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Ini-Art-Festival der improvisierten Musik
Ini-Art-Festival: Explosive Energie vor vollen Theaterrängen

Saarbrücken. Die stärkste und innovativste Kraft der Musik rund um den Jazz in unserer Region ist zweifellos „Ini-Art“, die Saarbrücker „Initiative für Musikkunst“.   Im Januar laden die rührigen Förderer –  Musiker, Künstler und Autoren aus der Landeshauptstadt und Umgebung – in schöner Regelmäßigkeit zu ihrem Ini-Art-Festival ins Theater im Viertel (TiV). Von Stefan Uhrmacher

Am Wochenende gab es zur zwölften Ausgabe des Treffens am Freitag und Samstag wieder zwei Abende vollgepackt mit experimenteller Musik. Sechs Programmpunkte mit internationalen und lokalen Gästen hatten die Ini-art-Leute zusammengestellt.


 Am Freitag war die kleine Bühne am Landwehrplatz fest in niederländischer Hand:  Allesamt aus Amsterdam angereist waren ein Quartett mit dem appetitlichen Namen „Omelette“, ferner das Quintett „Polyband“ und der Gitarrist Raphael Vanoli, der sich solistisch vorstellte.

Gleich zwei Saarländer durfte Endi Caspar, Moderator der Jazztage, zur Eröffnung des Samstags im proppenvollen Saal ankündigen: In einem schlicht Herzog-Prätzlich-Schmitz getauften Trio musizierten Johannes Schmitz (E-Gitarre, Komposition) und Daniel Prätzlich (Schlagzeug), beide sind Saarbrücker, und als Dritter im Bunde der Kölner Bassist Constantin Herzog.



Obwohl sich alle drei musikalisch kennen, war‘s in exakt dieser Konstellation nun ein Premiere – und zwar eine bärenstarke:  Was hier an explosiver Energie auf das begeisterte Auditorium einprasselte, das hatte sich gewaschen. Die druckvoll rockigen Rhythmen hatten das Zeug zum Markenzeichen. Dabei harmonierten Prätzlichs markige Trommelfarben prächtig mit den knackigen E-Bass-Tönen von Herzog; er erzeugte seinen charakteristischen Klang mittels Plektron-Anschlags.

Bei krachenden gemeinsamen Akzenten aller drei Musiker wurde man förmlich in die Sitze gepresst. Im Zentrum des Geschehens stand Gitarrist Johannes Schmitz, der auch für die Grundideen der Stücke verantwortlich zeichnete.

 Mit markant schrägen Tonkaskaden, die mit schneidend scharfem Timbre aus dem Verstärker perlten, bildete Schmitz die Speerspitze des Dreiers.  Bei dem mitreißenden Auftritt fehlten nicht lyrische Strecken mit sanften glockengleichen Gitarren-Akkorden und funkige Muster, von denen sich manch eine Funk-Band eine Scheibe hätte abschneiden können. Kurz: eine erfreulich groovige Angelegenheit.

In die Welt des Saxofons entführte dann das Duo „About angels and animals“ aus Münster: Jan Klare und Julius Gabriel traten mit Saxofonen verschiedener Größen vom Alt- bis zum Basssaxofon an, um sie variantenreich mit dem Vokabular der Improvisierten Musik in Szene zu setzen.

Hektisches Gegacker drang ebenso aus den Trichtern wie heisere überblasene Schreie, und es gab fragile Luft- und Klappengeräusche.

Wenn die Saxofonisten feinfühlig zu Werke gingen, glaubte man sanft sprudelnden Fontänen zu lauschen. Mal hoben sich die Instrumente klanglich deutlich voneinander ab, mal schienen sie zur Einheit zu verschmelzen. Ein durch und durch körperliches Hörerlebnis, das unter die Haut ging.

Zu einer „Hommage à John Coltrane“ versammelte sich zum Festivalfinale ein achtköpfiges Ensemble lokaler und auswärtiger Musiker in außergewöhnlicher Besetzung: Hartmut Oßwald, Ove Volquartz, Martin Speicher (Saxofone, Klarinetten), Uwe Oberg (Klavier), Stefan Scheib, Georg Wolf (Kontrabässe), Ingo Deul und Wolfgang Schliemann (Schlagzeuge).

Nach einem ausgedehnten Intro der Rhythmusmannen hoben die Saxofonisten zu einem instrumentalen Gesang an, der in seiner Inbrunst einem John Coltrane zur Ehre gereichte. Schön auch bei dem Kehraus, dass es neben der orchestralen Klangpracht obendrein lässigen Swing zu Beklatschen gab.