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Jonas Degen ist in der Fastnacht als Klavier spielender Komiker aktiv

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Menschen im Regionalverband : Fastnachter mit preisgekrönten Pointen

Jonas Degen verbindet auf der Bühne witzige Bemerkungen mit Musik am Klavier. Das kommt prima an.

Normalerweise ist sein Programm auf 15 bis 25 Minuten angelegt. Doch in den meisten Fällen lässt das Publikum Jonas Degen nicht einfach so von der Bühne. Es folgen oft Zugaberufe wie an der Schnur gezogen.

In der St. Ingberter Stadthalle stand der 29-Jährige vor 600 Gästen 35 Minuten lang auf der Bühne, und in Auersmacher waren es vor 300 Gästen ebenfalls 35 Minuten. „In solchen Fällen habe ich in erster Linie Mitleid mit den Elferratspräsidenten, denn die müssen danach gucken, dass sie die Zeit wieder reinholen“, sagt das Bütten-Ass von der Karnevalsgesellschaft Grüne Nelke aus Dudweiler.

Wobei Büttenrede fast schon das falsche Wort ist. Stand-up-Comedy mit humoristischen Gesangseinlagen trifft es wohl eher. Seit zehn Jahren steht Jonas Degen als der Mann mit dem Piano auf der Fastnachtsbühne. Er ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten. „Ich habe mir damals angeschaut, was es so alles in der Bütt schon gibt. Die Kombination aus Musik und Politik gab es noch nicht, also war das meins“, erklärt Degen.

Er arbeitet als Moderator beim SR und hat Englisch und Musik auf Lehramt studiert. Musik mit Schwerpunkt Klavier, und deshalb geht es dem Dudweiler auch so leicht von der Hand, wenn er selbst getextete Lieder in Reimform vorträgt und sich selbst begleitet. „Ich habe acht Semester fast nichts anderes gemacht. Die Lieder kommen in der Vorbereitung auf einen Auftritt ganz am Schluss, das ist das Einfachste“, sagt Jonas.

Beim Vorstellabend der Narren im Jahr 2010 hat Jonas Degen mit seinem Programm den ersten Platz belegt. Direkt danach buchten ihn schon die ersten Vereine für ihre Kappensitzungen.

Es war der Startschuss für seine Karriere. Nicht ganz so leicht wie die Musik sind Sketche und Witze zu schreiben, die der Familienvater auf die Bühne bringt. Sie haben Niveau und fordern schon eine gewisse Art von Konzentration und Bildung, um sie zu verstehen. „Ja, da hinten rechts kommt es lang an, und hier vorn haben es die meisten auch schon“, sagte er nach einem Witz in Auersmacher und holte damit gleich den nächsten Lacher.

Es will auch auch ein Stück weit politische Bildung vermitteln. „Ich fange im Prinzip schon direkt nach Fasching an, mir neue Listen mit Witzen aufzuschreiben, die ich höre. Nach Weihnachten wird dann alles ausgewertet und ein Programm erstellt. Das wird allerdings immer aktualisiert, wenn etwas passiert. Den endgültigen Austritt der Engländer aus der EU oder den Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer muss man natürlich einarbeiten“, sagt Degen. Seine zweite närrische Heimat sind die Nelkenfunken der Dudweiler Grünen Nelke. Sie sind mit 35 Mitgliedern und 44 Jahren das größte und das älteste Männerballett des Saarlandes. Jonas gehört dazu, seit er fünf Jahre alt ist. „Am Anfang ist man noch bei den Nelkenkadetten. Zu den Nelkenfunken kam ich erst mit 17 Jahren“, sagt der 29-Jährige, der genauso lange Mitglied bei den Grünen Nelken ist, wie er lebt.

Seine Eltern haben ihn direkt nach der Geburt im Verein angemeldet, und genau so hat es Jonas mit seinem Sohn Emil gemacht. Die Fastnacht haben die Degens einfach im Blut. „Aufhören mit der Fastnacht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich mache zurzeit pro Session acht bis zehn Büttenreden. Vielleicht werden es mal ein paar weniger, aber aufhören werde ich in diesem Leben wohl nicht“, sagt der Mann mit dem Piano.

Er steht am kommenden Samstag zum letzten Mal für diese Fastnachtszeit auf der Bühne. Die Dudweiler Grüne Nelke feiert ihre dritte Kappensitzung. Die ist allerdings schon seit Wochen ausverkauft.