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Armin Neusius erzählt in seinem Buch von der Hilfsbereitschaft in Kleinblittersdorf

Unwetternacht in Kleinblittersdorf : Berichte aus dem Ausnahmezustand

Autor Armin Neusius erzählt in seinem neuen Buch, wie nach der Unwetternacht von Kleinblittersdorf aus Fremden Freunde wurden.

„Nachts, als das Wasser kam“, bemerkte Armin Neusius den Regen zwar. Aus einem ihm nicht erklärlichen Grund ging er aber zurück ins Bett und verschlief ausgerechnet die Nacht, über die er jetzt ein so benanntes Buch geschrieben hat. „Morgens um 8 sah ich aus dem Fenster, und alle Nachbarn waren auf der Straße und arbeiteten. Ich schnappte mir meine Kamera und ging los. Heute frage ich mich immer noch, wie mir das entgehen konnte, dass draußen ein Unwetter wütete, das am Ende ein Jahrhundertereignis für Kleinblittersdorf wurde.“

In einem 150 Seiten umfassenden Buch mit vielen Fotos dokumentiert Neisius im Nachgang die Starkregennacht vom 31. Mai 2018. Er hat seine eigenen Beobachtungen zusammengefasst und viele Betroffene auch selbst zu Wort kommen lassen. Augenzeugenberichte und Darstellungen aus Sicht der beteiligten Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Deutschem Roten Kreuz (DRK) waren ihm ein besonderes Anliegen, denn das Buch soll ihr Wirken darstellen und zugleich Dankeschön sagen für den größten Einsatz der Hilfsorganisationen an der Oberen Saar seit Jahrzehnten.

Als „Ausnahmezustand“ beschreibt Neusius die Ereignisse, berichtet von „verheerenden Schäden“ und Eindrücken wie „nach einem Erdbeben“. Die Fotos belegen diese Schilderungen, geben aber nicht nur der Sensationslust nach. Auf vielen Seiten sieht man lachende Menschen, Nachbarn, die zusammenstehen. „Beeindruckend war die Bereitschaft der nichtbetroffenen Menschen, spontan ihre Hilfe anzubieten. Aus Fremden wurden Helfer, und aus Helfern wurden Freunde“, zitiert Neusius eine Frau.

Geschäftsfrau Bettina Wagner schildert im Buch ihre Erlebnisse in der völlig überfluteten Postagentur. Sie berichtet aber auch von Spontanspenden aus der Nachbarschaft und von Menschen, die einfach so zum Aufräumen vorbeikamen.

Immer wieder wird im Buch deutlich: Die Katastrophe hat Menschen zusammengebracht. Und auch nach den Ereignissen nahm die Hilfsbereitschaft nicht ab. 200 000 Euro an Spenden kamen zusammen. Saarbrücker Rotary Clubs statteten die Feuerwehr mit Regenschutz für alle Feuerwehrleute aus. Neusius’ Buch gibt einen kompletten Überblick auch darüber.

Der 77-Jährige hat 200 Bücher hergestellt, die Hälfte der Auflage ist inzwischen schon verkauft. Zwölf Euro kostet es und ist in der Postagentur und den Lindenapotheke zu bekommen. In der Apotheke gibt es außerdem eine kleine Ausstellung zum Thema.

Autor Neusius ist in Kleinblittersdorf kein Unbekannter. Er bereiste 130 Länder, war 43-mal in Kuba und berichtete vielfach darüber. In den 80ern war er Moderator im Regionalfernsehen von RTL plus, danach Mitarbeiter im Marketing der Saarbrücker Zeitung und Organisator vieler SZ-Leserreisen.

In Kleinblittersdorf gründete er Europas kleinsten Karnevalsverein, „Die Grünschnäbel“, und erklärte eine Insel in der Saar zum Freistaat Carnevalis.