„JazzZeit“ mit zwei Bands in Kettenfabrik St. Arnual

Absolut geglückt : „JazzZeit“ mit zwei Bands in Kettenfabrik St. Arnual

Der Newjazzer Christof Thewes war am Freitag Kurator des sechsten Termins der neuen Konzertreihe „JazzZeit“. Der Name des bekannten saarländischen Musikers und das Doppelprogramm, das er zusammengestellt hatte, zogen so viele Zuhörer zur St. Arnualer Kettenfabrik, dass der Platz in dem historischen Gebäude nicht ausreichte und manch einer unverrichteter Dinge abziehen musste.

Die „JazzZeit“ brummt, auch was die Qualität betrifft: Geradezu überbordende Spiellaune zeigte das Christof Thewes Quartett; es eröffnete den Abend mit Noten aus dem „SurRealBook“. Unter diesem Titel hat der Combochef sein gesamtes kompositorisches Oeuvre seit 1979 gesammelt.

Seit einigen Jahren führt Thewes (Posaune) nun zusammen mit Hartmut Oßwald (Saxofon), Benjamin Lehmann (Kontrabass) und Martial Frenzel (Schlagzeug) in regelmäßigen Konzerten in Saarbrücken Stücke aus seinem „SurRealBook“ in alphabetischer Reihenfolge auf. Die aktuelle Live-CD mit den Anfangsbuchstaben D bis F konnte man hier auch kaufen. Zur „JazzZeit“ gab’s nun Schlaglichter aus dem bislang aufgeführten „SurRealBook“-Repertoire.

So arbeitete sich das improvisierfreudige Ensemble durch Thewes-Originale, die einmal mehr alle möglichen Jazz-Stile berührten. Bis hin zu einer Eigenkomposition aus dem Jahr 1986, deren Geburt der wie immer schlagfertig moderierende Häuptling augenzwinkernd mit den Worten kommentierte: „Ich dachte, das wäre eine Punk-Nummer, aber die Punker dachten das nicht.“

Das ist das Schöne bei Thewes: Alles kann in seiner Musik vorkommen, Oldtime-Jazz, Rockiges, Punkiges; das macht sie so frisch und überraschungsträchtig, zumal wenn sie mit dermaßen viel Verve interpretiert wird. Thewes‘ funken-stiebende Posaune, Oßwalds urig-knorriger Saxofon-Ton und dazu das Miteinander der Rhythmus-Mannen, die selbst verquere Muster leichtfüßig wirken lassen – da bereitete das Stillsitzen Mühe. Und dann waren da noch Thewes‘ Themen und Motive, die unmittelbar ansprachen.

Nach der viel beklatschten Werkschau in eigener Sache schickte der Kurator Christof Thewes als zweite Band des Abends „Monk‘s Casino“ auf die Bühne, bestehend aus befreundeten Berliner Jazzern, mit denen er bei seinen häufigen Aufenthalten an der Spree gerne kooperiert: Alexander von Schlippenbach (Piano), Axel Dörner (Trompete), Rudi Mahall (Bassklarinette), Jan Roder (Bass) und Michael Griener (Schlagzeug) – Namen mit internationalem Klang, die Jazzkennern geläufig sein sollten.

Dem Ensemblenamen entsprechend widmen sie sich dem Werk von Thelonious Monk. Und wer weiß, dass sie das bereits seit über zwei Jahrzehnten tun, der kann ahnen, was die Cracks hier boten: Ein derart entspanntes, kreatives und aufmerksames Miteinander erlebt man selten. Bei „Monk‘s Casino“ beherrschte feiner Humor das gesamte Auftreten, der sich aufs Angenehmste auf den Hörer übertrug.

Alleine schon das lässig swingende Zusammenspiel der Rhythmusleute, die lächelnd Blickkontakt hielten, bereitete intensiven Hörgenuss. Dazu Dörners elegante Trompeten-Linien, Mahalls vitale Bassklarinetten-Statements und schließlich Schlippenbachs Piano-Ästhetik.

Mit gesenktem Blick thronte Schlippenbach als graue Eminenz am Konzertflügel – ihm ist dieses Projekt zu verdanken, das sich der Musik von Monk auf einfühlsame und zugleich kühne Weise widmet. Ovationen gab’s für dieses Glanzlicht bei „JazzZeit“.

Die nächste „JazzZeit“ ist am Freitag, 6. Dezember, ab 19.30 Uhr in der Breite 63. Eintritt frei.

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