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Wärmestube
Wo Spender Armen Hoffnung schenken

Alltag in der Wärmestube: Das ist Spaß beim Tischfußball ebenso wie bezahlte Arbeit, sei es im Thekendienst, in der Küche oder beim Putzen.
Alltag in der Wärmestube: Das ist Spaß beim Tischfußball ebenso wie bezahlte Arbeit, sei es im Thekendienst, in der Küche oder beim Putzen. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Förderer der Saarbrücker Wärmestube geben ehemaligen Obdachlosen Arbeit, Lohn und neue Zuversicht. red

Bei der Versammlung des Initiativkreises Wärmestube Saarbrücken haben die Mitglieder unter anderem den Haushalt für das kommende Jahr verabschiedet und 180 000 Euro für die weitere Beschäftigung von zehn ehemaligen Obdachlosen und Gästen der Wärmestube bereitgestellt.


„Wir haben diese Entscheidung im Vertrauen darauf getroffen, dass wir – wie in den vergangenen Jahren – genügend Spenden erhalten, um den Weg der erfolgreichen Integration von ehemals Obdachlosen in eine existenzsichernde und gesellschaftlich sinnvolle Arbeit und Beschäftigung fortsetzen zu können“, sagt der Vorsitzende des Initiativkreises, Stephan Manstein.

Unterstützung dürfte in absehbarer Zeit auch von anderer Seite kommen – und zwar dank eines Bundesgesetzes: Demnach können Langzeitarbeitslose schon ab 2019 wieder hoffen, eine langfristig angelegte Beschäftigung zu finden, die nicht wie bei den Ein-Euro-Jobs oder dem einstigen Bürgergeld spätestens nach einem Jahr enden muss.



Ermöglichen soll diesen dauerhaften beruflichen Neuanfang das so genannte Teilhabechancen-Gesetz, das Anfang kommenden Jahres in Kraft tritt. Die saarländische Arbeitsministerin Anke Rehlinger (SPD) hat zur konkreten Umsetzung vor Ort einen saarländischen Beschäftigungspakt ins Leben gerufen (wir berichteten).

Rund 30 Institutionen gehören im Saarland diesem Bündnis an, unter anderem die Arbeitsagentur, die Jobcenter, die Kreise und Kommunen, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Arbeitskammer des Saarlandes, die Kirchen und diejenigen, die seit Jahren öffentlich geförderte Arbeit organisieren.

Stephan Manstein findet diesen Beschäftigungspakt gut. Er sagt: „Wir von der Wärmestube machen genau das schon lange und haben nicht darauf gewartet, bis die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen setzt. Neben einem warmen Platz und etwas zu essen haben wir für unsere Gäste auch das Thema Beschäftigung in den Blick genommen. Wir meinen, dass viele von ihnen in der Lage sind, an einer geeigneten Stelle einer Arbeit nachzugehen und dies auch engagiert und verlässlich tun.“

So haben mittlerweile zehn ehemalige Gäste in der Wärmestube selbst einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden – sie arbeiten im so genannten Service-Team, das sich um den Thekendienst, die Küche und die Reinigung kümmert. „Wir haben schon oft vor dem Problem gestanden, dass die Gäste in einer von der Arbeitsagentur geförderten Maßnahme waren, die dann nach einer bestimmten Zeit abgelaufen ist. Dann stellte sich immer wieder die Frage: Was nun? Wir haben uns dazu entschieden, die Menschen weiterzubeschäftigen, und zwar ohne Zuschüsse und haben auf diese Weise sozusagen unser eigenes Programm aufgelegt – finanziert allein durch unsere Spender.“

Beschäftigung ist in Mansteins Augen ein äußerst wichtiger Baustein im Hinblick auf die Eingliederung und die Aussichten der betroffenen Menschen.

„Das Bundesprogramm ist also wirklich mehr als begrüßenswert, kommt für uns aber ein wenig zu spät. Wir sind überzeugt von der Wirksamkeit des Weges, den wir bisher eingeschlagen haben, und hoffen darauf, genügend Spenden akquirieren zu können, um diesen zehn Menschen weiterhin eine berufliche Perspektive bieten zu können“, sagt Manstein.

Stephan 
Manstein. 
Foto: Ellen
 Ganster/CTS
Stephan Manstein. Foto: Ellen Ganster/CTS FOTO: cts / Ellen Ganster