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Bliesmengen-Bolchen und Bliesransbach in Frieden vereint

Die Zeit der Streitereien ist vorüber : Ortsvorsteher erinnern an alte Fehden

Einst lebten hier Preußen und dort Bayern. Warum es zwischen Bliesransbach und Bliesmengen-Bolchen nicht immer friedlich zuging.

Vor Jahren wäre es kaum möglich gewesen und vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten sogar ausgeschlossen gewesen – heute ist es Realität. Die beiden Nachbarorte Bliesransbach und Bliesmengen-Bolchen werden Freunde. Der Grund sind zwei junge Ortsvorsteher. „Wir kennen uns schon lange, und unsere Generation war eigentlich nie verfeindet. Wir haben sogar zusammen gefeiert“, sagt Stephan Weimerich (Wählbar), der Ortsvorsteher von Bliesransbach. Er ist 39 Jahre alt, genau wie sein Pendant in Bliesmengen-Bolchen. „Wir telefonieren jede Woche und haben uns in diesem Jahr schön öfter getroffen, um unsere erste gemeinsame Aktion zu planen“, sagt Timm Braun (CDU), der Ortsvorsteher von Bliesmengen-Bolchen.

Zwei Orte, die am Tor zum Bliesgau direkt nebeneinander liegen, die aber eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Sie standen in früheren Jahrhunderten nie unter der gleichen Herrschaft und sind beispielsweise im Sport unterschiedlichen Kreisen zugeteilt. Ein Ligaspiel im Fußball zwischen Bliesransbach und Bliesmengen-Bolchen gab es deshalb noch nie.

Die beiden Orte bekommen sogar unterschiedliche Lokalausgaben der Saarbrücker Zeitung. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es regelmäßige Schlägereien zwischen den Männern beider Orte. Vor allem, wenn es um die Frauen ging. Dabei soll sich ein Bliesmenger Mann ganz besonders clever angestellt haben. Wie Stefan Klopp, der Bliesransbacher Heimatforscher, erzählt, soll das der Briggehund (Brückenhund) gewesen sein. Ein Bliesmenger, der in Bliesransbach seine Liebschaft hatte, zog sich allabendlich ein Fell über und flitzte durch die Bäche und unter den Brücken hindurch nach Bliesransbach. Die Bliesransbacher dachten, es sei ein Hund, und wurden hinters Licht geführt. Hätte es zwischen Preußen und Bayern einen Krieg gegeben, dann hätten Bliesransbacher und Bliesmenger einander sogar auf dem Schlachtfeld gegenübergestanden.

Ab dem Jahr 1815 war Bliesransbach preußisch, und da die Bayern während des Wiener Kongresses im gleichen Jahr am einen Ende Tirol wieder an Österreich abgeben mussten, bekamen sie am anderen Ende die Westpfalz bis nach Bliesmengen-Bolchen dazu. Die Grenze zwischen Bayern und Preußen war genau zwischen Bliesmengen und Bliesransbach. Grenzsteine und Feldwege markieren die ehemalige Grenze heute noch. Es gibt sogar ein Haus, durch das die Grenze verlief.

„Wir kennen eigentlich nur ein Miteinander. In beiden Orten ist die Kirmes das größte Fest des Jahres. Da haben wir uns schon gegenseitig besucht“, sagt Stephan Weimerich. Timm Braun hat sogar schon beim SC Bliesransbach Fußball gespielt. „Die Frauenmannschaften haben heute eine Spielgemeinschaft, und auch im Jugendfußball arbeiten wir zusammen. Die Partnerschaft wächst in allen Bereichen“, sagt Timm Braun.

Und selbst in Corona-Zeiten wollen die beiden die Freundschaft forcieren. Am kommenden Samstag, 28. August, startet um 11 Uhr die erste Bayrisch-Preußische Wanderung.

Los geht es mit einem Frühschoppen in den beiden Bliesransbacher Ur-Kneipen Gasthaus Kessler und zum Knoll. „Wir wollten ursprünglich ein richtiges Fest feiern, aber das geht wegen Corona leider nicht. Jetzt feiern wir beim Wandern“, sagt Stephan Weimerich.

Die Wanderung nach Bliesmengen beginnt um 13.30 Uhr und endet dort auf dem Festplatz, wo sich Ortsvereine um die Leckereien kümmern. „Es gibt in der Blies noch einen Drei-Länder-Grenzstein. Den nehmen wir zum Anlass, um im kommenden Jahr mit Frankreich ein Drei-Länder-Fest zu feiern. Im kommenden Herbst wollen Bliesransbacher und Bliesmenger zusammen ihre Orte vom Müll befreien“, erzählt Timm Braun von den gemeinsamen Ideen der beiden Ortsvorsteher. Ideen, deren Umsetzung früher undenkbar gewesen wäre.