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Info-Tage in Püttlingen zu Selbsthilfeangeboten im Regionalverband

Selbsthilfe-Angebote im Regionalverband : Wie man Wege aus der Trunksucht findet

Info-Nachmittage in Püttlingen präsentieren Selbsthilfeangebote für Männer und Frauen, die nicht von ihrer Sucht loskommen.

In der Jugend hatte Peter kein Problem, an Alkohol zu kommen, es war immer Bier im Haus. Später trank er mit den Kollegen während der Arbeit. „Einen Grund zum Trinken findet man immer“, sagt er. Etwa, wenn der Sportverein gewonnen hat. Oder wenn er verloren hat. Seine Geschichte erzählt der heute trockene Alkoholiker unserer Zeitung im Foyer der Klinik Püttlingen. Peter ist inzwischen 71 Jahre alt und heißt in Wirklichkeit anders.

1988 gab es den ersten Absturz. Nach einer Fußoperation hatte er Schmerztabletten mit Alkohol eingenommen. Nach der Entgiftung in der Klinik trank der Suchtkranke zwei Jahre nichts. Es folgten Rückfälle und Krankenhausaufenthalte. Im Jahr 2000 lernte er in der Therapie einen Anonymen Alkoholiker kennen. Peter begleitete ihn zum Gruppentreffen. „Seitdem bin ich trocken“, sagt er.

Bei den Gesprächsrunden redet man nur über sich selbst. Wer nichts erzählen möchte, hört einfach zu. Im Saarland gibt es 25 Gruppen der Anonymen Alkoholiker.  Und welche Alarmzeichen deuten auf die Sucht hin? Zum Beispiel das Trinken schon vor der Arbeit oder das Halten eines bestimmten Alkoholpegels über den Tag, heißt es am Infostand der Anonymen Alkoholiker.

Je früher man zu einer Selbsthilfegruppe gehe, umso besser. Die Erfahrung zeige allerdings: 90 Prozent der Alkoholiker werden erst aktiv, wenn sie ihren Tiefpunkt erreicht haben. Bis dahin glauben sie, es allein zu schaffen. Da hilft auch die direkte Ansprache von besorgten Freunden und Familienmitgliedern meist nichts.

Das Knappschaftsklinikum Saar und die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS) haben zu dem Info-Nachmittag eingeladen. „Im Saarland gibt es über 650 Selbsthilfegruppen“, sagt KISS-Mitarbeiterin Victoria Louia. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass inzwischen auch viele junge Menschen Rat suchen. Depressionen und Suchterkrankungen spielen eine große Rolle, sie betreffen alle Altersklassen.

Auch die Endometriose-Selbsthilfegruppe Saarbrücken stellt sich vor. Die schmerzhafte gynäkologische Erkrankung ist zwar relativ unbekannt, aber keineswegs selten. In Deutschland werden jährlich etwa 40 000 neue Fälle diagnostiziert. „Wir hören den Frauen zu“, sagt Ansprechpartnerin Monika Wagner. Betroffene sind froh, wenn sie von ihrem Ärger mit der Krankenkasse oder dem Arbeitgeber erzählen können. In den Gruppentreffen geht es um die Auswirkungen auf die Partnerschaft, um Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden und die neuesten Forschungserkenntnisse.

In der Osteoporose-Selbsthilfegruppe Völklingen werden nicht nur Erfahrungen und Informationen ausgetauscht, regelmäßig treffen sich die Mitglieder zum Training. Denn Bewegung stärkt die Knochen. Von der Volkskrankheit Knochenschwund sind auch Männer betroffen. Allerdings meist zehn Jahre später als Frauen, erklärt Gruppenleiterin Gertrud Bessoth.

Am 27. November stellen sich bei einem zweiten Info-Nachmittag weitere Selbsthilfegruppen vor. Unter anderem gibt es dann im Krankenhaus Püttlingen Tipps zu Tinnitus, Rheuma und Diabetes.