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Kirsti Alho und Endi Caspar in der DFG-Konzertmuschel

Saarbrücken : Starker Auftritt nach monatelanger Konzert-Pause

Kirsti Alho und Endi Caspar bei der Kleinen Abendmusik in der Konzertmuschel des Deutsch-Französischen Gartens.

Not macht erfinderisch – das könnte das Motto zweier schnell ins Leben gerufener Konzertreihen in der Konzertmuschel des Deutsch-Französischen Gartens sein. Erst konnten einige der fürs Altstadtfest eingeplanten Bands einen kleinen Ausgleich für den Ausfall bekommen. „Die Muschel rockt“ nannte sich das. Dann kamen bei der „Kleinen Abendmusik“ solche Künstler dran, die eigentlich bei der Sommermusik hätten auftreten können.

So etwa Sängerin Kirsti Alho, die am Samstag mit dem Gitarristen Endi Caspar eine Stunde lang Jazziges bis Experimentelles darbot. Für die Musiker, die sich schon lange kennen und in diversen Bands zusammenspielten, war es der erste Auftritt in dieser Duo-Formation, für Alho sogar der erste Auftritt nach sechs Monaten Pause – darüber freute sie sich besonders. Die Sängerin habe ihn angesprochen, erzählte Caspar hinterher, weil sie gerne mal von einem Gitarristen begleitet werden wollte und nicht wie sonst von einem Tastenmann.

Mit Caspar traf sie da eine gute Wahl, denn der studierte Gitarrist beherrscht die Technik, mittels eines elektronischen Geräts kurze Schleifen, so genannte Loops einzuspielen. Über diese wenige Takte dauernden Läufe oder Akkorde solierte Caspar in teils ganz anderen Klangfarben, die er mit seinen Effektpedalen bestimmte.

Das Repertoire bestand aus Arrangements, die beide mit einbrachten: Einmal finnische Volkslieder aus Alhos Heimat, Jazz-Standards und eigene Stücke aus dem Fundus der Sängerin, zum anderen Pop-Stücke wie zwei Police-Songs, die Caspar schon vor längerer Zeit verfremdet hatte.

Während „So Lonely“ kaum noch zu erkennen war, klang das prägnante Gitarren-Intro von „Message in a Bottle“ schon bei den ersten Takten durch, auch wenn Caspar es in eine andere Taktart versetzte. Beide Musiker, die nicht viel Zeit zur Vorbereitung hatten, reizten die Möglichkeiten ihrer Bandbreite weit aus: Alho etwa improvisierte mit Scat-Gesang, gab Zischlaute von sich, versuchte sich am Beatboxen oder legte mit viel Hall sphärische Flächen über Caspars Gitarre.

Der wiederum benutzte manchmal sogar verzerrte Heavy Metal-Klänge, zauberte aber auch psychedelische Landschaften in den Deutsch-Französischen Garten. Beide spielten beziehungsweise sangen ekstatische Soli mit Mut zum Risiko – ein starker Auftritt.

Die etwa 80 Zuhörer, die vor der Konzertmuschel ganz viel Platz hatten, sodass die Abstände gewahrt werden konnten, spendeten langen Applaus am Ende. Norbert Küntzer vom Saarbrücker Kulturamt zeigte sich sehr zufrieden mit dem Konzert und der, vom Kollgen Thomas Altpeter kuratierten, Reihe insgesamt: „Die Besucher sind dankbar und es findet im Freien statt: Da ist das alles nicht so gefährlich, denke ich.“