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Serie 40 Jahre Theater Überzwerg: Immer wieder zurück zum Theater Überzwerg

Serie 40 Jahre Theater Überzwerg : Immer wieder zurück zum Theater Überzwerg

Der Schauspieler Jan Gebauer startete seine Bühnenkarriere im Jugendclub des Kindertheaters, bevor es ihn nach Ingolstadt verschlug.

Hätte ihm jemand vorausgesagt, dass er als Saarländer mal in Bayern Wurzeln schlagen würde, hätte er ihn für verrückt erklärt, sagt Jan Gebauer. Den gebürtigen St. Arnualer, der seine ersten Bühnenerfahrungen bei der Laienbühne Thalia Ludweiler und im Theater Überzwerg sammelte, verschlug es erstmals Anfang der 90er Jahre in den Freistaat, um in München Schauspiel zu studieren. Nach Engagements am Münchner Residenztheater, dem Theater Ulm und acht „freien“ Jahren, landete er 2009 am Stadttheater Ingolstadt.

Dort fühlt sich der Schauspieler, Ehemann und Vater einer zweijährigen Tochter so wohl, dass er nicht mehr weg will. Die Stadt sei mit 150 000 Einwohnern zwar etwas kleiner als Saarbrücken, doch das Theater mit seinem 30-köpfigen Ensemble, vier Spielstätten plus Freilichtbühne Bayerns größtes Schauspielhaus. Das Haus mache eine sehr gute und geistig anregende Arbeit – und das bei fast 90 Prozent Auslastung, schwärmt Jan Gebauer. „Wir sind sehr etabliert in der Gesellschaft als Mahner oder ihr Spiegel, eben all das, was man sich in der Auseinandersetzung mit dem Beruf so wünscht.“

Ein besonderes Highlight war für Gebauer der „Futurologische Kongress“, den sein Theater Mitte Juni mit Unterstützung der Hochschulen veranstaltete. Drei Tage lang wurde da – vor über 14 000 Besuchern – in Theateraufführungen, Performances, Tanz, wissenschaftlichen Vorträgen, Ausstellungen und Versuchsreihen Zukunfts-Themen wie Robotik, künstliche Intelligenz oder Digitalisierung verhandelt. „Solche Projekte, die der Nachhaltigkeit dienen, sind einfach so Sinn erfüllend und machen einen zufrieden“, zeigt sich der Schauspieler noch ganz begeistert.

Derzeit steht Gebauer in „Der Besuch der alten Dame“ als Pfarrer auf der Bühne und probt daneben schon die Operette „La Luna“ für die nächste Saison, denn das Theater pflegt auch die leichtere Muse.

Neben seinen Verpflichtungen im Ensemble ist der Schauspieler mit der sonoren Bassstimme aber auch noch regelmäßig als Sprecher für Arte-Dokumentarfilme und Hörfilmfassungen aktiv oder schreibt Features. Die Grundlagen dafür, dass ihn sein Beruf so erfüllt, ist der Mittvierziger überzeugt, hat er beim Theater Überzwerg erhalten. „Es hat einem so viel Grundsätzliches mitgegeben, an Neugierde und Interesse an den unterschiedlichsten Nutzbarkeiten des Schauspielberufes“, findet Gebauer rückblickend.

Jan Gebauer und Eva Coenen in „Kleine Engel“ im Überzwerg. Foto: dasbilderwerk

So wie Frank Erhardt fand auch er über den Jugendlehrgang des saarländischen Volksbühnenbundes zu Überzwerg-Chef Bob Ziegenbalg und seinem Jugendclub und fing Feuer. Bevor er dort ein Elevenjahr antreten durfte, verlangte Ziegenbalg vom jungen Jan jedoch zuerst das Abi zu machen. „Bob ist sehr verantwortungsbewusst, er setzt niemand Flausen in den Kopf“, betont Gebauer. Gern erinnert er sich noch an das Zweipersonen-Stück „Robinson und Crusoe“, mit dem sie in seinem Elevenjahr auf Tournee durch Polen gingen. Gleich danach zog er weiter nach München. Als freischaffender Schauspieler kehrte er jedoch mehrmals zu Überzwerg zurück. Nicht nur als Gast-Akteur, bisweilen auch um Babywindeln zu wechseln und seiner Ehefrau Lejla Divanovic so den Rücken frei zu halten, wenn sie bei Überzwerg als Gast-Regisseurin inszenierte.