Auersmacher Restaurantbesitzer Jürgen Brandstetter tritt jetzt kürzer

Serie Menschen im Regionalverband : Auersmachers Dorf-Koch tritt jetzt kürzer

Jürgen Brandstetter bewirtete in seinem Restaurant schon Generationen aus dem Ort. Auch Fußballstar Jonas Hector.

Er kennt generationsübergreifend so gut wie alle Geschichten und Geheimnisse der Auersmacher und von Menschen darüber hinaus. Er hat miterlebt, wie Fußball-Nationalspieler Jonas Hector seine erste Biere getrunken hat. Und er behält so manche Story von anderen Gästen für sich, die die Betroffenen nicht unbedingt an die große Glocke hängen würden.

Jürgen Brandstetter ist in Auersmacher Kult-Restaurantbesitzer und Kult-Koch in einer Person. Am kommenden Sonntag ist Schluss. Nach 36 Jahren hört der 61-Jährige mit einem rauschenden Fest in seinem Restaurant „Zur Schwemm“ offiziell auf. Offiziell deshalb, da seine beiden Töchter Janet und Kathrin das Restaurant weiterführen. „Ich werde sie natürlich weiter unterstützen und so lange am Herd stehen, bis ein neuer Koch gefunden ist. Dann freue ich mich auf die Zeit vor dem Tresen und erlebe mal die andere Seite“, sagt Jürgen Brand­stetter.

Nach dem Wehrdienst hat der Ur-Auersmacher Koch gelernt und die Schwemm, wie das Haus in Auersmacher kurz heißt, übernommen. „Ein eigenes Restaurant war schon immer mein Traum. Meine Eltern hatten das ganze Haus mit Wohnungen und Restaurant in den 1970er-Jahren gekauft, und es wurde jemand gesucht, der das Restaurant weiterbetreibt. Also habe ich es gemacht“, sagt der 61-Jährige. Er hat aus der Schwemm ein Restaurant gemacht, das weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist. Ein Erfolgsrezept hat Brandstetter nicht: „Ich gehe mal davon aus, dass ich nicht ganz so schlecht koche, da die Leute immer wieder gekommen sind“, sagt der Schwemm-Chef und lacht. „Es ist aber auch ein Riesenvorteil, wenn einem das Haus gehört, in dem das Restaurant ist. Man hat nicht den Druck, dass man zuerst mal einen halben Monat schuften muss, um überhaupt die Miete zu erwirtschaften. Ich stelle mir das schon sehr schwierig vor.“

Als Auersmacher kennt der 61-Jährige natürlich seine Kundschaft bestens. Fast jeden Abend ist das Restaurant voll. Ganze Vereine sowie Gäste von hier und von außerhalb wollen essen und eine schöne Zeit haben. „Die Menschen könnten sich ja auch eine Kiste Bier kaufen und zu Hause trinken. Es ist die Gesellschaft, die es am Ende ausmacht“, sagt Brandstetter. Dafür, dass es richtig gesellig wurde, hat der Chef selbst gesorgt. Mit Kumpel Hans-Josef Frey ist Brandstetter nach dem „Almabtrieb“ in Auersmacher einfach mal mit den Schafen in seine Schwemm marschiert. „Na gut, wir hatten schon ein, zwei Bier getrunken. Es war lustig. Meine Schafe hören ja wie Hunde, denen hat das auch Spaß gemacht.“

Wenn zu späterer Stunde die Fußballer nach dem Training oder der Gesangverein von seiner Probe kam, hatte die Bedienung längst Feierabend. Brandstetter warf trotzdem noch mal den Ofen an, und die Gäste mussten sich ihr Bier eben selber zapfen. „Im Prinzip waren und sind wir eine Familie. Ich habe mich immer als Teil davon gesehen. Und das ist auch so etwas, was den Erfolg ausmacht“, sagt der Schwemm-Chef kurz vor seinem letzten offiziellen Auftritt.

Am Sonntag soll es noch einmal krachen – danach ist Sommerpause, und es wird ein wenig renoviert, damit seine Töchter ab dem 1. September in eine neue Schwemm-Ära  starten können. Eine Ära, die Jürgen Brandstetter in irgendeiner Form mitprägen wird.

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