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Björn Coen entwickelt eine Krimi-App
„Ich fühle mich als eine Art Getriebener“

Björn Coen aus St. Ingbert hat eine App fürs Smartphone entwickelt: „Kalte Spuren“ heißt der Krimi, den er täglich fortschreiben will.  Von Jannik Schäuble

Björn Coen aus St. Ingbert entwickelte eine Smartphone-App, „Kalte Spuren“, einen Kriminalroman. Täglich soll ein neues Kapitel erscheinen mit einer Lesezeit von je fünf bis zehn  Minuten. Geplanter Veröffentlichungstermin: 30. Juli.


Herr Coen, wie kamen Sie auf die Idee mit der Krimiroman-App?

BJÖRN COEN: Was das Künstlerische im Allgemeinen angeht, fühle ich mich als eine Art Getriebener. Ich habe sehr viele Ideen, und diese Ideen müssen hinaus in die Welt. Ich muss sie den Leuten vorstellen, und wenn dann alle sagen: „Gute Idee, das sollte man mal machen“, dann fühle ich mich dazu getrieben und stehe in gewisser Weise unter dem Druck, meine Idee zu verwirklichen.



Weshalb ein Roman und warum gerade als App?

COEN: Ich höre von vielen, dass sie gern mehr lesen würden, es aber nicht schaffen, weil sie von ihrem PC oder auch dem Smartphone abgelenkt sind oder keine Zeit zum Lesen finden. Dafür gibt es eine sehr einfache Lösung: Wir bringen den Roman aufs Smartphone. Wenn ich mir überlege, ich würde die vielen Facebookposts und Twittermeldungen, die täglich gelesen werden, als Buch herausgeben, dann hätten diese Menschen vermutlich fünf Bücher im Jahr gelesen. Es ist nicht die Menge an Text, die so abschreckend wirkt, es ist die Präsentationsform. Das Problem löst sich von alleine, wenn man den Roman in kleinen, verdaulichen Häppchen auf dem Gerät hat, mit dem man sowieso morgens fünf Minuten verbringt. Dabei ist ein täglicher Rhythmus wahrscheinlich das Beste.

Was genau unterscheidet Ihre App von anderen elektronischen Büchern oder Lese-Apps?

COEN: Das Spannende daran ist, dass alles zeitnah erscheint. Die App funktioniert wie eine Fernsehserie. Es kommen Folgen raus, die Leute sind alle auf dem selben Stand und lesen alle mehr oder weniger gleichzeitig. Es entsteht also ein Community-Effekt, in dem unter Freunden oder Arbeitskollegen darüber geredet wird. Das fügt dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz hinzu. Man kann ganz aktuelle Ereignisse behandeln. Man kann auch auf das Feedback der Leute eingehen, Dinge ändern während das Buch noch geschrieben wird. Aus Künstlersicht betrachtet ein sehr interessanter Prozess.

Denken Sie, Sie erreichen in der heutigen Zeit des Bewegtbilds junge Menschen mit Ihrer App?

COEN: Das mit der Zielgruppe sehe ich so: Wenn es niemanden interessiert, soll wenigstens ein guter Roman dabei rauskommen. Ich entwickele die App, und dann schaue ich, was ich für eine Zielgruppe habe und wie ich sie mit Werbung am besten erreiche. Dass junge Menschen weniger lesen, ist ein Vorurteil. Sie lesen unheimlich viel und auch nicht weniger als früher. Sonst wäre ein Phänomen wie Harry Potter gar nicht möglich. Lesen hat den schönen Vorteil, dass sich das Kino im Kopf abspielt. Es ist im Grunde viel interessanter ohne Bilder, die man vorgesetzt bekommt. Lesen kann zwar aufwändiger und anstrengender sein, aber wenn man diese Grundanstrengung überwunden hat, in der Story drin ist und die Bilder der Charaktere im Kopf hat, ist es viel interessanter. Man arbeitet viel mehr selbst mit an dem Kunstwerk, weil es erst im Kopf entsteht. Und wenn man nun sagt, die Literatur hat ein grundsätzliches Problem dadurch, dass so viele Filme, Serien, etc. produziert werden, dann ist unsere App ein Schritt auf dem Weg zur Lösung. Wir sind nicht gebunden an gedrucktes Papier und die traditionelle Aufbereitungsweise eines Buchs.

Warum haben Sie gerade das Genre Krimi gewählt?

COEN: Das Ganze wird natürlich so aufgebaut, dass die Möglichkeit besteht, es größer zu machen, wenn es gut läuft. Jetzt geht es aber erst einmal darum, ein Publikum zu finden und dieses Publikum möglichst groß zu machen. Dazu braucht man ein Genre, mit dem jeder etwas anfangen kann. Viele potenzielle Leser würden abgeschreckt, wenn wir ein Genre hätten, das zu speziell ist. In meinen Augen ist der Krimi am zugänglichsten für alle. Krimi läuft immer, und Krimi kann jeder verstehen, denn es geht um basismenschliche Motivation. Außerdem wird „Kalte Spuren“ nicht unbedingt der Klischee-Krimi, in dem es um eine klassische Polizist-Detektiv-Story geht.

Sondern?

COEN: Es geht mehr in Richtung Thriller. Um diesen Thrill, der den Thriller ausmacht, zu erreichen, werden Cliffhanger eingebaut, wie bei einer Fernsehserie am Ende einer Folge. Aber es ist nicht so, dass in dem Roman erst eine Leiche auftaucht, man sich fragt, wer der Täter ist und sich dann alles darum dreht. Es ist mehr als das. Im weitesten Sinne ist es natürlich eine Spionage- und Detektiv-Story, aber es hat eben sehr viele Einzelteile. Es läuft letztlich auf ein Verbrechen hinaus. Mehr kann ich aber leider noch nicht verraten.

Das Interview führte
Jannik Schäuble