Zu Gast in der Moselstraße in Dudweiler: Kaninchenzucht ist eine klare Männersache

Zu Gast in der Moselstraße in Dudweiler : Kaninchenzucht ist eine klare Männersache

Klaus Ulrich ist erneut Vereinsmeister in Dudweiler. Kanin-Hop, eine neue Sportart, findet immer mehr Liebhaber.

„Och ist das süß!“ Bei Jasmin Zaydan aus Dudweiler war es Liebe auf den ersten Blick. Eine kleine blau-weiße Zwergschecke hat es ihr angetan. Genießerisch lässt diese sich von ihr zwischen den Ohren kraulen. Die Rede ist von einem Zwergkaninchen. Einem von 40 Tieren, die der Kaninchenzuchtverein SR 6 am Wochenende in der kleinen Ausstellungshalle am Vereinsheim in der Moselstraße zur Schau stellte. Putzig mümmelten sie in ihren Käfigen umher, knabberten an Möhrchen oder ruhten in ihren Strohnestern. Ganz entspannt ließen sie sich von den Besuchern begutachten. Und besonders Mutige kamen auch nach vorne und ließen sich von den Gästen kraulen.

Heinz Schuh ist der ehemalige  Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins SR 6 Dudweiler. Er erklärt die Wertungs-Aushänge an den Käfigen. Auf ihnen stehen Bemerkungen wie „prima Kopfzeichnung“ oder „wenig Unterwolle“ oder „Behanglänge 26 cm“. Mit letzterem sind die zauberhaften Hängeohren gemeint, die bei den kleinen „Widdern“ gemessen werden. „Insgesamt gibt es die Noten vorzüglich, hervorragend, sehr gut, gut, befriedigend und unbefriedigend“, erklärt Schuh.

Keine leichte Aufgabe für Preisrichter Stefan Rehfeld aus Elversberg, der die Langohren tags zuvor begutachtet und bewertet hatte. Dabei spielten Gewicht und Körperform ebenso eine Rolle wie die Zeichnung, das Fell, die Ohren und die Kopfform. Klaus Ulrich ging erneut als Vereinsmeister hervor. Er belegte mit seiner Rasse „Kleinsilber schwarz“ den ersten Platz mit 385,5 Punkten und Rang drei mit gleicher Punktzahl mit seinen weißen Zwergwiddern mit den roten Augen. Auf Platz zwei landete Schuh mit seinen „Zwergschecken blau-weiß“. Er erreichte ebenfalls 385,5 Punkte.  Mit diesen Ergebnissen können die Züchter getrost ihre Kaninchen bei der Bundeskaninchenschau in Leipzig im Dezember beziehungsweise bei der nächsten Landesschau im Januar präsentieren.

Zu sehen gab es auch verschiedenfarbige Hasenkaninchen oder Hermelinchen. Der Vorsitzende Bernhard Andes war mit der Resonanz der Ausstellung zufrieden. Zahlreiche Besucher schauten bei der Ausstellung im Vereinsheim vorbei und fachsimpelten über ihr Hobby, das eine Männer-Domäne ist. Züchterinnen gibt es kaum. Aber dafür eine neue Sportart, die auch im Saarland immer mehr Liebhaber, vor allem unter den weiblichen Kaninchen-Besitzern, gewinnt: der Kanin-Hop. Hauskaninchen werden trainiert über Hindernisse zu springen, welche wie ein Parcours aufgebaut wurden. „Dies kann sowohl mit Leine und Geschirr oder auch als freies Springen ohne Leine ausgetragen werden. Manche Kaninchen hoppeln schon ganz von alleine über alle Hindernisse und freuen sich auf ihr Leckerchen im Ziel“, erzählt Schuh.

Und dann wird es etwas ernster beim Gespräch mit dem Vorsitzenden Andes. „Wir möchten alle Kaninchenhalter dringend darauf aufmerksam machen, dass sich der tödliche Kaninchenvirus RHD2 im letzten Jahr auch im Saarland stark ausgebreitet hat. Auch in Dudweiler gab es schon Todesfälle.“ Die Übertragung kann durch Kontakt mit infizierten Tieren, aber auch durch Insekten, Futter, Personen oder Einrichtungsgegenstände erfolgen und führt in den meisten Fällen zum Tod. Die erkrankten Tiere sterben letztlich innerhalb kurzer Zeit mit überstrecktem Kopf. „Lassen Sie ihre Kaninchen impfen, um sie zu schützen, auch bei reiner Wohnungshaltung. Denn auch wenn Sie draußen Kräuter zum Verfüttern sammeln, können Sie das Virus auf Ihre Kaninchen übertragen“, warnt Andes.

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