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Gesundheitswesen
Weiter Sorge wegen des Tuberkulose-Falls

 Nicht einfach zu diagnostizieren: Ein Arzt zeigt  auf das Röntgenbild eines Tuberkulose-Patienten.
Nicht einfach zu diagnostizieren: Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild eines Tuberkulose-Patienten. FOTO: dpa / Gregor Fischer
Riegelsberg. Gesundheitsamt des Regionalverbandes empfiehlt den Eltern, ihren Kita-Kindern vorsichtshalber ein Antibiotikum zu geben. Von Marco Reuther

Bei einer Berufsschülerin aus Saarbrücken war vor etwa zwei Wochen eine Tuberkulose-Erkrankung festgestellt worden. Die junge Frau war auch als Praktikantin in einer Riegelsberger Kindertagesstätte eingesetzt. Ein Info-Abend des Gesundheitsamtes und der Awo als Träger der Kita konnte die Eltern zwar beruhigen (die SZ berichtete). Doch nun hat sich eine betroffene Mutter an uns gewandt, die auf Ungereimtheiten aufmerksam macht und auch beunruhigt ist, weil sie davon ausgeht, dass nicht alle Kinder die Antibiotika verabreicht bekommen, die nun doch vorbeugend eingenommen werden sollten.


Zum einen habe es in der Info-Versammlung vom Gesundheitsamt geheißen, Antibiotika müssten nur genommen werden, falls der erste Schnelltest auf eine Erkrankung hindeute. Doch nun hätten die Eltern Briefe erhalten, dass alle Kinder aus der „Hochrisikogruppe“ Antibiotika nehmen sollten – allein der Ausdruck sei, zumal nicht näher erklärt, beängstigend. Vermutlich seien aber nur Kinder unter fünf Jahre gemeint. Das Antibiotikum selbst – Isoniazid – könne Nebenwirkungen etwa für Leber und Nieren hervorrufen. So teste der Kinderarzt zunächst die Verträglichkeit, bevor er die Antibiotika überhaupt verabreicht. Über die gesamten acht Wochen, bis die Antibiotika wieder abgesetzt werden können, folgen dann im Zwei-Wochen-Takt weitere Blutuntersuchungen. „Zunächst habe ich auch geschwankt, ob wir das machen sollen.“ Doch ihre Kinderärztin habe sich eine Stunde Zeit genommen, ihr und einer weiteren Mutter die Zusammenhänge zu erklären.

Andere Eltern seien, das zeigten Gespräche, wegen der möglichen Nebenwirkungen nicht bereit, ihren Kindern Antibiotika zu geben. „Aber was ist, wenn eines der Kinder tatsächlich erkrankt, so dass die TB ausbricht, und andere ansteckt?“ Eine Tuberkulose (TB) habe ja anfangs kein massives Krankheitsbild und könne leicht – gerade in der Schnupfen-Zeit – mit einem Husten verwechselt werden. Und das Gesundheitsamt habe zwar die entsprechenden Briefe verschickt, kontrolliere aber nicht, ob tatsächlich jedes Kind Antibiotika einnimmt.



Manche Eltern ließen sich vermutlich – auch durch das, was während des Info-Abends gesagt wurde – durch den Tuberkulose-Schnelltest beruhigen. Doch abgesehen davon, dass der noch immer nicht bei allen Kindern vollzogen sei, gebe es da ein Problem: Der Schnelltest zeige nur an, ob sich schon Antikörper gegen die TB im Blut gebildet haben. Doch genau das passiere bei kleinen Kindern oft nicht, so dass der Test dann nutzlos ist. „Das Gesundheitsamt und die Kita-Leitung“, so die Mutter, „sehe ich in der Pflicht, da Klarheit zu schaffen“.

Über die Pressestelle des Regionalverbandes teilte das Gesundheitsamt mit, dass sich die Umstände seit der Info-Veranstaltung geändert haben: Damals sei man noch davon ausgegangen, dass die Anzahl der Kinder, die für eine vorbeugende Antibiotika-Gabe in Frage kommen, genau eingegrenzt werden kann („über die Tätigkeit der Erkrankten und die daraus resultierenden Kontaktzeiten“). Doch: „Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde klar, dass dies nicht möglich ist. Daher wurden ab Montag alle Kinder als gefährdete Kontaktpersonen definiert.“ Auf Deutsch: Alle Kita-Kinder gelten nun als möglicherweise gefährdet. „Dieser Umstand und die am Montag verfügbare Liste mit Geburtsdaten der Kinder zeigte, dass der Anteil der unter Fünfjährigen deutlich größer ist als am Anfang angenommen“, heißt es in der Erklärung, „daher entschloss man sich zur größtmöglichen Sicherheit, entsprechend den offiziellen Empfehlungen, für alle Kinder unter fünf Jahren die Antibiotika-Gabe zu empfehlen“. Die Klärung des Einzelfalls sei aber, „wie bei jeder Medikamentengabe, immer noch durch den behandelnden Arzt notwendig. Das Gesundheitsamt spricht lediglich eine Empfehlung aus“.

Auf der Internetseite des Regionalverbandes stehen „Fragen und Antworten zu Tuberkulose“.