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Auf der Hirschbach
Kein Mensch ist bislang hier eingezogen

Die Flüchtlingsunterkunft auf der Hirschbach ist nach wie vor verwaist.
Die Flüchtlingsunterkunft auf der Hirschbach ist nach wie vor verwaist. FOTO: BeckerBredel
Sulzbach. Die vom Land angemietete Flüchtlingsunterkunft auf der Hirschbach steht seit drei Jahren leer. Von Becker & Bredel

Die einst für Flüchtlinge vorgesehene Unterkunft auf der  Hirschbach wartet auf die ersten Bewohner - und das, seit sie hergerichtet wurde. An dem vom Land eingerichteten Notquartier besteht einfach keinerlei Bedarf. Bislang kommen Flüchtlinge im Saarland zunächst in Lebach unter, die Kapazitäten dort sind ausreichend. Innenministeriums-Sprecher Markus Tröster erklärte nun auf SZ-Anfrage, dass das Wohnheim Hirschbach bis Anfang 2019 bei der RAG angemietet sei und so lange auch betrieben werde. Ob man es dann aufgebe, sei noch offen, dazu liefen Beratungen. Man sei da noch unschlüssig.


Tröster weiter: „Diese Vorhaltemaßnahme war keineswegs umsonst. Dem Saarland ist es während der Flüchtlingskrise gelungen, die Unterbringung bestmöglich zu gestalten und gleichzeitig die Pro-Kopf-Kosten im Vergleich zu anderen Bundesländern am niedrigsten zu halten. Nur dank der vorausschauenden Planung konnte beispielsweise die Belegung von Turnhallen - wie in anderen Bundesländern -  vermieden werden. Damit wurde die Belastung für die Bevölkerung gering gehalten, was letztlich die Integrationsbereitschaft unterstützte und das Ankommen in der Gesellschaft förderte.“

Die Dependance auf der Hirschbach sei von Anfang an als Notunterkunft in der Flüchtlingskrise 2015 für die kurzzeitige Unterbringung von Personen mit Bleibeperspektive bis zur Überstellung in die Kommunen gedacht gewesen. Trotz der prekären Situation sei es stets das Ziel gewesen, die Personen menschenwürdig unterzubringen, ein wenig Privatsphäre zu schaffen und Aggressionen vorzubeugen. Diese Voraussetzungen seien in Hirschbach vorhanden gewesen und würden auch weiterhin vorgehalten. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der RAG wurde dazu saniert, im Untergeschoss wurden ganze Batterien an Waschmaschinen und Wäschetrocknern installiert, um auch die notwendige Infrastruktur für eine Wohnbelegung zu haben. Diese Maschinen sind nie gelaufen.



Auf die gesamte Laufzeit von drei Jahren hat der Standort Hirschbach das Land nach Trösters Angabe knapp 1,6 Millionen Euro gekostet. Diese Investition halte man in der Landesregierung für vernünftig. „Dass sich die Zugangszahlen in der Folgezeit entspannten, ergab sich retrospektiv zum einen aus der Vereinbarung zwischen der EU und der Türkei, aber auch aus der Schließung der Balkan-Route. Zum Zeitpunkt der Planung von Hirschbach war mit einer so starken Reduzierung der Zugangszahlen nicht zu rechnen“, sagt der Ministeriumssprecher. Als man den Trendwechsel erkannt habe, sei die Infrastruktur auf das Allernötigste zurückgefahren worden.

Ob man die Einrichtung aufrecht erhalte, sei sehr schwer zu entscheiden. Internationale Fluchtbewegungen seien fast nicht vorauszusagen. Alle Faktoren könnten sich in kürzester Zeit verändern. „Vielmehr musste gerade in den ersten Jahren seit der Flüchtlingskrise Flexibilität erhalten werden, um zeitnah sicherstellen zu können, dass ankommende Personen untergebracht werden können“, so Tröster. Ob man den Mietvertrag verlängere, sei momentan völlig offen.