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Bliesransbach feiert seine Kirmes online und mit großem Abstand

Kirmes in Corona-Zeiten : Bliesransbach feiert die Kirb online

Corona soll die Kirmes nicht stoppen. Bräuche, Rede und gemeinsames Essen gibt es trotzdem – mit etwas Kreativität.

  In kaum einem anderen Ort im Regionalverband Saarbrücken, und wahrscheinlich auch im ganzen Saarland nicht, wird die Kirmes so gefeiert wie in Bliesransbach an der Oberen Saar. Normalerweise wäre von vergangenem Sonntag bis Dienstag, 10. November, der ganze Ort auf den Beinen gewesen und hätte die „Kirb“ gefeiert. Doch wegen des Coronavirus musste das Fest in dem knapp 2000-Seelen-Dorf in diesem Herbst ausfallen.

Doch das nahmen die Bliesransbacher nicht einfach so hin. Denn Kirb ist nun mal Kirb, und die wurde sogar  während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gefeiert. Denis Kany ist der erste Präsident von etwa 40 Kirwebuwwe im Alter von 18 bis 60 Jahren in Bliesransbach. Er grub am Sonntag die Kirb mit Frack und Zylinder im eigenen Garten aus, und die Kirwebuwwe schauten online zu. „Es war zwar komisch und seltsam, aber so schnell lassen wir uns die Kirb nicht nehmen. Wir haben sogar über die sozialen Medien alle einen zusammen getrunken und und gegenseitig Fotos geschickt“, erklärt der Bliesransbacher Kirwe-Präsident.

Michael Becker ist der Vorsitzende des Sportclubs Bliesransbach. Er war vor 20 Jahren der Kirwe-Redner und hat am Sonntag spontan zur Feder gegriffen und eine Krimesrede geschrieben. Um 15 Uhr stand er dann im Garten und verlas die Rede über Lautsprecher. „Die Kirmes ist das Größte, was wir im Ort haben. Wir vermissen alle die Kirb. Das geht nicht nur mir so“, sagt Michael Becker. Er hat in den sozialen Medien im Internet zur offiziellen, virtuellen Kirmes aufgerufen.

Mehr als 100 aktuelle und ehemalige Kirwebuwwe machten mit und schickten Hunderte Fotos von damals und heute. „Bei uns im Ort kann ja wegen des Virus vieles ausfallen, aber die Kirb nicht. Normalerweise starten die Kirwebuwwe dienstags ihre Dorftour bei mir. Das klappt in diesem Jahr nicht. Dafür bekommen die Jungs 100 Liter Bier von mir. Das holen wir nach, sobald wir wieder dürfen“, sagt Stephan Weimerich, der Orstvorsteher von Bliesransbach, der früher selber Präsident der Kirwebuwwe war und heute immer noch Kirwebub ist.

Am Kirmes-Montag gibt es in den Kneipen in Bliesransbach normaler­weise immer kostenlos das traditionelle Mittagessen Leberknödel, Sauerkraut und Püree. Und das gab es auch in diesem Jahr. „Wir haben einen Abhol- oder Bring-Service für die Bliesransbacher eingerichtet. Wir haben den ganzen Morgen gekocht. Es ist schon komisch, wenn an der Kirmes der ganze Ort wie ausgestorben ist“, sagte Helga Keßler vom Gasthaus Keßler, die mit ihrer Tochter Clara 140 Portionen Kirwe-Essen kochte. Eine große saarländische Brauerei spendet spontan eine Dose Bier zu jedem Mittagessen.

Am Dienstagabend wird die virtuelle Kirmes in Bliesransbach wieder beerdigt. Am Mittwoch gibt es vom Gasthaus Knoll das traditionelle Heringsessen. Dort können die Bliesransbacher ihr Essen bestellen oder dann abholen.