Lebenshilfe Obere Saar : Der Traumberuf des Markus Jäcker

Der 31-Jährige hat eine Behinderung. Mit eisernem Willen arbeitet er gegen Grenzen an. Seine Kollegen im Landgasthaus der Lebenshilfe Obere Saar unterstützen ihn dabei.

Auf dem Tresen stehen die Biergläser am Zapfhahn Schlange. Daneben funkeln Burgunderkelche, um Bio-Rotwein aus der Pfalz aufzunehmen. Ordnung hinter der Theke ist für Markus Jäcker das A und O. Erst kommt die Schorle aufs Tablett. Dann lässt Jäcker Bier ins Glas rinnen. Es beschlägt und macht schon beim Draufgucken durstig. Jäcker gibt Bio-Apfelsaft hinzu. Fertig ist das Radler. Den kräftigen Roten stellt er daneben. Jetzt kann alles raus zu den paar Gästen auf die sonnengeflutete Terrasse. Nach dem Andrang beim Biosphären-Infotag ist etwas Ruhe eingekehrt im Landgasthaus Wintringer Hof.

Schon laufen die Vorbereitungen für die nächsten Feiern. Ein Bankettgespräch steht an, wie das im Branchenjargon heißt. Betriebsleiter Semsettin Ocak ist zufrieden mit seinen Leuten. Sein Mitarbeiter freut sich, den großen Empfang mit den Kollegen gut hinbekommen zu haben. Er spricht langsam, konzentriert. "Ich heiße Markus Andreas Jäcker", sagt er und schenkt dem Gegenüber ein offenes Lachen. Seiner Sprachbehinderung setzt er eisernen Willen entgegen. Die Freude an Bewährungsproben treibt ihn an. Der Stolz auf zufriedene Gäste lässt seinen Blick leuchten.

Der erfahrene Gastronom Ocak hat diese Begeisterung bei Markus Jäcker von Anfang an gespürt. "Er ist sehr wissbegierig und motiviert. Markus hat hier einen Riesensprung gemacht, was Auftreten und Selbstsicherheit angeht." Ocak suchte Monate vor der Eröffnung im Oktober 2015 sein besonderes Gastro-Team gut aus. Im Landgasthaus arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Wie auf dem ganzen Wintringer Hof. Wie in der ganzen Lebenshilfe Obere Saar, die in diesen Tagen ihr 50-Jähriges feiert (siehe Einspalter rechts).

Markus Jäcker erinnert sich noch an die Servier-Schulungen mit Geschirr und Wasser, das nicht überschwappen durfte. Heute hantiert er mit heißen Speisen, kalten Getränken, balanciert Teller auf Unterarm, gespreizten Fingern und Handballen, als habe er nie etwas anderes gemacht.

Dabei fing er bei der Lebenshilfe im Garten- und Landschaftsbau an. "Aber ich wollte etwas anderes ausprobieren", sagt er. Erst hinter der Theke, dann mit wachsender Selbstsicherheit und aus eigener Initiative im Service. Längst liegen weitere Herausforderungen hinter Jäcker. Schon hat der zweite Sektempfang mit allem Drum und Dran geklappt, das Planen, Veranstalten, Abräumen. Eigene Ideen für Drinks steuert der schlanke, stets fröhliche Servicemann gern bei. "Den Sirup haben wir draußen gemeinsam gemacht", sagt Jäcker und lacht seinen Chef an.

Für Betriebsleiter Ocak war die Arbeit mit neun behinderten Kollegen in der 24-köpfigen Mannschaft etwas Neues. Zunächst trat er als Konzeptentwickler für das Landgasthaus an. Und er blieb. "Hier gehe ich immer mit dem guten Gefühl nach Hause, für Menschen etwas zu bewirkt zu haben."

Das Landgasthaus Wintringer Hof der Lebenshilfe Obere Saar. Fotos: rich Serra.

Der kaufmännische Leiter der Lebenshilfe, Klaus Posselt, ist froh, dass Ocak da ist. "Wir sind schließlich keine Gastronomen." Das Arbeitsklima, das Ocak schuf, gefällt Jäcker. Richtig froh wirkt er wohl deshalb gegen Feierabend nie. "Er ist so gern hier, dass ich ihn fast zwingen muss, Urlaub zu machen", sagt Ocak. Ein Hobby gönnt sich Jäcker neben dem Beruf dann doch. Im Obere-Saar-Drachen, dem Boot der Lebenshilfe, paddelt er kräftig mit. Gelegenheit, die Arme zu stärken, bietet ihm die Gastronomie allemal.

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