In der Wertstatt in der Bogenhalle in Saarbrücken wird Gebrauchtes wieder hergerichtet

Wertstatt in der Bogenhalle : Eine zweite Chance für Ausgemustertes

Joachim Quint ist der Projektleiter der Saarbrücker Wertstatt. Über 60 Mitarbeiter richten dort Gebrauchtes wieder her.

Wer sein Geschäft der Jahreszeit entsprechend dekorieren möchte, ist auf Kreativität angewiesen. Entweder auf die eigene oder die seiner Mitarbeiter. Erst recht, wenn man sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Dann sollte man nämlich keine Bäume opfern. Und das macht eine Deko etwa in der Weihnachtszeit schwierig. „Wir haben letztes Jahr zur Weihnachtszeit Bücher so aufgeschichtet, dass der geschmückte Stapel zu unserem Weihnachtsbaum wurde“, sagt Joachim Quint. Er ist Projektleiter in der „Wertstatt in der Bogenhalle“ auf dem Gelände des ZKE-Wertstoffhofes (Zentraler Kommunaler Entsorgungsverband) am Holzbrunnen. In diesem Projekt des Zentrums für Bildung und Beruf Saar (ZBB) kümmert er sich mit neun Angestellten darum, dass 60 Teilnehmer im Qualifizierungsprogramm für Langzeitarbeitslose sich wieder für den Arbeitsmarkt interessant machen können.

Wertstatt – das soll ausdrücken, dass aus eigentlich Ausgemustertem wieder was Brauchbares wird. Abseits der Ladenfläche, wo es allerhand gebrauchtes Mobiliar, Haushaltsgeräte, Kleidung, Spielsachen, Bücher und vieles mehr gibt, befindet sich die Werkstatt. Meist sind es gespendete Möbel – überwiegend Tische und Schränke – die darin fachmännisch wieder hergerichtet werden. Die Sachen landen nicht auf dem Sperrmüll, sondern bleiben im Warenkreislauf und ermöglichen es Menschen mit wenig Geld, sich günstig ein Bett, ein Regal oder einen Fernseher zu beschaffen.

„Grundsätzlich darf aber jeder bei uns einkaufen“, sagt Quint. Neben dem Nachhaltikeitsprinzip muss er eine weitere Prämisse beachten: Das mit Geld des Europäischen Sozialfonds, des Jobcenters, des Landes und der Stadt finanzierte Projekt dürfe nicht mit denen konkurrieren, die das geschäftlich machen. Klassische Haushaltsauflösungen müssen sie etwa den darauf spezialisierten Unternehmen überlassen. „Gespendete Möbel holen wir aber auch vor Ort ab“, informiert der Projektleiter. Keine Interessenkonflikte mit der freien Wirtschaft entstünden bei den kreativen Ideen der Wertstatt. Etwa, wenn sie aus ausgedienten Euro-Paletten Hochbeete bauen oder aus riesigen Holzkabeltrommeln einen Thron für den heimischen Garten zimmern. Solche Dinge kommen ihnen wegen der Nähe zum ZKE-Wertstoffhof in die Hände. Auch ausgediente Arbeitskleidung der Entsorger und anderer städtischer Arbeitet landen in der Wertstatt, wo in der Nähstube daraus zum Beispiel schicke und nützliche Taschen entstehen.

Vor allem gehe es darum den Tagesablauf derer, die länger erwerbslos waren, wieder an den Rhythmus eines Arbeitstages zu gewöhnen. „Meist handelt es sich um einen Acht-Stunden-Tag, Ältere arbeiten nur sechs Stunden“, so Quint. „Nehmt der Kundin doch bitte mal das Paket ab“, bittet er jugendliche Projektteilnehmer, die Arbeitserfahrung als Verkäuferinnen sammeln sollen: „Anfangs muss man denen das noch sagen, dann verinnerlichen es die meisten aber schnell.“ In der Bogenhalle befinden sich auch Unterrichtsräume und Computer-Arbeitsplätze mit Internetanschluss. „Wir unterstützten die Teilnehmer auch dabei, im Internet Arbeitsplätze oder eine Wohnung zu finden, Bewerbungen zu schreiben und alles, was notwendig ist, umihren Alltag in geregelte Bahnen zu lenken.“ Selbst gesundes Kochen wird hier am Arbeitsplatz vermittelt.

Der Projektleiter muss morgens ab halb acht, wenn sein Arbeitstag beginnt, die Aufgaben für die Teilnehmer festlegen.  Unter anderem muss er auch überwachen, dass die Kassenbücher ordentlich geführt werden. Und mit seiner Endabnahme sicherstellen, dass von den wieder gebrauchsfähig gemachten Wertstoffen keine Gefahr für die zukünftigen Nutzer ausgeht. Quint selbst fühlt sich zuhause in Bischmisheim am wohlsten. Beim ZBB arbeitet er seit sechs Jahren, für die Wertstatt in der Bogenhalle ist Quint mittlerweile seit fünf Jahren verantwortlich.

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