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Auszeichnung
Verdienstmedaille für akribischen Naturbeobachter

Bei der Verleihung im Rathaus St. Johann: Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Karl Theodor Elberskirch und und Saskia Pietzsch vom Deutschen Wetterdienst (von links).
Bei der Verleihung im Rathaus St. Johann: Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Karl Theodor Elberskirch und und Saskia Pietzsch vom Deutschen Wetterdienst (von links). FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Karl Theodor Elberskirch aus Eschringen ist Vorsitzender der Ortsgruppe Eschringen-Ensheim des Naturschutzbundes (Nabu) und seit über 40 Jahren ehrenamtlich phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst (DWD). Von Becker & Bredel

Für seine langjährige Mitarbeit im DWD erhielt er gestern im Rathaus in Saarbrücken die Bundesverdienstmedaille.


Seit 1978 hat Elberskirch in Ensheim 2960 Beobachtungsdaten notiert und an den Wetterdienst gemeldet. Als Phänologe schaut er dabei aber nicht in die Wolken und hält Messbecher in den Regen: Er achtet auf die Zeichen in der Natur. Kaum blühen die ersten Pflänzchen, hat Elberskirch das auch schon notiert und gemeldet.

„Durch meine Tätigkeit beim Naturschutzbund wurde ich auf die Funktion eines phänologischen Beobachters aufmerksam“, erklärt der 70-Jährige: „Es ist eine wichtige Aufgabe für die Klimaforschung, aber mittlerweile ist es sehr schwierig, Nachwuchs dafür zu finden.“



Bundesweit gibt es rund 1200 phänologische Beobachter. Unter anderem wird mit den Beobachtungen die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sichergestellt. Die Entwicklung von 48 verschiedenen wild wachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen wird im Jahresablauf, beginnend mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und endend mit dem Nadelfall der Lärche im Spätherbst, beobachtet. So kann nicht nur festgestellt werden, wie sich Klimaveränderungen auf die Pflanzenwelt auswirken, sondern auch in wie weit die Änderung des Klimas voranschreitet.

„Da die Entwicklung der Pflanzen maßgeblich vom Klima gesteuert wird, lassen sich Klimaveränderungen anhand langer Datenreihen sehr gut erkennen. So beginnt zum Beispiel der Frühling seit Ende der 80er Jahre häufig früher und die Winter werden wärmer. Dies kann man auch an den von Herrn Elberskirch beobachteten Daten sehen“, sagte Saskia Pietzsch von der Abteilung Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes bei der gestrigen Ehrung. In Anerkennung seiner wertvollen Mitarbeit und besonderen Leistungen erhielt Elberskirch die Verdienstmedaille.