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Neue Frauenbeauftragte in Saarbrücken
Saarbrückens neue Frauenbeauftragte

Katharina Kunze an ihrem neuen Arbeitsplatz.
Katharina Kunze an ihrem neuen Arbeitsplatz. FOTO: Studio Schäfer
Saarbrücken. Katharina Kunze stammt aus Nordrhein-Westfalen und war zuletzt Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erlangen Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

In Nordrhein-Westfalen ist sie aufgewachsen, in Hamburg hat sie studiert, in Berlin den ersten Job bekommen, dann wechselte sie nach Bayern: Kein Zweifel, Katharina Kunze ist viel rumgekommen. Über die Stadt, die zu ihrer neuen Heimat werden soll, Saarbrücken, wusste sie bis vor ein paar Monaten eher wenig. In die Landeshauptstadt gelockt wurde sie von einer Stellenanzeige. Seit August ist sie die neue kommunale Frauenbeauftragte und Leiterin des Frauenbüros und wurde damit zur Nachfolgerin von Petra Messinger.


Noch gibt es für sie keine Routine. Jeder Tag bringt neue Gesichter. In den Vereinen, in den Ministerien und Ämtern: Das Netzwerken ist in dem Job sehr wichtig. Der erste Eindruck von der hiesigen Frauenszene ist positiv. „Anders als in Städten wie Berlin, wo es auch sehr viele Gruppen gibt, welche die Interessen von Frauen vertreten, arbeiten die Verbände in Saarbrücken sehr solidarisch. Und das obwohl sie inhaltlich in unterschiedlichen Bereichen aktiv sind“, sagt Kunze.

Innerhalb der Stadtverwaltung berät sie die Ämter, damit Gleichbehandlungsgesetz und Frauenförderplan korrekt umgesetzt werden. Erfahrung im Job bringt die 35-Jährige mit. Die vergangenen zwei Jahre arbeitete sie als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erlangen. Nach Saarbrücken wechselte sie, weil sie dort mehr Gestaltungsspielraum sah. Hier sei die Stelle als Frauenbeauftragte eine Vollzeitstelle.



Außerdem freue sie sich auf die Zusammenarbeit mit einer Chefin. „Das hat man als kommunale Frauenbeauftragte eher selten, wenn man bedenkt, dass es nur acht Prozent Bürgermeisterinnen gibt.“

Auch ihr Büro im Rathaus mitten in der Stadt gefällt ihr. Die Mittagspause verbringt sie meist am St. Johanner Markt. „Dort kann man jeden Tag was anderes essen.“ Nicht nur kulinarisch gefällt ihr die Vielfalt von Saarbrücken. Die Stadt und ihre Bevölkerung als bunter Mix – das passt zu ihrer Vorstellung einer offenen City.

Nach außen erfüllt die Frauenbeauftragte eine Beratungsfunktion, betreibt aber auch Öffentlichkeitsarbeit für frauenrelevante Themen. Von sexistischer Werbung über pädagogische Mädchenarbeit bis zur Prävention vor Altersarmut. „Letzteres ist zum Beispiel ein Thema, über das sich Frauen oft zu spät informieren. Dabei ist es wichtig, dass sie sich früh genug damit auseinandersetzen, wie ihr Leben zum Beispiel im Rentenalter aussehen wird“, sagt Kunze. Großes Interesse für feministische Themen zeigte sie bereits im Studium. Als Nebenfach wählte die Ethnologin bereits damals Gender Studies.

Vom Beruf der Frauenbeauftragten halten sich auch heutzutage hartnäckige Klischees. Dabei sind die Frauen keine „Mecker-Tanten“, die nur Kritik üben. Auch positive Entwicklungen gilt es zu unterstreichen. Dessen ist sich Katharina Kunze auch bewusst. „In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland unglaublich viel getan. Frauen haben an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie wissen, wo die Grenzen sind und wie man sie einfordert.“

Ebenso ist Kunze der Meinung, dass die #metoo-Debatte einiges Positive für die Frauen in der Gesellschaft bewirkt hat. Ihre Herangehensweise ist ganzheitlich: „Frauenthemen gehören zur Gesamtpolitik und sollten von den aktuellen gesellschaftlichen Debatten nicht abgekoppelt werden.“

Das zeigt sich beim anstehenden Frauenthemenmonat, der am 9. November beginnt. Einer der Schwerpunkte ist dabei die Digitalisierung.

Ihre Freizeit verbrachte die Neu-Saarbrückerin dank bestem Wetter bisher vor allem draußen. Der Bürgerpark und der Deutsch-Französische Garten gehören zu ihren Lieblingsorten.

Ihr persönlicher Kulturtipp hat aber schon irgendwie mit ihrem Job zu tun: die Ausstellung „In the Cut“ in der Stadtgalerie mit Werken, die nicht den männlichen Blick auf den weiblichen Körper zeigen, sondern umgekehrt.

„Ich habe gehört, dass andere Museen eher ablehnend auf manche dieser Objekte reagiert haben. Hier in Saarbrücken war es kein Problem, die Ausstellung zu veranstalten. Sie wird auch gut angenommen. Mir gefällt diese offene und lockere Einstellung.“ Eben eine Vollblut-Feministin – nicht nur während der Bürozeiten.