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Stadtplanung
Im Trippelgang zur bürgerfreundlichen Stadt

Der Unterbau der Wilhelm-Heinrich-Brücke wird von März bis November 2018 saniert. Parallel dazu lässt die Stadt in beiden Richtungen Fahrradspuren markieren. Dann gibt’s auf jeder Seite nur noch zwei durchgehende Autospuren plus Abbiegespur.
Der Unterbau der Wilhelm-Heinrich-Brücke wird von März bis November 2018 saniert. Parallel dazu lässt die Stadt in beiden Richtungen Fahrradspuren markieren. Dann gibt’s auf jeder Seite nur noch zwei durchgehende Autospuren plus Abbiegespur. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Autostadt Saarbrücken nimmt täglich tausende Pendler auf. Sie braucht einen langen Atem, wenn sie sich ändern will. Von Jörg Laskowski

Wo hakt’s auf Saarbrückens Straßen? Was geht den Bürgern auf die Nerven, was nagt an ihrer Gesundheit, und was kann die Stadt dagegen tun? Mit diesen Fragen begann 2014 das Mammutprojekt Verkehrsentwicklungsplan (VEP). Und die Bürger konnten sich an der Entwicklung dieses Planes beteiligen wie noch an keinem anderen Projekt in der Geschichte ihrer Stadt (die SZ berichtete).



2016 war der Plan im Kasten und bekam den Segen des Stadtrates. 2017 begann die Stadt abzuarbeiten, was die Bürger ihr aufgetragen haben.

Das ist ein gewaltiger Aufgabenberg, an dem die Verwaltung nur mit langem Atem und in kleinen Schritten vorankommen kann. Zumal im Stadthaushalt kein extra Etat-Posten für den VEP ausgewiesen ist.

Die Stadt muss also die Verbesserung der Verkehrssituation quasi nebenbei aus dem Etat zur Instandhaltung der Straßen finanzieren. Und dieser Etat reicht bekanntlich vorn und hinten nicht, weil Saarbrücken seine Straßen ja für Berufspendler aus dem ganzen Land fit halten muss (die SZ berichtete).

Wie die Stadt trotzdem versucht, den Wünschen und Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden, veranschaulichte am Mittwoch Baudezenent Heiko Lukas gemeinsam mit Christof Kreis und Wolfgang Schöndorf (beide vom Stadtplanungsamt) mit der ersten VEP-Jahresbilanz — und dem Ausblick auf die wichtigsten VEP-Projekte 2018.

Auf der Habenseite 2017 stehen zahlreiche neue Radwege, neue oder sanierte Gehwege, barrierefreie Fußgängerfurten, sieben behindertengerechte Bushaltestellen, mehrere Tempo-30-Zonen und der Baubeginn am dringend benötigten Kreisel An der Heringsmühle.

Populärstes Beispiel für die Tempo-30-Zonen ist die Lebacher Straße, wo die Stadt das Limit im Sommer verhängte und parallel dazu auf beiden Seiten Fahrradspuren markieren ließ — ohne dass der Verkehr zusammenbrach und ohne dass bislang auch nur eine einzige Beschwerde kam.

Das könnte bei den Plänen für 2018 anders werden. Spektakulärstes Projekt hier ist die Sanierung der Wilhelm-Heinrich-Brücke. Die Aufträge dafür hat die Stadt 2017 vergeben. Im März soll’s losgehen — wenn das Wetter mitmacht. Und im November soll alles fertig sein: sowohl die Sanierung des Brückenunterbaus als auch die neue Aufteilung der Fahrspuren.

Zurzeit gibt’s auf der Brücke in jede Richtung vier Autospuren, drei durchgehende und eine Abbiegespur. Ab November 2018 sollen es pro Richtung nur noch zwei durchgehende und eine Abbiegespur sein — plus je eine Fahrradspur. Trotzdem dürfen unsichere Radler auch weiterhin die beiden rund sechs Meter breiten Bürgersteige auf der Brücke benutzen.

Außerdem will die Stadt die Heuduckstraße aufpeppen und dabei auch Vorschläge der Bürger aus dem Herbst 2016 verwirklichen. Die Planung läuft, losgehen soll’s laut Lukas „in absehbarer Zeit“ — das könnte allerdings auch erst 2019 sein. Die Straße soll enger werden, die Stadt will ein Tempo-Limit verhängen, Bäume pflanzen und die Parkplätze neu ordnen. Beim Thema Parken — so versicherte Lukas — will die Stadt ihre derzeitige Strategie beibehalten: Sie will ihre eigenen Parkflächen weiter billiger anbieten als die private Konkurrenz und so dazu beitragen, dass die Gebühren auch der Privaten „im Bundesdurchschnitt“ bleiben.

Lukas erklärte: „Wir sind mit dem Parkhausbetreiber Q-Park in regelmäßigen Gesprächen über stabile Preise und darüber, dass Parkhäuser attraktiver, das heißt sauberer und sicherer werden sollen.“

Aber Saarbrücken hat noch andere Parkhausprobleme, die besonders jetzt im Weihnachtseinkaufstrubel wieder akut werden. Lukas: „Es gibt ja Zeiten, wo es schwer ist, aus bestimmten Parkhäusern wieder herauszukommen.“ So etwa aus dem Parkhaus der Europa-Galerie.

Daher lasse die Stadt zurzeit untersuchen, wie die Verkehrssituation zwischen Bahnhof und St. Johanner Straße entspannt werden kann. Denn nur wenn dieses Problem gelöst werde, könne auch ein weiteres VEP-Projekt funktionieren — die so genannte kleine Innenstadtumfahrung. Die wäre nämlich sinnlos, wenn sie unterhalb des Bahnhofs in das derzeit dort übliche Verkehrs­chaos münden würde. Die Machbarkeitsstudie für die kleine Innenstadtumfahrung hat Saarbrücken ebenfalls schon in Auftrag gegeben.

Außerdem will die Stadt 2018 weitere Tempo-30-Zonen ausweisen, Barrieren auf Gehwegen und an Bushaltestellen beseitigen — und die Schulwege sicherer machen.

Unter anderem will Saarbrücken eine Elternhaltestelle testen, an der Eltern ihre Kinder vor der Max-Ophüls-Schule absetzen können.