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Comeback
Die Rückkehr ist ein harter Kampf

Hier lief es noch rund: Im Dezember 2015 besiegte Jürgen Doberstein im Kampf um den WBA Intercontinental Title im Super-Mittelgewicht Ruben Eduardo Acosta aus Argentinien.
Hier lief es noch rund: Im Dezember 2015 besiegte Jürgen Doberstein im Kampf um den WBA Intercontinental Title im Super-Mittelgewicht Ruben Eduardo Acosta aus Argentinien. FOTO: Oliver Dietze
Kleinblittersdorf. Jürgen Doberstein aus Kleinblittersdorf boxt sich nach einer langen Leidenszeit zurück in den Ring. Von Marcus Kalmes

Wenn ein Box-Profi nachdenklich sagt „Meine Zeit wird kommen“, dann lässt sich erahnen, dass keine gute Zeit hinter ihm liegen mag. Wenn er kämpferisch hinterher schiebt „2018 wird mein Jahr“, dann ist zu spüren, dass sich Frust, aber auch Kampfeslust aufgestaut haben. Beide Sätze stammen von Jürgen Doberstein. Der Supermittelgewicht-Profi konnte zwischen Dezember 2016 und November 2017 nicht in den Ring steigen. „In einer schlechten Zeit rückt ins Bewusstsein, wie schnell es vorbei sein kann“, sagt der Kleinblittersdorfer mit leiser Stimme. Den Kopf gesenkt. Und ergänzt mit markanter Stimme und gehobenem Haupt: „In dieser Zeit ging es darum, zurück zu kommen und zu gewinnen.“


Der 28-Jährige stand im Juni 2016 davor, ein ganz Großer werden zu können. Doberstein bekam über sein Management, die Doberstein Promotion GmbH, die Chance, vor eigenem Publikum in der Saarbrücker Saarlandhalle gegen Robin Krasniqi zu boxen. Ein Sieg, und ein Kampf um einen WM-Gürtel wäre für den Saarländer greifbar gewesen. Doch er verlor eine wahre Ringschlacht gegen den Münchner.

Es folgte eine Leidenszeit. Zwar kämpfte Doberstein am 4. Dezember 2016 in Hamburg noch gegen den Ungarn Istvan Zeller. Nach seinem Sieg kletterte er bis auf Weltranglisten-Platz 35. Doch dann: Kapsel- und Bänderverletzung am Sprunggelenk. Operation an der rechten Schlaghand. Unfall mit dem Fahrrad samt schweren Kopfverletzungen, weil er keinen Helm trug.



Ein Kämpfer, der nicht kämpfen darf – das Schlimmste, was einem Boxer passieren kann. Doberstein wollte zwar wieder in den Ring, statt nur zu trainieren. „Doch an dem Tag, als ich nach meiner Handverletzung wieder einen Kampf zusagen wollte, passierte der Unfall.“ Der Sturz mit dem Fahrrad hatte schlimme Folgen. Die Narben an Dobersteins Kopf sind noch zu sehen. Und er hatte Positives. „Im Saarbrücker Winterberg-Krankenhaus habe ich Michael Drumm kennengelernt“, erzählt der Box-Profi. Sein Mitpatient habe ihm gesagt: „Wer warten kann, zu dem kommt der Erfolg.“ Ein Satz, den sich Doberstein zu Herzen nimmt.

Heute sagt er auf seine Leidenszeit zurückblickend, „in der ich meinem  Physiotherapeuten Gunther Deubel viel zu verdanken habe“, mitunter Verblüffendes: „Ich bin in diesem Jahr besser geworden.“ Wie das? „Ich habe meine linke Hand mehr trainiert.“ Und er habe mit seinem Ernährungsberater Sebastian Geid dafür gesorgt, „dass ich erstmals kein Gewicht machen musste. Ein paar Kilo weniger macht für mich viel aus. Ich kann dadurch bessere Bewegungen machen. Ich war in manchen Situationen über mich selbst überrascht“.

Überrascht hat Doberstein bei seiner Rückkehr in den Ring dann nicht. Es war der 18. November 2017. Ein Sieg war in Kaiserslautern im Aufbaukampf gegen den Weltranglisten-152. Vasilij Sarbayev aus Kasachstan Pflicht. Doberstein erfüllte seine Pflicht. Wie sollte es anders sein – wieder mit einer Verletzung. Vom Start weg hatte er mit einer tiefen, stark blutenden Risswunde über dem linken Auge zu kämpfen. Doch das war ihm egal. Er boxte sich durch. „Denn dieser Moment, bevor ich in den Ring gegangen bin. Und die Momente nach meinem Sieg – all das habe ich ausgekostet“, sagt der Sportler, der fast ein Jahr zum Zuschauen verdammt war.

Wie es nun weitergeht? Fest steht: Nach vier Jahren wird die Doberstein Promotion GmbH zum 1. Januar 2018 liquidiert. Managerin Anja Marx sagt: „Es war kostspielig und zeitaufwändig, da außer Jürgen keiner von uns das Vollzeit gemacht hat. Kostendeckend haben wir nicht veranstalten können. Ohne einen TV-Vertrag ist das nicht möglich.“ Das bedeutet, dass Jürgen Doberstein ohne Boxstall dasteht. Der Weltranglisten-32. muss sich selbst vermarkten – und will zwischen Februar und April wieder in den Ring steigen. Und 2018 drei bis vier Kämpfe bestreiten. „Einer der nächsten Kämpfe könnte ein Titelkampf werden“, erklärt Doberstein. Wie hatte der Box-Profi eingangs gesagt: „Meine Zeit wird kommen. 2018 wird mein Jahr.“