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Angelika Ranker und Steffi Skibbe nähten schon 200 Atemmasken

Gute Tat in der Corona-Krise : Die Masken-Näherinnen von Hanweiler

Zwei Frauen opfern viel Zeit für die Herstellung eines begehrten Helfers

Ein Mittwoch änderte alles. Am 22. April stand das Telefon bei Familie Ranker in Rilchingen-Hanweiler nicht mehr stell. Die Landesregierung hatte kurz zuvor die Maskenpflicht verkündet, die ab dem 27. April galt. Nur Minuten später trudelten noch mehr Anfragen bei Angelika Ranker ein. Die 69-Jährige näht mit ihrer Tochter Steffi Skibbe seit vier Wochen Atemmasken.

Dabei arbeiten die beiden nicht nur ein oder zwei Stunden am Abend. „Ich fange morgens an und höre irgendwann abends auf. Es sind auf jeden Fall mehr als acht Stunden. Aber darüber denke ich nicht nach. Die Arbeit macht Spaß, und ich kann anderen Menschen helfen. Das motiviert mich“, sagt Angelika Ranker.

Steffi Skibbe arbeitet abends sogar vor dem Fernseher weiter. „Ich stecke die Masken mit Nadeln zusammen, damit man sie am nächsten Tag nur noch nähen muss. Da kommen schon mehr als 50 Masken an einem Abend zusammen. Manchmal merkt man gar nicht, wie viele man macht“, sagt die 39-Jährige. Die beiden Hanweilerinnen haben schon rund 2000 Masken genäht.

Sie versorgen die Seniorenheime und Sozialstationen in der Gemeinde Kleinblittersdorf sowie Feuerwehren, Ärzte und Privatpersonen mit Masken. Täglich kommen um die 100 Anfragen rein.

Viele davon landen auch bei Monika Ruffing, der ersten Vorsitzenden der katholischen Frauengemeinschaft in Rilchingen-Hanweiler. „Vor vier Wochen erhielt unser Pastor eine große Anfrage nach Masken und wandte sich sich an uns. Da ich wusste, dass Angelika gut nähen kann, habe ich sie gefragt. So fing das Ganze an“, erklärt Monika Ruffing, die beim Zusammenlegen, Verpacken und Verschicken der Masken hilft.

Exemplare, die in der näheren Umgebung benötigt werden, fahren die Frauen selber aus. Oder die Masken werden abgeholt. Was über die Gemeinde Kleinblittersdorf hinaus geht, wird meistens verschickt. Angelika Ranker und Steffi Skibbe verlangen für ihre Masken keinen Cent. Das Material erhalten sie durch Spenden, und die katholische Frauengemeinschaft hilft, wenn irgendwo etwas fehlt. „Ich habe schon einen Aufruf gestartet, als der Stoff knapp wurde. Dann hatten wir im Handumdrehen Säcke voller Stoff vor der Tür. Manchmal liegt auch eine Rolle mit Gummiband im Briefkasten. Wir wissen nicht, von wem das alles ist, aber wir können es gut gebrauchen“, sagt Steffi Skibbe.

Wie lange die Nähaktion noch geht, wissen die Frauen nicht. Sie genießen aber die gemeinsame Zeit. „Normalerweise treffen wir uns etwa zweimal pro Woche und telefonieren ansonsten. Jetzt sehen wir uns jeden Tag ganz lange. Das ist toll“, sagt Steffi und nimmt Mama Angelika in den Arm. Gefeiert wird auch. „Bei der 1000. und bei der 2000. Maske haben wir eine Flasche Sekt aufgemacht“, sagt Angelika, bevor sie sich wieder konzentriert der Nähmaschine widmet. Schließlich hat der Kindergarten nach Masken gefragt. Für die Jüngsten hat die 69-Jährige einen besonders hübschen Stoff herausgesucht.