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Interview mit Matthias Berg, Jurist, Hornist, Paralympics-Sportler

Interview Matthias Berg : Wie man das Beste aus seinem Leben macht

Matthias Berg ist als Sportler, Musiker und Jurist erfolgreich. Seine Behinderung steht ihm nicht im Weg.

Matthias Berg hat in seinem Leben einiges erreicht. Neben seinem Erfolg als Jurist und Musiker hat der heute 57-Jährige 27 Medaillen bei Paralympics-Spielen und Weltmeisterschaften gewonnen. Als Referent hält er außerdem Vorträge zu den Themen mentale Stärke und Haltung. Berg ist aufgrund einer Contergan-Erkrankung behindert.

Herr Berg, Sie sind als Jurist, Musiker, Sportler und Referent tätig. Wie schaffen Sie das alles?

Matthias Berg: Meine vielen Beschäftigungen haben sich im Laufe der Zeit alle so ergeben. Aber ich habe schon noch genug Freizeit. In das Seminargeschäft bin ich mehr oder weniger reingerutscht, weil ich gefragt worden bin, wie ich das alles trotz meiner Behinderung hinbekommen habe. Und aus dieser Frage haben sich dann ganze Vortragsreihen ergeben. Klar ist das Leben manchmal stressig und anstrengend. Aber eigentlich ist alles nur eine Frage der Einstellung. Ich versuche immer der Beste zu sein, der ich selber sein kann. Sich selber gut zu organisieren und gleichzeitig mit viel Spaß und Freude unterwegs zu sein, halte ich für enorm wichtig.

Wie bewältigen Sie alle diese verschiedenen Aufgaben ohne komplett funktionsfähige Arme?

Berg: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar.  Als es als Kind zum Beispiel darum ging, Fahrrad zu fahren. Anstatt zu sagen „Das ist zu gefährlich“, haben sie es einfach ausprobiert und es versucht. „Der kriegt das schon hin“, war ihre Einstellung. Meine Eltern hatten einen sehr großen Einfluss auf mich. Meine Behinderung hat mich nie aufgehalten. Aber natürlich gab es auch schwere Zeiten. Als ich zehn Jahre alt war, bin ich mit meiner Familie umgezogen, da war es dann schwerer. Ich habe mich als Außenseiter gefühlt, bin aber mit der Zeit darüber hinweggekommen. Ich habe aus dieser Zeit viel über den Umgang und die Kommunikation mit anderen Menschen gelernt. Meine Behinderung schränkt mich nicht so sehr ein, wie Außenstehende das vielleicht ab und zu denken.

Wie ist ihr Blick auf die gegenwärtige Lage zur Inklusion von Behinderten in Deutschland? Halten Sie die Bemühungen für ausreichend oder müsste nicht noch viel mehr getan werden?

Berg: Hierzulande hat sich viel Positives getan. Im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir in Deutschland aber immer noch nicht gut da. In den USA ist die Situation viel besser. Seit 1990 ist die Barrierefreiheit dort im Gesetz verankert. Auch die Menschen begegnen einem dort mit viel Offenheit und Hilfsbereitschaft. Als Mensch mit Behinderung ist man dort leichter unterwegs. Barrierefreiheit muss hierzulande immer noch ein größeres Thema werden. Es gibt so viele Vereine, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzen und so viele Möglichkeiten für Unterstützung. Aber das Thema rutscht oftmals einfach nach hinten durch. Es geht viel zu träge voran und bräuchte mehr Tempo, vielleicht auch noch mal mehr Druck.

Was kann man als Zuschauer von Ihrem Vortrag hier in Saarbrücken erwarten?

Berg: Es wird eine Mischung aus persönlichen Erlebnissen, gedanklicher Tiefe und Humor. Wie kann ich an mir selbst arbeiten? Wie schöpfe ich neue Kraft? Wie führe ich ein erfolgreiches Leben? Das alles sind Fragen, über die ich während meines Vortrags mit den Zuschauern reden will.

Matthias Bergs Vortrag „Mach was draus!“ wird am Montag, 3. Juni, um 19.30 Uhr im Forum der Saarbrücker Zeitung in der Eisenbahnstraße 31 stattfinden. Die Teilnahme ist kostenfrei, aber anmeldepflichtig. Anmeldungen per E-Mail an Judith Klauck, j.klauck@sz-sb.de.