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In Saarbrücken sind trotz Corona-Virus viele Menschen unterwegs

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücker Bahnhofstraße : Ausgeh-Lust trotz Corona-Frust

In Saarbrücken und Umgebung herrscht trotz Corona fast ungebremste Einkaufs- und Bummel-Lust. Die Hysterie um das Virus nervt viele.

Proppenvoll war die Bahnhofstraße in Saarbrücken am Samstagnachmittag. Die Einkaufs- und Bummel-Lust scheint ungebrochen – daran ändert das Corona-Virus offenbar nichts. Das Gesundheitsministerium gab am Samstag den vierten Fall im Saarland bekant – bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren es dann fünf.

„Ich kann es bald nicht mehr hören. Egal, was man macht, es geht nur noch um Corona. Das wird alles viel zu sehr in den Vordergrund gespielt“, sagt Andreas Riedschy aus Saarbrücken. Er war mit seinen Freunden Giosafat und Giuseppe De Giorgio in der Bahnhofstraße unterwegs. Giosafat De Giorgio sieht es ähnlich. „Auf der Arbeit sollen wir uns nur noch mit Faust an Faust begrüßen, nicht mehr die Hände geben. Es ist in Ordnung, dass man Vorkehrungen trifft und bewusster lebt. Aber unser tägliches Leben darf nicht nur noch von einem Virus bestimmt werden“, sagt der Italiener.

Kimberley Friedel aus Saarbrücken feierte am Samstag Junggesellinnen-Abschied. „Wir lassen uns unsere Feier nicht verderben. Es gibt schon genug Menschen, die es mit dem Virus übertreiben. Ich bin Krankenschwester, und bei uns im Krankenhaus wird das Desinfektionsmittel von Besuchern geklaut“, sagt die Saarbrückerin.

Svenja Kasprzyk kommt aus Hessen und ist zu Besuch im Saarland. Sie erklärt: „In Hessen gibt es schon 17 bestätigte Corona-Fälle. Ich habe schon Respekt und auch ein bisschen Angst vor der ganzen Sache. Man weiß ja nicht, was da noch alles auf uns zukommt.“

In geschlossenen Räumen ist die Situation unterschiedlich. Leute erzählen von deutlich weniger Besuchern in Discotheken oder der Saarland-Therme in Rilchingen-Hanweiler. Im Kino „Camera Zwo“ in Saarbrücken war am Samstagabend richtig Betrieb. „Wir merken hier nichts von einem Besucherrückgang. Man muss die ganze Sache schon ernst nehmen, darf es aber auch nicht übertreiben“, sagt Kino-Inhaber Michael Krane.

Es gibt auch einen Unterschied von Stadt zu Land. Andreas Kessler aus Bliesransbach führt in der Bahnhofstraße in Saarbrücken einen Tabakladen und in Bliesransbach eine Gastwirtschaft. Die Wirtschaft war am Samstag zur Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga voll. Im Tabakladen passierte selbst am Anfang des Monats relativ wenig. „Wir haben in Saarbrücken ungewöhnlich wenige Kunden für einen Monatsanfang. Die Menschen werden durch die Medien mit Informationen zugeschüttet. Das ist alles übertrieben“, kritisiert Kessler.

In Auersmacher sind am Samstag und Sonntag die Passionsspiele gestartet. Beide Veranstaltungen waren ausverkauft. Die Auersmacher rechnen mit bis zu 10 000 Gästen aus ganz Deutschland in den kommenden sechs Wochen. „Wir hängen Desinfektionsmittel-Spender auf. Und es ist auch gut, dass sich jeder Gedanken macht. Aber es ist wie bei vielen Dingen heutzutage – es wird leider viel zu oft alles sehr übertrieben dargestellt“, sagt Josef Lang, der Vorsitzende des Vereins Junge Bühne Auersmacher.

Andreas Riedschy. Foto: Heiko Lehmann
Giosafat De Giorgio. Foto: Heiko Lehmann
Kimberley Friedel. Foto: Heiko Lehmann
Svenja Kasprzyk. Foto: Heiko Lehmann
Andreas Kessler. Foto: Heiko Lehmann

Ein Mitarbeiter an der Kasse in einem Supermarkt in Saarbrücken sagt. „Ich bin doch der ideale Multiplikator für das Virus. Ich habe mit Hunderten Menschen am Tag Kontakt und nehme die Waren und das Geld in die Hand. Wenn einer das Virus hat, bekommen es sowieso alle. Ich mache mich deswegen nicht verrückt“, erklärt der Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte.