1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Kleinblittersdorf

Erfolg mit Harmonie von Arbeit und Natur

Erfolg mit Harmonie von Arbeit und Natur

Kleinblittersdorf. Findus blickt skeptisch drein. Mit Besuch hat der Zuchtbulle am späten Nachmittag wohl nicht mehr gerechnet. Zutraulicher ist die Braune gegenüber. Neugierig fährt die Kuh ihre riesige Zunge aus: "Die möchte eine Möhre oder etwas anderes Leckeres", erklärt Gabi Allwicher, die Verwalterin des Wintringer Hofs zwischen Bliesransbach und Kleinblittersdorf

Kleinblittersdorf. Findus blickt skeptisch drein. Mit Besuch hat der Zuchtbulle am späten Nachmittag wohl nicht mehr gerechnet. Zutraulicher ist die Braune gegenüber. Neugierig fährt die Kuh ihre riesige Zunge aus: "Die möchte eine Möhre oder etwas anderes Leckeres", erklärt Gabi Allwicher, die Verwalterin des Wintringer Hofs zwischen Bliesransbach und Kleinblittersdorf. Die Schweine sind trotz der Minusgrade gelassen: "Den Tieren macht die Kälte weniger aus als den Menschen." "Wir beschäftigen rund 70 betreute und 20 hauptamtliche Mitarbeiter", sagt Allwicher. "Betreute Mitarbeiter", das sind Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Benachteiligung. Denn der Wintringer Hof der Lebenshilfe Obere Saar ist eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Und er ist ein erfolgreiches Unternehmen. Davon macht sich heute der saarländische Sozialminister Gerhard Vigener selbst ein Bild. Auf dem Hof lernen Behinderte die Landwirtschaft kennen, sei es Obst-, Garten-, Landschafts- oder Gemüsebau. Hinzu kommen Verarbeitung und Vermarktung. "Wer zu uns kommt, kann anfangs seine Stärken in einem Praktikum erfahren", sagt Allwicher. Gerade die Vielseitigkeit mache die Arbeit in dem anerkannten Bioland-Betrieb aus. Hier werde nur mit organischen Düngern wie Kompost oder Mist gearbeitet. Auf 50 Hektar Acker- und 60 Hektar Grünland wachsen Futter- und Brotgetreide, Kartoffeln und Kleegras. In einem 2000 Quadratmeter großen Gewächshaus beginnt das Gartenjahr. "Noch schützen wir dort unseren Apfelsaft vor der Kälte", sagt Allwicher. In grünen Kisten stapeln sich Flaschen ohne Etiketten: "Die werden von Hand aufgeklebt. Wir müssen unseren Mitarbeitern unterschiedlich schwierige Aufgaben bieten. Nicht alle sind auf dem gleichen Stand."Weitere Mitarbeiter seien im Gemüsebau, andere bei den körperlich schwereren Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt. Die Baugruppen fahren täglich zu Privatkunden oder Firmen, um Gärten zu pflegen oder anzulegen. Das Arbeiten außerhalb des Hofes helfe, die behinderten Mitarbeiter in die Gesellschaft zu integrieren und steigere ihr Selbstwertgefühl. Im Gewächshaus beginnen an einem großen Tisch die Vorbereitungen für die Salatzucht: "Die Mitarbeiter pressen kleine Erdballen, zählen das Saatgut und drücken es fest." Nach und nach füllen sich die Beete unter Glas: "Vieles wird von Hand bearbeitet, Unkraut mit der Hacke oder von Hand bekämpft. Es geht auch um die sinnvolle Beschäftigung." Fleisch, Obst, Gemüse, Gartenpflanzen und Saft vertreibt die Einrichtung in ihren Läden. Einer ist in Brebach-Fechingen, ein weiterer direkt auf dem Hof. "Kunden kommen aus dem ganzen Regionalverband und dem angrenzenden Frankreich", sagt Allwicher. Backwaren und Apfelsaft gehören zu den Rennern. "Das war ein Rekordjahr. Wir ernteten über 100 000 Kilo Äpfel." So viel, dass der Saft vielleicht noch bis zum Hoffest im Oktober reicht.

Auf einen BlickDer Wintringer Hof an der Landstraße zwischen Bliesransbach und Kleinblittersdorf hat zwei Läden. Der Laden auf dem Hof ist montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Ein weiterer Laden ist in der Erlebnisgärtnerei Storb, Fechingen, Saarbrücker Straße 200. Geöffnet: montags bis freitags 9 bis 19 Uhr, samstags 9 bis 18 Uhr, www.lebenshilfe-obere-saar.de, Telefon (0 68 05) 10 45. chm