Immer weniger Blutreserven im Regionalverband Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Die Blutkonserven werden knapp : Dringend gesucht: Lebenssaft

Immer weniger Blutreserven im Regionalverband Saarbrücken. Finden sich keine Spender, droht ein ernster Engpass.

Das wird eng. Wenn es ganz hart kommt, sogar sehr eng: Es gibt immer weniger Blutspenden im Regionalverband. Christoph Ernwein, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst Rheinland-Pfalz/Saar, hat Zahlen: Verzeichnete das DRK im Jahr 2008 noch 5293 Blutspenden im Regionalverband, so waren es 2017 lediglich 4616 und 2018 nur 4314 – also zuletzt gut 21 Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor. Außer dem DRK sammelt im Regionalverband nur die Blutspendezentrale Saar-Pfalz am Winterbergklinikum Blutspenden. Deren Ärztlicher Leiter Alexander Patek hat ähnlich alarmierende Zahlen: Im Jahr 2011 sammelte die Blutspendezentrale etwa 18 000 Blutspenden, in diesem Jahr rechnet Patek mit rund 12 000 Spenden, „der Rückgang wird von Jahr zu Jahr stärker“.

Dabei hatte man bisher noch Glück, dass der Bedarf in den vergangenen Jahren ebenfalls gesunken war, erklärt Ernwein: Bis in die 2000er hatte es noch einen Anstieg der Spenden gegeben, was auch notwendig war, da durch neue Operationsmöglichkeiten auch mehr Blutkonserven gebraucht wurden. Der Bedarf an Blutkonserven im Zusammenhang mit Autounfällen ist – dank sichererer Fahrzeuge – inzwischen vergleichsweise gering, aber „etwa jede zweite Blutkonserve kommt heute bei Krebstherapien zum Einsatz, oft kann Menschen geholfen werden, die früher einfach gestorben wären“. Und dadurch dass wir älter werden, kommt es auch zu mehr Operationen.

Auf der anderen Seite hat es große Fortschritte bei den Operationstechniken gegeben, wenn etwa häufig nur noch minimalinvasiv mit Hilfe des Endoskops operiert wird. So konnte der Rückgang an Blutkonserven bisher zumindest teilweise dadurch ausgeglichen werden, dass im Operationssaal weniger Blutkonserven gebraucht werden. Auch neue Methoden helfen, etwa, dass das Blut des Patienten vor der OP mittels Eisenpräparaten „aufgepäppelt“ wird oder dass es während der OP aufgefangen, gereinigt und wieder zugeführt wird.

Doch das alles wird auf Dauer nicht helfen, ohne neue Blutspender Engpässe zu vermeiden. „Im Juni und Juli gab es Tage“, so Ernwein, „da waren keine Konserven mit der Blutgruppe Null negativ mehr da“ – die Blutgruppe ist selten, kann aber bei jedem Patienten eingesetzt werden. An manchen Tagen habe man gewissermaßen – mit leeren Lagern – von der Hand in den Mund leben müssen. Auch bundesweite Studien, so Patek, zeigten, dass sich die Kliniken auf ernste Engpässe einstellen müssen. Da akute Fälle Vorrang vor geplanten Operationen haben, könne ein künftiger Engpass an Blutkonserven zum Beispiel dazu führen, dass geplante Operationen verschoben werden.

Aber warum ist die Spendenbereitschaft überhaupt zurückgegangen? Beide sehen darin auch ein gesellschaftliches Problem: Die älteren Blutspender seien regelmäßig gekommen, würden nun aber nach und nach durch Tot oder Krankheit wegfallen, und jüngere Spender kämen, wenn überhaupt, eher unregelmäßig. Trotz immer neuer Aufrufe und auch Werbeaktionen: „Es ist schwierig, die jüngere Generation ans Blutspenden heranzuführen“, sagt Ernwein. Und Patek geht inzwischen davon aus, „dass eine Bereitschaft zur Blutspende bei junge Leuten kaum vorhanden ist“.

Der Rückgang der Spendenbereitschaft spiegelt sich auch in den einzelnen Regionalverbands-Kommunen wider; Beispiel Püttlingen: „Seit fast 50 Jahren werden hier Blutspendetermine in der Regel viermal pro Jahr angeboten, hinzu kommen noch vier Termine des DRK-Ortsverbandes Köllerbach“, schreibt der Vorsitzende des DRK-Püttlingen, Alt-Bürgermeister Martin Speicher, ergänzt aber: „Allerdings bereitet die Entwicklung des Spenderaufkommens seit einiger Zeit Probleme. Kamen in den zurückliegenden Jahren in der Regel um die 150 Personen, so ist seit einiger Zeit ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen“, beim vorangegangenen Termin seien gerade mal 100 Spender gekommen. Spenden kann jeder gesunde Bürger ab 18 Jahren, Erstspender dürfen nicht älter als 68 Jahre sein.

Im Saarland, so Ernwein, würden die Blutspenden saarländischer Spender allein nicht ausreichen. – Heißt: Wer hier schon eine Bluttransfusion bekommen hat, der könnte jetzt auch pfälzer Blut in sich tragen.

Blutspende-Termine erfährt man bei der kostenlosen Hotline des Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz/Saar, Tel. (08 00) 11 949 11.

www.blutspendedienst-west.de

www.klinikum-saarbruecken.de

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