen Gemeinschaftsraum geht der Blick weit ins obere Saartal. Ein Ort, wie geschaffen, um auf Großes vorauszuschauen. Und um weit zurückzublicken.

Die Vorausschau gilt dem großen Fest an diesem Sonntag. Der Anlass ist 100 Jahre her. 1917 begannen die Schwestern vom Heiligen Geist ihre Arbeit in Kleinblittersdorf. Sie kümmern sich seither um Menschen, die besondere Aufmerksamkeit benötigen: Kinder, Alte, Behinderte.

100 Jahre gute Taten: Das ist für den Ort ein Grund, sich zu bedanken und mit den Schwestern zu feiern. Mit Gottesdienst, Festakt und Sommerfete (siehe Info). Aber das Jahrhundert-Werk der Schwestern inspiriert auch zum Blick in Zeiten, als dieser Orden  noch viel größer war. Allein sieben Konvente gab es in Saarbrücken. Das Theresienheim gehörte zum Beispiel dazu, als das Leben in einem Orden und für diese Gemeinschaft einen Platz in vielen Lebensplänen hatte.

Im Kleinblittersdorf leben nur noch acht Schwestern. Frauen, die seit Jahrzehnten ihrem Glauben Taten folgen lassen. Es sind Christinnen, die aus dem Zusammenleben Kraft schöpfen. Im Ehrenamt sind die Frauen immer noch für andere da bei Krankenbesuchen und als Trösterinnen an Sterbebetten. „Die Gemeinschaft ist das Wichtigste, das gemeinsame Gebet“, sagt Schwester Augustina. Sie weiß noch von Zeiten, als 36, 37 Ordensfrauen in Kleinblittersdorf beteten und arbeiteten. Augustina hat 33 Jahre lang in Hilbringen Spuren hinterlassen, sie hat Generationen von Jungen und Mädchen im Kindergarten erzogen. Gerührt erinnert sie sich an den Abschied, die Wehmut, mit der die Hilbringer sie vor zwölf Jahren an die Obere Saar ziehen lassen mussten.

Romana, die Oberin in Kleinblittersdorf, hat sich jahrzehntelang im Dudweiler Krankenhaus um Patienten gekümmert. Allein ein Vierteljahrhundert managte sie den OP-Betrieb der Klinik. In Tausenden Nächten hatte sie Bereitschaftsdienst.

Und Schwester Joyce? Die 55-Jährige aus dem indischen Bundesstaat Kerala stand früher als Sozialarbeiterin Frauen, Kindern und ganzen Familien in Tansania zur Seite. Heute ist sie im Kleinblittersdorfer Konvent gern für ihre älteren Mitschwestern da. „Mir gefällt es sehr gut hier“, sagt sie. Nach gut einem halben Jahr hat sie die neue Umgebung kennen und schätzen gelernt.

Ihre Mitschwestern stellen sich den Herausforderungen des Alters auf ganz eigene Weise. „Jammern hilft nicht“, sagt Augustina. „Aber es tut auch mal gut“, fügt sie lächelnd hinzu. Schwester Romana setzt ein Ja zum Leben immer wieder gegen seine schweren Seiten. Und sie genießt auch die Freuden.

An diesem Sonntag wird erst einmal groß gefeiert. Erst in der nahen Kirche St. Agatha. Danach im Pfarrheim und um das Hanns-Joachim-Haus. So werden  Joyce und die anderen den Tanz bewundern, den eine indische Mitschwester zum großen Tag  einstudiert hat.

Den Alltag im Konvent wird nach dem Fest wieder Schwester Joyce bereichern. Sie bietet  Lachen, Lebensfreude und Chutneys mit Gewürzen  aus eigenem Anbau. Die Sonne an der Oberen Saar lässt nicht nur das Hanns-Joachim-Haus leuchten, sondern auch Kräuter für indische Leckereien gedeihen.