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Sozialstaat am Ende?
Kleider, Medizin und sogar Wohnungen

Helmut Dieudonné am Donnerstag in der Kleiderkammer der Diakonie in St. Johann.
Helmut Dieudonné am Donnerstag in der Kleiderkammer der Diakonie in St. Johann. FOTO: Heiko Lehmann
St. Johann . Das Diakonische Werk hilft Armen und Obdachlosen auf vielerlei Art, ohne die Menschen dabei zu bevormunden. Von Heiko Lehmann

Stolz wie Oskar präsentierte sich Helmut Dieudonné gestern in der Kleiderkammer des Diakonischen Zentrums Saarbrücken, Johannisstraße 4. Der 53-Jährige war direkt nach Weihnachten beim Friseur, hat sich rasiert und sich gestern in der Kleiderkammer eine neue Jeans rausgesucht. „Die Hose passt ganz genau. Sieht gut aus. Bin mal gespannt, was meine Kollegen sagen. Die haben mich so noch gar nicht gesehen“, sagt der 53-Jährige und zwinkert mit einem Auge.



Helmut Dieudonné ist Kunde der Kleiderkammer der Diakonie.  Hilfsbedürftige können sich dort einmal pro Monat für drei Euro drei Kilogramm Kleider holen. An den Tagen, an denen die Kammer offen ist, kommen je etwa 20 Leute und suchen sich Kleider und Schuhe aus.

„Obdachlose, die dringend Kleider benötigen, können kommen, so oft sie wollen. Wir helfen ihnen jederzeit“, sagt Sigrun Krack vom Diakonischen Werk.

Helmut Dieudonné lobt die Diakonie: „Ich spreche mal für alle Menschen, die hier herkommen und bedanke mich. Uns allen würde es viel schlechter gehen, wenn sich die Mitarbeiter der Diakonie nicht so engagieren würden.“

Neben der Kleiderkammer bietet die Diakonie auch die Möglichkeit zum kostenlosen Arztbesuch an – ohne Termin und ohne Krankenversicherung. Zwei Praxisräume stehen dazu einmal pro Woche zur Verfügung. „Wir haben zehn Ärzte, die ehrenamtlich zu uns kommen und sich abwechselnd um die hilfsbedürftigen Menschen kümmern. Das können durchaus 30 Menschen pro Woche sein“, berichtet Sigrun Krack.

Die Diakonie betreibt auch sogenannte aufsuchende Arbeit.  Sozialarbeiter sind in der Landeshauptstadt unterwegs und kümmern sich um die Belange der Obdachlosen. Für Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet gibt es auch eine Sozialberatung. „Viele Menschen wissen oft gar nicht, wo sie Hilfe bekommen, wo sie etwas beantragen können oder wo sie etwas zu essen bekommen“, sagt Sigrun Krack.

Das fünfte Feld, auf dem die Diakonie hilft, ist das ambulante, betreute Wohnen. Mitarbeiter der Diakonie helfen Bedürftigen bei der Wohnungssuche und kümmern sich ein Jahr lang um die Menschen in deren Wohnungen – damit beispielsweise die ehemals Obdachlosen den richtigen Start in ihr neues Leben finden.

Die City-Marketing Saarbrücken GmbH hat das Diakonische Zentrum Saarbrücken als eine von fünf Organisationen ausgesucht, die von der Aktion „Hauptstadt. Bürger helfen“ finanziell profitieren dürfen.