„Damit es weiter so schön bleibt“

Sie wollen es nicht und zwar aus einfachem Gründen: es würde den Ort abwerten, trotz der Steuereinnahmen. Rund 200 Kleinblittersdorfer haben gestern schon mal gezeigt, was sie vom geplanten Bordell halten.

Etwa 200 Menschen trafen sich gestern vor dem historischen Rathaus in Kleinblittersdorf und demonstrierten gegen ein in Kleinblittersdorf geplantes Bordell. Dabei kamen auch Bürger aus den umliegenden Orten der Gemeinde und sogar aus Saarbrücken. "Es geht hier nicht nur um einen Ortsteil, sondern um die ganze Gemeinde. Ich bin gegen ein Bordell und deswegen bin ich hier", sagte Paul Meilgen aus Bliesransbach. Um 18 Uhr ließ Pastor Andreas Müller aus Solidarität die Glocken der katholischen Kirchen läuten und anschließend begann die Demo vor dem Rathaus. "Wenn hier ein Bordell entstehen soll, werde ich meinen Amtssitz verlegen lassen. Dafür werde ich mich einsetzen", sagte Pastor Müller. Marco Jost von der Bürgerinitiative Kleinblittersdorf , die die Demo organisierte, moderierte und ließ jeden zu Wort kommen, der möchte. "Unsere schöne Gemeinde soll so schön bleiben, wie sie ist. Dazu brauchen wir kein Bordell", sagte Jost und bekam gleich zu Beginn tosenden Applaus. "Mich würden wirklich mal die Argumente der Frauen aus der SPD-Fraktion im Gemeinderat interessieren, die für ein Bordell abgestimmt haben", zeigte sich Saskia Haase aus Kleinblittersdorf während der Demo empört.

Anfang August hatte der Gemeinderat von Kleinblittersdorf eine Ausnahme von einer selber verhängten Veränderungssperre beschlossen. Damit war der Weg für einen Investor geebnet, das unter Denkmalschutz stehenden Schloss Falkenhorst in ein Bordell umzubauen. Bereits der Ortsrat von Kleinblittersdorfer hatte in seiner Sitzung mit nur zwei Enthaltungen für ein Bordell gestimmt. Im Gemeinderat stimmte die SPD dann einstimmig dafür.

Dem Kleinblittersdorfer Ortsvorsteher Hans-Josef Bur ging es während der Demo verbal an die Gurgel. Trotz mehrfacher Aufforderung wollte der Ortsvorsteher nicht an das Mikrofon treten und zu den Leuten sprechen. Von den Bürgern gab es dafür Buh-Rufe und Pfiffe. Der Saarbrücker Zeitung sagte Bur: "Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich nicht mehr für das Bordell stimmen." Bur wurden währenddessen von den Organisatoren der Demonstration eine Unterschriftenliste gegen das Bordell übergeben: 800 Menschen hatten unterzeichnet. Bürgermeister Stephan Strichertz, bekennender Gegner eines Bordells war ebenfalls anwesend, konnte aber in seiner Funktion als Bürgermeister kein Statement abgeben. "Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat hat Beschwerde bei der Kommunalaufsicht eingereicht, da wir als Gemeinde die Gemeinderatsmitglieder zur Demo eingeladen haben. Aufgrund dieser Beschwerde kann ich heute leider offiziell nichts sagen. Als Privatmann sage ich aber, dass ich weiter gegen das Bordell bin und alles dafür tun werden, um das Bordell zu verhindern", sagte Stephan Strichertz zu den Bürgern. Die Saarbrücker Zeitung traf sich vor der Demo mit dem Bürgermeister zu einem Interview (folgt ausführlich in der Donnerstagausgabe). Dabei teilte Strichertz mit, dass am heutigen Dienstag ein Schreiben des Anwalts der Gemeinde zu dem Bordell-Thema eingeht, das Strichertz am Donnerstag mit zu einem Gespräch zum Regionalverband nimmt. Der Regionalverband wird dann entscheiden, ob es ein Bordell in Kleinblittersdorf geben wird, oder nicht. "Ich hoffe, dass wir nächste Woche Klarheit haben", so Strichertz.

Gegner des Bordells setzen dabei auf eine Verordnung der Landesregierung von 1982: In dieser heißt es: "Zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes" sei das Bordell-Gewerbe nur in Städten mit über 35 000 Einwohnern genehmigungsfähig. Die Gemeinde Kleinblittersdorf hat knapp 13 000 Einwohner.