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In Saarbrücken wurde ein 24-Jähriger wegen versuchten Mord verurteilt

Rassistischer Angriff : Gespaltene Reaktionen nach Urteil um Messerattacke auf schwarzen Studenten

Fünf Jahre Haft wegen versuchten Mordes: So lautete am Montag, 14. Dezember, das Urteil im Prozess um eine Messerattacke, die im Juni dieses Jahres nicht nur in Saarbrücken Aufmerksamkeit erregt hatte (wir berichteten).

Die erste große Strafkammer des Schwurgerichts sah es als erwiesen an, dass der 24-jährige Angeklagte einen damals 25-jährigen Studenten aus dem zentralafrikanischen Gabun erst unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dann mit einem Messer auf ihn eingestochen habe.

Brisanz erhielt der Fall durch das Motiv des Täters. Dieser habe während des Angriffs immer wieder gerufen: „Du bist schwarz, du sollst sterben.“ Die Oberstaatsanwaltschaft erkannte in diesem Satz eine fremdenfeindliche Gesinnung und wertete diese als niedrigen Beweggrund – neben Heimtücke ein Mordmerkmal, das dem Angeklagten zur Last gelegt wurde.

Die Verteidigung argumentierte bis zuletzt, bei der Tat handle es sich nur um Körperverletzung – erfolglos. Das Gericht folgte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und des Anwalts des Geschädigten, der im Prozess als Nebenkläger auftrat. Der Jurist wertete das Ergebnis unmittelbar nach der Urteilsverkündung dann auch als Erfolg. „Dass der Angeklagte wegen versuchten Mordes verurteilt worden ist, bestätigt unsere Auffassung. Insofern halten wir es für richtig.“ Beim Strafmaß habe die verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten eine Rolle gespielt. Er sei laut Gericht süchtig nach Amphetaminen, minderbegabt und zeige Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung.

Lamine Conté schäumte dagegen nach der Verhandlung vor Wut. Er ist Sprecher des Saarbrücker Integrationsbeirats und Geschäftsführer von „Haus Afrika“. Nach der Attacke stand der Verein dem Opfer bei. Conté hatte die Verhandlung als Zuschauer verfolgt. „Ich bin mit diesem Urteil nicht zufrieden“, sagte er. Es sei zu niedrig, der Verurteilte könne zudem bereits nach zweieinhalb Jahren Haftentlassung beantragen.

Für Verwirrung – nicht nur bei Conté – sorgte darüber hinaus aber eine Formulierung aus der Urteilsbegründung. Der vorsitzende Richter hatte darin ebenfalls von einer fremdenfeindlichen Gesinnung des Verurteilten gesprochen, die sich auch schon früher bei ihm gezeigt habe. Ob es sich dabei aber nun auch um Rassismus handle, sei jedoch eine „semantische Spitzfindigkeit“.

„Fremdenfeindlich, aber nicht rassistisch? Was bedeutet das?“ wollte Conté wissen. Die Formulierung sei laut dem Anwalt des Opfers jedoch im Kontext zu sehen. Neben den Ausführungen der Staatsanwaltschaft hatte auch er in seinem Plädoyer die rassistischen Beweggründe des Angeklagten betont. Der Verteidiger hatte dieser Darstellung widersprochen: Demnach sei sein Mandant nicht in der Lage, Rassismus „ideologisch nachzuvollziehen“, da dies eine gewissen Intellekt voraussetze, den der Angeklagte nicht habe. Sein Satz „Du bist schwarz, du sollst sterben“ sei zwar „objektiv rassistisch“, subjektiv habe sein Mandant aber kein rassistisches Motiv gehabt. Auf diese Ausführungen (die im Zuschauerraum ungläubiges Schnauben hervorriefen) habe sich, so die Vermutung des Opferanwalts, die Formulierung in der Urteilsbegründung bezogen.

Conté kündigte an, die Urteilsbegründung nachzulesen, sobald diese einsehbar sei. Das Opfer selbst wirkte in all dieser Aufregung etwas verloren. Fragen der anwesenden Journalisten beantwortete er nur knapp. Angesprochen auf die Entschuldigung des Angeklagten vor der Urteilsverkündung sagte er nur, dass er dazu keinen Kommentar abgeben wolle.