Streit um Bordell: Aufatmen nach dem Aus für das Bordell

Streit um Bordell : Aufatmen nach dem Aus für das Bordell

Nachdem ein Gericht das geplante Bordell verboten hat, sehen sich viele in Kleinblittersdorf bestätigt. Jetzt will auch Bürgermeister Jörg Dreistadt in Großrosseln Ordnung schaffen.

„Ich habe auf der Arbeit die frohe Botschaft erhalten und habe natürlich direkt gejubelt. Wir haben uns über Smartphone alle sofort verständigt“, berichtet Marco Jost über den Moment, in dem er erfuhr, dass Richter Henning Frank am Mittwoch im Saarlouiser Verwaltungsgericht entschieden hatte, dass im Kleinblittersdorfer Schloss Falkenhorst kein Bordell entstehen darf.

Jost ist wie viele andere aus Kleinblittersdorf in der Bürgerinitiative aktiv, die sich  zur Verhinderung des Bordells 2016 gegründet hat. Nachdem der Gemeinderat von Kleinblittersdorf sich zunächst für ein Bordell ausgesprochen hatte, legte die Initiative los. Sie organisierte Demos, ließ Plakate drucken und sammelte die nötigen Stimmen für einen Einwohnerantrag, um den Gemeinderat erneut abstimmen zu lassen. „Wir haben das alles in unserer Freizeit gemacht. Ich würde sagen, dass wir einen ganz großen Anteil daran haben, dass das Bordell nicht kommt“, sagt Jost.

Doch nicht nur die Kleinblittersdorfer freuen sich. Paul Meilgen ist aus Bliesransbach und war auch bei den Demos in Kleinblittersdorf dabei. „Ich bin sehr froh über diese Entscheidung. Ein Bordell entspricht nicht meiner Haltung zu Gott und den Menschen“, sagt er. Auch Heinz Schlicher gehört zur Bürgerinitiative und war bei der Gerichtsverhandlung.  „Das war ein Sieg für den Ort und unsere ganze Gemeinde. Ein Bordell wollen wir bei uns einfach nicht“, so Schlicher.

Der Ortsrat von Kleinblittersdorf hatte mit CDU-Mehrheit 2016 als Erster für ein Bordell gestimmt. Eine Mehrheit aus SPD und Linken sagte im Gemeinderat zunächst „Ja“ zum Bordell und änderte in der folgenden Sitzung ihre Meinung wieder und stimmte dagegen.

Wir waren nie für und nie gegen ein Bordell. Ich war neutral bei der Sitzung, um das Urteil und die Begründung zu hören“, sagt Bernd Dick. Er und  Marianne Niederländer (CDU) waren als einzige Gemeinderatsmitglieder bei der Verhandlung.

Kleinblittersdorfs Bürgermeister Stephan Strichertz (parteilos), der von Beginn an gegen das Bordell war, war nach der Urteilsverkündung erleichtert. „Es ist ein sehr freudiger Moment und die richtige Entscheidung für unsere Gemeinde. Dieses Urteil wird bundesweit Beachtung finden“, sagt Strichertz. Der Bürgerinitiative schreibt er einen großen Anteil an dem Erfolg zu.

Stephan Strichertz, Bürgermeister von Kleinblittersdorf. . Foto: Heiko Lehmann
Bernd Dick, Sprecher der SPD-Fraktion in Kleinblittersdorf. . Foto: Iris Maria Maurer
Paul Meilgen aus Bliesransbach. Foto: Heiko Lehmann
Bürgermeister Jörg Dreistadt. Foto: rup

Laut Saar-Sperrgebietsverordnung sind Bordelle in Gemeinden mit weniger als 35 000 Einwohnern verboten – das war die Begründung des Gerichtes. Kleinblittersdorf hat gerade einmal 11 000 Einwohner. In Großrosseln gibt es seit 2014 ein Bordell, und das, obwohl die Gemeinde gerade einmal 8500 Einwohner hat. Nimmt Großrosseln nun das Urteil für Kleinblittersdorf, um das bereits vorhandene Bordell wieder loszuwerden? „Uns wird das Urteil aller Voraussicht nach sehr weiterhelfen. Wir wollen mit dem gleichen Rechtsbeistand wie Kleinblittersdorf den gleichen Weg wie Kleinblittersdorf gehen“, sagt Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt.

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