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Kolumne
Insekten im Penthouse

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nun schaut man sie wieder gerne an, die farbenfrohen Prospekte der Gartenprofis. Wobei diesmal der Blick hängen bleibt an einer Seite  mit der Überschrift „Nützlichen Gästen eine Unterkunft bieten“. Da geht es um die unterschiedlichen Behausungen für mit Flügeln ausstaffierte Tiere. Nehmen wir mal das Hummelhaus her. Als Winterquartier sowie idealer Wohn- und Nistplatz wird es beworben. Ein veritables Penthose  ist die Marienkäfer-Unterkunft - ein stabiler Brut- und Überwinterungskasten. Interessant auch die Landhaus-Nisthöhle in verschiedenen Farben für die Vogelwelt. Hübsch anzusehen ist  ebenso der Schmetterlingskasten, ein Unterschlupf für kalte und nasse Tage. Und dann  gibt es noch das Insekten-Nistholz für Wespen und Bienen. Haben wir bei der Aufzählung etwas vergessen? Bestimmt, das kann ja nicht alles gewesen sein. Oh, das Prunkstück gilt es noch vorzustellen (27,99 Euro): Der Fledermauskasten mit verengtem Eingang an der Unterseite und einer aufklappbaren Front zur leichten Reinigung. Da hat’s auch eine Rückwand mit Rillen, damit  die bizarren Tierchen genügend Halt finden.

Ich frage mich, was das Viehzeug früher gemacht hat, als solche Behausungen noch nicht existierten. Ich frage mich auch, ob wir es mittlerweile mit fliegenden Weicheiern zu tun haben, die alle Bequemlichkeiten der zivilisierten Welt zu schätzen wissen? Und: Sind demnächst auch Häuschen im Angebot, die mit Sonnenschirm, Pool und Hollywood-Schaukel glänzen?


Und überhaupt: Woher weiß welches Tier, wohin es zu fliegen hat? Gut, der Vogel wird sich’s denken, in die Nützlingswaben quetscht er sich nicht hinein. Und was denkt der Student auf 25 Quadratmetern Wohnfläche? Mensch, wär’ ich bloß eine Fledermaus.