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In Trier nach Jesuitenpater Wilhelm Eberschweiler fahnden

Spurensuche : Auf Spurensuche nach einem Püttlinger Jesuiten in Trier

„Jetzt fehlt nur noch ein Wunder!“, so titelte die „SZ“ im Mai und meinte die Anstrengungen zur Seligsprechung des in Püttlingen geborenen Jesuitenpaters Wilhelm Eberschweiler. Auf Spurensuche in Trier.

„Gott ist Freude. Gott ist Liebe. Und wie kommt man zu ihm? Durch Hingabe!“ Im Original stammt der Satz von Wilhelm Eberschweiler, hier zitiert durch Pater Ludger van Bergen. Van Bergen ist Jesuitenpater und heutiger  Vorsitzender des Pater-Eberschweiler-Bundes Trier. Der bemüht sich seit  seiner Gründung 1986 sehr darum, das Andenken an Pater Wilhelm Eberschweiler neu zu beleben.

Damit verbunden ist die Hoffnung, den seit 1951 laufenden Prozess der Seligsprechung voran zu bringen. Die Kirche macht es sich in der Tat nicht leicht, diesen Schritt zu vollziehen. Das ist im Gespräch mit Pater van Bergen mehr als deutlich geworden.

In Püttlingen sind ein Weg und eine Grundschule nach Eberschweiler benannt. Hier, in Trier im Archiv des Ignatiushauses, bewahrt der Eberschweiler-Bund heute  den  umfangreichen persönlichen Nachlass des Paters auf. Dieser hatte, unter anderem als Novizenmeister und Spiritual (und damit zuständig für Einführung, Ausbildung und geistliche Begleitung der Ordensanwärter),  viele theologische Schriften geschrieben. Er hat auch ordens­intern gearbeitet und zudem einen eindrucksvollen Bericht über sein  langes Leben verfasst mit dem Titel „Gott führte mich“.

Im Mai 2018 wurde dann ein Antrag des Eberschweiler-Bundes umgesetzt, unterstützt vom Generalapostular der Jesuiten in Rom und nach  Überprüfung  durch die Glaubenskongregation für Selig- und Heiligsprechungs-Prozesse im Vatikan: Papst Franziskus sprach den sogenannten „Heroischen Tugendgrad“ für Pater Eberschweiler aus. Damit sei eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Seligsprechung genommen worden. „Die zweite Säule wäre ein Wunder“, sagt van Bergen, wohl wissend, dass für einen solchen Nachweis allergrößte Sorgfalt angesagt ist. Ein solches Wunder wäre beispielsweise „eine medizinisch nicht zu erklärende Heilung eines Todkranken“. Dazu müssen die Mitarbeiter des Eberschweiler-Bundes nicht nur  Aussagen von Patienten und/oder Angehörigen einschließlich der Befreiung von der ärztlichen Schweigepflicht erhalten, sie müssen auch Haus- und Fachärzte aufsuchen und im Gespräch auf Relevanz  prüfen. Van Bergen: „Es gab in der Vergangenheit entsprechende Hinweise, die sich schließlich aber doch zerschlagen haben, weil es sich eben  nicht um eine unheilbare Krankheit gehandelt hat oder weil der mutmaßlich geheilte Patient dann doch verstorben ist.“

In der Dreifaltigkeitskirche Trier, der „Jesuitenkirche“, in der Wilhelm Eberschweilers Gebeine seit 60 Jahren im südlichen Seitenschiff vor dem Sakramentsaltar beigesetzt sind, befindet sich ein dickes Fürbittbuch, in dem Gläubige ihre Sorgen, Wünsche,  Anliegen eintragen können. Hier zeigt sich, dass Pater Eberschweiler auch beinahe 100 Jahre nach seinem Tod nicht vergessen ist: „Viele Püttlinger verbinden ihren Ausflug nach Trier damit, das Grab von Pater Eberschweiler zu besuchen, dort Kerzen anzuzünden, zu beten und ihre Anliegen in dem Fürbittbuch einzutragen“, berichtet Pater van Bergen.

Vom Ignatiushaus über die Brotgasse und den Trierer Hauptmarkt finden Interessierte in wenigen Minuten den kurzen Weg zur Dreifaltigkeitskirche und deren Seitenkapelle mit den steinernen Gräbern von Friedrich Spee und Wilhelm Eberschweiler. Viele Kerzen brennen hier, und im erwähnten Fürbittbuch finden sich aktuelle Anliegen wie „Hilf meinem Patenkind und seiner Frau, mit ihren Problemen klar zu kommen und ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen.“ Oder: „Bitte erlöse meinen Opa von seinen schlimmen Qualen.“ Oder, ganz profan: „Hilf uns in der schwierigen Erbangelegenheit.“ Vielleicht, so van Bergen, findet sich der entscheidende Hinweis auf das erhoffte Wunder: „Dann könnte es mit der Seligsprechung ganz schnell gehen.“ Vielleicht im Dezember 2021, passend zum 100. Todestag von Pater Wilhelm Eberschweiler.