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Kein Geld für Saarbrücker Hefte, aber für eine Rathaus-Zeitung

Kommentar : Haben die was an den Ohren?

Im Saarbrücker Rathaus haben offensichtlich einige Leute etwas an den Ohren. „Es ist nicht die Zeit zum Geldausgeben“, hat Bürgermeisterin und Finanzdezernentin Barbara Meyer-Gluche (Grüne) Anfang des Monats gesagt.

Die Stadt habe zwar 2020 finanziell einen guten Abschluss gemacht, aber es werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen, was die Pandemie die Stadt wirklich kostet. Weniger Einnahmen etwa im Zoo, den Bädern oder in den Bürgerämtern, obwohl da zumindest die Personalkosten stabil bleiben. Einnahmeausfälle bei den Stadtwerken, womöglich eine weitere Finanzspritze fürs städtische Klinikum auf dem Winterberg, nachdem man da eh schon sechs Millionen Miese ausgleichen musste. Da solle jetzt niemand glauben, er könne „Hier!“ rufen mit einem neuen Projekt.

Mit „niemand“ war einer offenbar nicht gemeint: Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU). Der wird den Stadtrat am Dienstag um die Freigabe von rund 180 000 Euro pro Jahr für eine Rathaus-Zeitung bitten. Ob das nun vorwiegend eine Propaganda-Zeitung für die Rathaus-Oberen wird, wie die Stadtrats-Opposition unterstellt, oder nicht, merkwürdig ist das Ganze schon. Hat doch derselbe Oberbürgermeister zu Beginn seiner Amtszeit erstmal 10 000 Euro für die Saarbrücker Hefte gestrichen, also für eine Publikation, die sehr hochwertig, aber wohl zu kritisch ist. Seine Begründung damals lautete: Bevor er das Geld einfach so ausgebe, müsse man erstmal sehen, wie der Geldbedarf für andere Dinge wegen der Pandemie ist.