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Musik verbindet Generationen
In der Stadtkapelle trifft Jugend auf Erfahrung

Dieter Ihl ist Klarinettist in der Stadtkapelle, Emelie Betz spielt dort leidenschaftlich gern Schlagzeug.
Dieter Ihl ist Klarinettist in der Stadtkapelle, Emelie Betz spielt dort leidenschaftlich gern Schlagzeug. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Wer gern musiziert, für den spielen Altersunterschiede keine Rolle. Das gilt auch für Dieter Ihl (74) und die 16-jährige Emelie Betz. Von Frank Bredel

Alt und Jung gehen oft getrennte Wege. Im Orchester ist das unmöglich. Dieter Ihl (74) und Emelie Betz (16) finden gerade das sehr spannend und musizieren gemeinsam in der Saarbrücker Stadtkapelle. Ihl ist Klarinettist im Orchester, sein Instrument erlernte er mit 15 Jahren.


„Mein Vater hat es mir beigebracht, eine Musikschule gab es nämlich noch nicht. Papa war Militärmusiker, er hat junge Leute unterrichtet und auch mich neugierig gemacht“, erzählt Ihl. Der Fechinger spielte zeitlebens in Orchestern. Mit 19 kam er zur Bundeswehr, war dort auch im Musikcorps. Später spielte er im Saar-Wind-Orchester in Rilchingen-Hanweiler, seit 1984 gehört er zur Stadtkapelle. „Hier habe ich viel Zeit reingesteckt, schöne Konzertreisen erlebt und jede Menge Spaß. Da hört man nicht einfach auf“, sagt er.

Mit der Stadtkapelle sei er in München, Berlin und Nantes gewesen. „Wir üben zusammen und irgendwann entsteht ein harmonisches Ganzes. Die Altersunterschiede der Musiker spielen da gar keine Rolle.“ Wenn er nicht musiziert, werkelt er im Garten oder erfreut sich an der Modelleisenbahn. Musikunterricht gibt er keinen, das sei Sache der Musikschulen.



Über Musikunterricht kam Emelie Betz aus Heckendalheim in die Stadtkapelle, denn sie lernte Schlagzeug beim Stadtkapellen-Dirigenten Mathias Weißenauer, Paukist im Staatsorchester. „Mit sechs Jahren fing ich an, Schlagzeug zu spielen. Dabei war ich immer am klassischen Repertoire interessiert, obwohl mich mein Vater inspiriert hatte, der aber in einer Rockband spielte. In einer Band zu spielen hat mich selbst nie interessiert“, erzählt die Abiturientin. Von Anfang an sei sie Orchestermusikerin gewesen, mit sieben Jahren kam sie zur Bergkapelle in St.Ingbert, wo sie heute noch mitspiele. „Das gemeinsame Musizieren macht mir Freude“, sagt sie und spielt gern mit den älteren Musikern. „Die bringen ihre Erfahrung mit und man kann immer jemanden fragen. Außerdem muss man im Orchester sehr genau spielen, denn Fehler fallen beim Schlagzeug immer als erstes auf.“ Natürlich spielt die junge Musikerin auch die Pauke, das Xylophon und das Glockenspiel und ist für die Stadtkapelle damit unersetzlich, denn am Schlagzeug ist sie die einzige Besetzung. „Wenn Emelie nicht da ist, brauchen wir einen Aushilfsmusiker oder spielen ohne Schlagzeug“, sagt Ihl und freut sich, dass sich die junge Musikerin für die Stadtkapelle begeistern konnte: „Ohne die Jugend könnten wir nicht fortbestehen.“ Für Emelie ist die Musik ihr Leben. Die Mitwirkung in zwei Orchestern schränkt weitere Hobbys sehr ein, nur das Reiten auf dem Ponsheimer Hof mit dem eigenen Pferd Lina steht noch auf dem Plan. Nach dem Abitur soll die Musik aber Hobby bleiben. „Ich möchte Notfallsanitäterin werden“, sagt sie entschieden. Dann ertönt im Beruf nur das Martinshorn.