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Café-Schwätzje-Damen hören nach elf Jahren auf

Café-Schwätzje-Damen hören nach elf Jahren auf

Sie brachten seit 2005 viel Schwung in Hunderte Auersmacher Markt-Freitage. Tatkräftige Frauen boten ein Café für ein Schwätzje. Nun machten die Seniorinnen gemeinsam Schluss. Der Treffpunkt bleibt. Der erste Jahresdienstplan der Nachfolger steht.

Schon gegen halb neun wird der Platz im Dorftreffpunkt am Marktplatz knapp. Der Lärmpegel steigt. Ständig liegt hier ein Hallo, dort ein Lachen in der Luft.

Es duftet nach Kaffee und Kuchen . Crémant beflügelt Gespräche. Die Gastgeberinnen, alle über 80, blicken über die Stuhlreihen. Sie ernten Dankbarkeit und Wohlwollen, spüren aber auch, dass ihnen an diesem Tag Wehmut entgegenschlägt.

Nach Hunderten von Freitagmorgen im Herzen Auersmachers sind die Gründerinnen des Café Schwätzje zum letzten Mal Gastgeberinnen. Ehrenamtlich, wohlgemerkt. Das Café der guten Taten hat den Damen schon landesweit Aufmerksamkeit beschert. Unsere Leser erkannten den Auersmacherinnen im Oktober 2006 den Monatssieg in der SZ-Aktion "Saarlands Beste" zu. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ehrte die Auersmacherinnen als Siegerinnen in der Aktion "Saarland zum Selbermachen". Elfeinhalb Jahre lang opferten die Café-Damen Tausende von Stunden für ihr Dorf und ließen dort den Erlös hinfließen. Für die Jugendarbeit der Vereine und für schwerkranke Kinder im Dorf.

Alles in allem rund 50 000 Euro, mit harter Arbeit erwirtschaftetes Geld. Denn an die 2000 Kuchen und Torten backten die Schwätzje-Gründerinnen. Sie sorgten vom Brötchen bis zur Käsescheibe, vom Mineralwasser bis zum Kaffee dafür, dass es ihren Gästen an nichts fehlte. Auch als das Team kleiner wurde, immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern lastete.

Ruth Hector erinnert sich, wann es Zeit war, über die Zukunft des Café Schwätzje zu entscheiden. "Unsere Älteste ist 91. Als sie aufhören wollte, sagten wir: Wir hören alle zusammen auf - oder gar nicht."

Ortsvorsteher Thomas Unold, der einst die Damen für seine Café-Idee gewann, tat sich bei etwas jüngeren Auersmachern um, damit der Dorftreffpunkt bleibt. Ergebnis: Drei Gruppen wechseln sich künftig ab. Der Dienstplan bis Ende 2017 steht.

Klaus Emmerich sagt am Abschiedsfreitag der Café-Gründerinnen: "Schade, dass diese Ära vorbei ist. Ich hoffe, dass die neue Besetzung das im Griff hat." Er will dafür sorgen und macht mit. Die Idee und der Teamgeist haben eine Strahlkraft bis Quierschied.

Von dort kommt Manfred Graß, einer der neuen Café-Schwätzje-Macher. "Was mir an Auersmacher so gefällt, ist der Zusammenhalt. Wir kennen die Personen, denen wir helfen. Und das Geld kommt an. Das weiß ich."