In Kliniken im Saarland gibt es zu viele unerwünschte Ereignisse

Kostenpflichtiger Inhalt: „Patient und Sicherheit“ : In Saar-Kliniken läuft einiges schief

Viele so genannte „unerwünschte Ereignisse“ behindern den Behandlungserfolg. Oft liegt es an schlechter Kommunikation.

Verwechselte Patientenakten, Operation an der linken statt an der rechten Niere, vermeidbare Stürze, allergische Reaktionen, weil das falsche Medikament verabreicht wurde, oder Entzündungen durch multiresistente Keime. Das sind einige Beispiele für so genannte unerwünschte Ereignisse, wie sie allein in den 1942 deutschen Krankenhäusern millionenfach vorkommen. „Bis zu zehn Prozent aller Patienten werden bei einem Klinikaufenthalt mit Vorfällen konfrontiert, die nicht passieren dürften“, bilanzierte Professor Jörg Loth, Vorstandschef der Saarbrücker Krankenkasse IKK Südwest, auf einer Veranstaltung des Netzwerks Gesundheitsregion Saar zum Thema „Patient und Sicherheit“.

Bei rund 19,4 Millionen Krankenhaus-Behandlungsfällen pro Jahr kommen solche Ereignisse bis zu zwei Millionen Mal vor. Bis zu 800 000 solcher Vorkommnisse könnten vermieden werden, ist er überzeugt. Vieles läuft zwar glimpflich ab, „doch in rund 20 000 Fällen endet die unglückliche Verkettung solcher Ereignisse mit dem Tod des Patienten“, sagt Loth.

Wenn etwas schief läuft, „spielt in 80 Prozent eine mangelhafte Kommunikation die tragende Rolle“, sagt der Krankenkassen-Chef. Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, was hier alles im Argen liegen kann. „Die Behandlungsprotokolle werden in vielen Fällen immer noch über den Umweg Patient vom überweisenden Facharzt an die Klinik übermittelt“, kritisierte Stephan Kolling, Staatssekretär im Saar-Gesundheitsministerium. „Die Gefahr ist groß, dass hierbei Unterlagen verloren gehen.“ Das konnte Thomas Vaterrodt, Chefarzt der SHG-Kliniken auf dem Saarbrücker Sonnenberg, nur bestätigen. „80 Prozent unserer eingewiesenen Patienten haben überhaupt keine Informationen des niedergelassenen Arztes dabei“, sagt er. Für ihn und Kolling ist die elektronische Patientenakte, in die alle relevanten Informationen eingetragen sind, unerlässlich, um solche Übermittlungsfehler zu vermeiden.

Auch bei der falschen Verwendung von Medikamenten, „ist die Verwechslungsgefahr riesengroß“, sagte Professor Daniel Grandt, Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum Saarbrücken. Inzwischen würden den Patienten 1860 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe verordnet, die Zahl der möglichen Wirkstoff-Kombinationen sei riesengroß. Vor allem ältere Patienten hätten drei oder vier chronische Erkrankungen „und wenden fünf oder mehr Wirkstoffe gleichzeitig an“. Hier das richtige oder falsche Präparat zu verschreiben, „kommt russischem Roulette gleich“.

Für Kirstin Börchers, die Krankenhäuser und Ärzte in Sachen Qualitäts- und Risikomanagement berät, „muss man mit Fehlern anders umgehen als bisher. Sie sind Schätze, wenn daraus Verbesserungen resultieren.“ Konsequente Fehleranalyse, Checklisten und standardisierte Prozesse seien hier unerlässlich. Außerdem müssten die Patienten stärker eingebunden werden. „Von ihnen kommen oft wertvolle Hinweise darüber, was auf einzelnen Stationen schief läuft.“

Dass häufig Kommunikationspannen passieren, „liegt auch daran, dass für Gespräche in den Teams aber auch mit den Patienten oft zu wenig Zeit bliebt“, hob Ärztekammer-Präsident Josef Mischo hervor. Kritisiert wurde zudem, dass die Ansprechpartner wegen der verschiedenen Schichten von Ärzten und Pfleger oft wechseln. SHG-Chefarzt Vaterrodt setzt hier auf Team-Modelle, „die sicherstellen, dass die Patienten immer feste Bezugspersonen haben“.

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