Jacques’ Bistro Schönauers letzter Auftritt in Saarbrücken mit "Frauen verstehen"

Jacques’ Bistro : Schönauers letzter Auftritt in Saarbrücken

Detlev Schönauer ist frustriert. Am Samstagabend kündigte der Kabarettist seinen baldigen Ruhestand an. Die Premiere seines Programms „Frauen verstehen in 100 Minuten – Männerphantasien in Jacques’ Bistro“ sei die letzte in Saarbrücken gewesen.

Nur die Hälfte der Plätze in der Saarbrücker Bel Étage sind am Samstagabend besetzt. Und Detlev Schönauer glaubt zu wissen, weshalb. „Ich freue mich, dass ihr euch in so großer Zahl eingefunden habt, und ich freue mich auch über die anwesende Presse. Das ist der erste Witz“, beginnt er in ziviler Montur seine Vorrede. „Die Saarbrücker Zeitung hat es uns ermöglicht, in diesem kleinen Rahmen zusammen zu sein“, fährt er fort und moniert, dass die Ankündigung der Veranstaltung in Saarbrücken der SZ nur 16 Zeilen wert gewesen sei. Er fühle sich denunziert, weil er offen seine Meinung (Stichworte: Flüchtlingskrise und Prozess gegen den Blogger Uwe Caspari) sage – einige Zuschauer pflichten ihm empört bei – und trete deshalb bald in den kabarettistischen Ruhestand. Ein Raunen geht durchs Publikum. „Ich werde meine kabarettistische Präsenz im Saarland reduzieren und wie der Kollege Gerd Dudenhöffer nicht mehr in Saarbücken auftreten“, sagt er. Aber er werde sich weiter der Kritik an Politik und Kultur widmen, und zwar auf anderen Kanälen.

Wenige Momente später betritt er dann als lächelnder, französisch säuselnder Jacques mit Baskenmütze die Bühne und beginnt mit seinem Programm „Frauen verstehen in 100 Minuten – Männerphantasien in Jacques’ Bistro“. Zunächst kommt er auf die Schöpfung von Mann und Frau zu sprechen. Nachdem Adam festgestellt hatte, dass alle Tiere einen Kameraden haben, beschwerte er sich bei Gott – und der erschuf „Madame Eve“ aus Adams Rippe: „Blind von Amour erkannte Adam das eigene Kotelett nicht“ – und somit trat das „Malheur in die Welt“. Aber auch die Männer bekommen ihr Fett weg: „Männer sind schlappe die Schwänz“, nicht multitaskingfähig (außer beim Ignorieren von mehreren Aufgaben) und viel einfacher gestrickt als Frauen – und Frauen es vermuten. „Männer kriegen jedes Marmeladenglas auf, aber finden die Butter im Kühlschrank nicht.“ „Bis die Frauen bestellt haben, sind die Männer besoffen.“ Und: „Männer warten in ihrem Leben ein Jahr lang auf Frauen; während Frauen laut Statistiken fünf bis sechs Jahre länger leben, die sie allerdings in der Schlange stehend vor der Toilette verbringen.“

Der verheiratete Jacques trumpft mit „praktischen“ Tipps im Umgang mit Frauen „ganz ohne Huddel“ auf und erntet seine Lacher für seine kursorischen Mann-Frau-Studien. Auf Zustimmung stoßen auch seine etwaigen Ablehnungen und Verweigerungen. Der „Gender-Scheiß“ ist ihm ein Graus ebenso wie die Grünen, „die nur dummes Zeug schwätzen.“ Er bekennt freimütig: „Dummheit hat eine Farbe, nämlich grün.“ Dass die Umweltaktivistin Greta Thunberg CO2 sehen kann, beeindruckt ihn. „Dafür kann ich Dummheit riechen, aber dafür gibt’s keine Nobelpreisträger!“ Derlei derbe Zoten garniert er mit musikalischen Zwischenspielen, beispielsweise singt er Otto Reuttlers „Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ in saarländischem Platt. Dem Islam kann er zumindest eine positive Seite abgewinnen und richtet sich an den samt Gattin anwesenden Oskar Lafontaine, derem politischen Netzwerk „Aufstehen“ Schönauer angehört: „Vier Frauen ist schon besser – das weiß der Oskar auch!“ witzelt er. Lauthalses Prusten ist zu vernehmen. Mit Goethes auf einer Wette beruhenden Gedicht „Die Haustürklingel an der Wand, der Mädchenbusen in der Hand“, das mit den zweideutigen Worten endet, „dass unten draußen einer steht, der sehnsuchtsvoll nach Einlass fleht…“, endet Jacques letzte Premiere in Saarbücken – er fleht um keinen weiteren Einlass.

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